Klimastreiken für Erwachsene – das müssen Sie beachten

Im Mai soll die ganze Schweiz fürs Klima auf die Strasse. Darf man beim Job einfach fehlen? Und was sagen die Unternehmen?

Die Klimademonstration am 17. Mai in Zürich. Foto: Reto Oeschger

Die Klimademonstration am 17. Mai in Zürich. Foto: Reto Oeschger

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Wann ist ein Streik ein Streik?
Nicht nur Schüler, sondern auch Spitalangestellte oder Bauarbeiter sollen am Freitag, 15. Mai 2020, für das Klima «streiken». Der Aufruf der Klimabewegung vom Dienstag hat allerdings einen Haken: «Beim Klimastreik handelt es sich im juristischen Sinn nicht um einen Streik, sondern um eine politische Meinungsäusserung», sagt Arbeitsrechtler Thomas Geiser. Das sei nicht anders als beim Frauenstreik vom letzten Juni. Will also ein Arbeitnehmer während seiner Arbeitszeit «streiken», muss er sich diese Absenz vom Arbeitgeber bewilligen lassen.  Juristisch spricht man gemäss Geiser dann von einem Streik, wenn es um eine arbeitsrechtliche Frage geht wie den Lohn oder die Arbeitsbedingungen. Die Forderungen müssen sich zudem konkret an einen Arbeitgeber richten. Und der Streik muss von einem Sozialpartner ausgehen. Alle drei Kriterien erfüllt eine Klimakundgebung nicht.

Wie reagieren die Firmen?
Diese Zeitung hat von einem Dutzend grosser Schweizer Arbeitgeber Rückmeldungen dazu erhalten, wie sie mit einem Klimastreik umgehen wollen. Von der Migros über die UBS bis zur ABB betonen alle, dass sie das Klimathema für wichtig halten und interessierten Angestellten grundsätzlich die Teilnahme am Streik ermöglichen wollen – jedoch nur auf Antrag und sicher nicht als bezahlte Arbeitszeit. Während Dienstleistungsbetriebe wie die Swisscom oder die Bundesverwaltung betonen, dass bei ihnen ohnehin zeitlich flexibel gearbeitet werde, stellen Industriebetriebe wie Roche und Emmi oder auch das Berner Inselspital klar, dass durch den Klimastreik keine Engpässe oder Produktionsausfälle entstehen dürfen.

Darf der Arbeitgeber die Teilnahme verweigern?
Den Frauenstreik habe man als Arbeitgeberverband wohlwollend begleitet und den Mitgliedern auch empfohlen, Absenzanfragen nach Möglichkeit zu bewilligen, sagt Sprecher Fredy Greuter. Im Fall der Klimakundgebung habe man sich als Verband noch nicht festgelegt. Ohne Begründung ablehnen könne ein Arbeitgeber das Gesuch um Absenz nicht, sagt Arbeitsrechtler Thomas Geiser. Auch ein Nein aus politischen Gründen sei nicht möglich. Zulässig seien Absagen, wenn zum Beispiel die Produktion in einem Betrieb nicht mehr aufrechterhalten werden könne.

Was passiert bei einer unentschuldigten Absenz?
Verlasse ein Angestellter einfach seinen Arbeitsplatz, um zu demonstrieren, müsse er mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen, sagt Greuter vom Arbeitgeberverband. Einmaliges Blaumachen könne etwa zu einem Verweis führen, sagt Arbeitsrechtler Geiser. Jedoch nicht zu einer fristlosen Entlassung – ausser eine unbewilligte Absenz habe für den Arbeitgeber schwerwiegende Folgen.

Erstellt: 15.10.2019, 20:21 Uhr

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