Kommandant wird versetzt, den 300'000-Franken-Lohn behält er

Nach einer Spesenaffäre in der Armee geht der Ausbildungschef nach Washington. Dort verdient er mehr als sein Vorgesetzter.

Korpskommandant Daniel Baumgartner verlässt die Armee und fliegt als Verteidigungsattaché nach Washington. Foto: Nicola Pitaro (VBS)

Korpskommandant Daniel Baumgartner verlässt die Armee und fliegt als Verteidigungsattaché nach Washington. Foto: Nicola Pitaro (VBS)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Verteidigungsattaché in Paris oder in Washington: Das sind die Traumposten jener, die im ­Ausland militärdiplomatischen Dienst leisten wollen. Dem Aussendepartement (EDA) zugeordnet, verrichten die Attachés dann ihren Dienst, in der Regel für vier Jahre. Die Ausbildung dauert sechs Monate. Wer auf einen der 18 Schweizer Aussenposten geschickt wird, verdient gutes Geld. Die Schweizer Verteidigungsattachés gehören der 29. Lohnklasse an, von 38, die es bei der Bundesverwaltung gibt. Das bedeutet einen Monatslohn von fast 15'000 Franken. Korpskommandant Daniel Baumgartner verdiente bisher deutlich mehr. Er gehört als Ausbildungschef der Schweizer Armee zur Lohnklasse 36 und bekommt so über 300'000 Franken im Jahr.

Kritik in der Verwaltung

Baumgartner quittierte seinen Posten als Ausbildungschef, nachdem er in der Spesenaffäre der Schweizer Armee eine mittragende Rolle gespielt hatte. Er fühlte sich an der Armeespitze nicht mehr getragen. Als Folge davon bat er seine Bundesrätin, Viola Amherd (CVP) um Versetzung nach Washington. Letzte Woche ist der Bundesrat diesem Antrag gefolgt. Diskussionen zur Personalie habe es in der Landesregierung nicht gegeben, wollen Quellen wissen. Sie besagen aber auch, es habe namentlich im EDA und im Verteidigungsdepartement (VBS) Kritik gehagelt. Und zwar wegen des neuen Salärs des Dreisterngenerals, das dem alten entspricht. Das VBS-General­sekretariat habe in der Folge vergeblich nach einer Lösung des Problems gesucht.

Attachés und deren Aufgaben sorgen immer wieder für politische Diskussionen.

Dieses besteht darin, dass Korpskommandant Baumgartner für einen Verteidigungs­attaché zu viel verdient. Denn seinen bisherigen Lohn von 300'000 Franken darf der Korpskommandant behalten. Baumgartner wird in der Lohntabelle des Bundes zwar um sieben Positionen zurückversetzt. Doch das entspricht reiner Formalität. Denn im Portemonnaie des Korpskommandanten hat die Rückstufung keinerlei Folgen. Das VBS bestätigt auf Anfrage: «Gestützt auf Artikel 52a Absatz 1bis der Bundespersonalverordnung, gewährt der Bundesrat Korpskommandant Baumgartner einen Besitzstand von vier Jahren auf seinem Lohn.»

In diesem Verordnungsartikel heisst es, bei einer unverschuldeten Versetzung auf eine finanziell tiefer bewertete Funktion müsse die Lohnklasse im Arbeitsvertrag angepasst werden. Und weiter: «Der Lohn bleibt unverändert.»

Alte Kameraden

Unter Angestellten im EDA und im VBS wird derzeit hinter den Kulissen eine Frage heftig diskutiert. Welche Auswirkungen hat das Spitzensalär Daniel Baumgartners auf das Arbeitsverhältnis zum Missionschef in Washington? Mit Jacques Pitteloud sitzt bald ebenfalls ein ehemaliger Militär auf dem Botschafterposten. Pitteloud wird als direkter Vorgesetzter Baumgartners rund 50'000 Franken im Jahr weniger verdienen als sein Untergebener. Die beiden kennen sich seit Jahren und aus gemeinsamer Tätigkeit für den militärischen Nachrichtendienst (MND). Das Verhältnis unter den beiden war dort zeitweise angespannt, wie es heisst. Baumgartner war mit der Vorgehensweise Pittelouds zuweilen nicht einverstanden.

Verteidigungsattachés und deren Aufgaben sind immer wieder Gegenstand politischer Diskussionen. Namentlich auf die Posten in Paris und Washington versetzt die Landesregierung immer mal wieder hohe Berufsoffiziere, die dort ihre Karriere ausklingen lassen. Gemäss Stellenbeschrieb des VBS sollen die Attachés unter anderem ein «krisenresistentes Netzwerk aufbauen», für die Schweiz sicherheitspolitisch «wichtige Informationen beschaffen» und «vor Ort die militärischen Interessen der Schweiz frühzeitig einbringen».

Diener dreier Herren

Verteidigungsattachés gestalten ihre Arbeitstage weitgehend selbstständig und liefern regelmässig Lageberichte in die Schweiz. Die Führung der Attachés ist deshalb anspruchsvoll, weil sie gleich drei verschiedenen Dienststellen unterstellt sind: dem Departement für auswärtige Angelegenheiten als Unterstellte des Missionschefs, dem Stabschef der Armee, wenn es um Anstellungs- und Ressourcenprobleme geht, sowie dem Nachrichtendienst des Bundes, dem die Attachés regelmässig berichten.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 14.04.2019, 22:28 Uhr

Artikel zum Thema

Das übertriebene Salär ist inakzeptabel

Kommentar Wer einem Militärattaché pro Jahr mehr als 300'000 Franken zahlt, verschleudert Steuergelder. Mehr...

«Die Frauen können mithelfen, das Problem zu lösen»

Das VBS will den Frauenanteil in der Armee erhöhen. Bis zu 5000 zusätzliche Soldatinnen sollen rekrutiert werden. Mehr...

Wer wird neuer Armeechef? Diese Militärs prüft Amherd

Die beiden verbleibenden Korpskommandanten kommen für die Nachfolge von Armeechef Rebord kaum infrage. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Gewinnen Sie eine geführte Bergbesteigung

Mit ein bisschen Glück können zwei begnadete Outdoor-Liebhaberinnen bald ihren ersten Gipfel in 4000 Metern Höhe erklimmen.

Die Welt in Bildern

Er braucht ein gutes Gleichgewicht: Ein Gaucho reitet in Uruguay ein Rodeo-Pferd. (17. April 2019)
(Bild: Andres Stapff) Mehr...