«Klima-Allianz» greift Martullo-Blocher an

In Graubünden nimmt eine neue Mitte-links-Verbindung den Nationalratssitz der SVP ins Visier.

Für Grünliberale, SP und La Verda sind zwei Bündner SVP-Nationalräte zu viel: Magdalena Martullo-Blocher und Heinz Brand. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Für Grünliberale, SP und La Verda sind zwei Bündner SVP-Nationalräte zu viel: Magdalena Martullo-Blocher und Heinz Brand. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie ist ein führendes Mitglied der grössten Partei, dazu noch schwerreiche Industrielle und Tochter des bekanntesten Schweizer Politikers, Christoph Blocher. Doch ob Magdalena Martullo-Blocher im Herbst die Wiederwahl als Bündner SVP-Nationalrätin schafft, ist ungewiss. 2015 erhielt sie bloss das Restmandat unter den fünf Bündner Sitzen. Und ihre Gegnerschaft baut entschlossen an einer Anti-SVP-Achse.

Gestern konnte diese Gegnerschaft einen Zwischenerfolg ­vermelden. Die Grünliberalen schliessen sich mit SP und La Verda (dem Bündner Ableger der Grünen) zu einer «Klima-Allianz» zusammen, wie die drei Par­teien bekannt gaben. Sie planen eine Listenverbindung, um «allen Stimmen, die eine ökologische Politik wünschen, maximales Gewicht zu geben». Die «Abwendung der Klimakatastrophe» sei die grösste Herausforderung der kommenden Jahre.

Dass sich der Zusammenschluss gegen die SVP und ihre Doppelvertretung in Bern richtet, daraus macht SP-Spitzenkandidat Jon Pult keinen Hehl. «Unser Ziel ist es, die klimafreundlichen Kräfte zu stärken, die klimafeindlichen dagegen zu schwächen. Das bedeutet: zwei Sitze für unsere ‹Klima-Allianz›, einen weniger für die SVP.»

«Für uns in Graubünden aber weniger. Bündnerinnen und Bündner wählen Köpfe, keinen Mainstream.»Heinz Brand, Präsident der SVP Graubünden

Um diesen Erfolg zu schaffen, hofft die Allianz auf den Schwung der Klimabewegung, buhlt aber auch um weitere Listenpartner. Man sei offen für zusätzliche Verbindungen, sofern die politischen Ziele geteilt würden. Pult selber denkt dabei an die CVP und die BDP. Aufgrund ihrer Politik der letzten Jahre sieht der ­Sozialdemokrat die beiden Parteien (die in Graubünden je einen Nationalratssitz halten) am ehesten als Partner.

Viele SVP-Gegner würden sich insbesondere über eine Abwahl Martullos freuen. Sie polarisiert durch ihren angriffigen Politstil (und ihren Vater) deutlich stärker als der andere Bündner SVP-Nationalrat, der konziliante Parteipräsident Heinz Brand. Zudem gilt sie mit ihrem Wohnort an der Zürcher Goldküste immer noch vielen Bündnern als Auswärtige. Indes muss Brand durchaus auch damit rechnen, dass es im Fall eines Sitzverlusts ihn selber treffen könnte. Bei der SVP-Basis ist Martullo populär, und sie kämpft laut Beobachtern intensiv um ihre Wiederwahl.

Schliessen sich weitere an?

Während sich Martullo nicht äussern will, gibt sich Heinz Brand entspannt. Er sieht seine Chancen durch die «Klima-Allianz» nicht geschmälert, im Gegenteil. «Unsere Erwartung war, dass die Grünliberalen mit den bürgerlichen Mitteparteien zusammengehen. Jetzt, wo diese grosse Listenverbindung nicht zustande kommt, ist die Ausgangslage für uns etwas günstiger.» Die aktuelle Ökowelle bereite ihm zwar für die SVP Schweiz gewisse Sorgen, so Brand. «Für uns in Graubünden aber weniger. Bündnerinnen und Bündner wählen Köpfe, keinen Mainstream.» Und die Wähler wüssten die Leistung der SVP-Delegation im Nationalrat zu beurteilen und zu würdigen.

Sehr eng würde es für Martullo und Brand vor allem, wenn die «Klima-Allianz» Zuwachs erhielte. Allzu wahrscheinlich ist dies nicht. Die Entscheide stünden aber noch aus, erklären die Präsidenten von CVP und BDP auf Anfrage. In Bedrängnis geriete die SVP auch, sollten die Mitte-Bürgerlichen unter sich eine Listenverbindung beschliessen. Der Bündner Politkrimi dauert an.

Erstellt: 18.06.2019, 06:15 Uhr

Artikel zum Thema

Das Klima-«Extrablatt» der SVP im Experten-Check

Heute erhalten wir alle Post von der Volkspartei. Kampf-Thema: Die «Klimahysterie». ETH-Professor Reto Knutti prüft die Argumente. Mehr...

Martullo-Blocher zittert um Wiederwahl

Die Bündner Nationalrätin wird bereits als Bundesrätin gehandelt. Dabei ist ungewiss, ob sie Ende Jahr noch im Nationalrat sein wird. Mehr...

Martullo im Visier: Anschlag auf Ems-Chemie in Männedorf

Ein «Komitee für Kämpfende Streikerinnen» hat Farbe vor einem Büro der Ems-Gruppe versprüht. Chefin Magdalena Martullo-Blocher reagiert mit Strafanzeige. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Bei Sonnenuntergang: Junge spielen Fussball am Ciliwung in Jakarta, Indonesien. (11. Juli 2019)
(Bild: Willy Kurniawan) Mehr...