Kommt nun der Numerus clausus für die Geisteswissenschaften?

Seit 1995 ist die Zahl der Studenten in Sozial- und Geisteswissenschaften massiv gestiegen. Der oberste Erziehungsdirektor der Deutschschweiz sieht die Zeit für Massnahmen gekommen – er steht nicht alleine da.

Die freie Studienwahl hat in der Schweiz womöglich keine Zukunft mehr: Studierende im Lichthof der Universität Zürich. (Archivbild)

Die freie Studienwahl hat in der Schweiz womöglich keine Zukunft mehr: Studierende im Lichthof der Universität Zürich. (Archivbild) Bild: Keystone

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Der neue Präsident der Erziehungsdirektoren-Konferenz der Deutschschweiz, Christian Amsler FDP, fasst ein heisses Eisen an: den Numerus clausus. Was bereits seit Jahren für den Zugang zum Medizinstudium gilt, fordert Amsler im Gespräch mit «10vor10» nun für die Sozial- und Geisteswissenschaften: «Wo man feststellt, dass es zu wenige Jobs gibt und zu viele Interessenten, viel zu viele Studierende, muss man hinschauen und anpacken. Das bedeutet schliesslich nichts anderes als den Numerus clausus. Auch wenn das weh tut.»

Unterstützung erhält Amsler vom Wirtschaftsdachverband Economiesuisse. Wenn das System aus dem Lot sei, müsse schleunigst eine Umverteilung ins Auge gefasst werden. Rudolf Minsch, Leiter Bildung bei Economiesuisse glaubt, die absolut freie Studienwahl habe in der Schweiz kaum mehr Zukunft. Er fordert, die Universitäten sollten ihre Studierenden auswählen. Entweder über Eintrittstests oder Prüfungen oder aber via Eintrittsgespräch.

Die Schweizer Universitäten bilden immer mehr Studierende zu Sozial- und Geisteswissenschaftlern aus. Wählten 1995 noch 28‘000 diese Fachgebiete, waren es 2011 bereits 43‘000, berichtet «10vor10». Das bedeutet eine Zuwachsrate von beinahe 50 Prozent in einem Sektor, in dem das Stellenangebot ohnehin klein ist.

Oberster Rektor der Schweizer Unis warnt

Das System dürfe ruhig einmal in eine andere Richtung kippen, meint Antonio Leoprieno, Präsident der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten gegenüber dem Nachrichtenmagazin von SRF. Eine ökonomische Einschätzung sei immer eine momentane Einschätzung und nicht auf die Zukunft ausgerichtet. An den Universitäten würden jetzt die Entscheidungsträger der nächsten Generation ausgebildet. Loprieno hält es für komplett falsch, aufgrund momentaner Indikatoren die Entwicklung der Gesellschaft zu bestimmen. Unterstützung erhält Loprieno von Studierenden. Klar bleibt jedoch, dass jetzige Studierende der Sozial- und Geisteswissenschaften nicht sehr begehrt sein werden auf dem Arbeitsmarkt. Die Diskussion um die freie Studienwahl wird deshalb wohl oder übel auf die Universitäten zukommen. (kpn)

Erstellt: 02.01.2013, 21:33 Uhr

Der Schritt sei nötig, «auch wenn das weh tut»: Christian Amsler. (Bild: Keystone )

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