Konfusion, Krisensitzung, Rückzugsforderungen

Bei der SVP brodelt es. Die happigen Vorwürfe gegen Bruno Zuppiger bringen den Bundesratskandidaten selber und die Parteiführung in Bedrängnis. Inzwischen ist angeblich klar, mit welchen Organisationen Zuppiger im Streit lag.

Steht mit dem Rücken zur Wand: Bruno Zuppiger.

Steht mit dem Rücken zur Wand: Bruno Zuppiger. Bild: Keystone

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Am klarsten sagt es This Jenny: Zuppiger solle nun überlegen, seine Kandidatur zurückzuziehen, so der Glarner SVP-Ständerat gegenüber Sf.tv. Jenny wunderte sich schon zuvor darüber, dass die Parteileitung die Fraktion nicht über die Angelegenheit informierte.

Die Affäre um Bundesratskandidat Bruno Zuppiger hat viele Fraktionsmitglieder auf dem linken Fuss erwischt. Und der Ärger über das Vorgehen der Parteispitze im Fall Zuppiger ist gross. Oskar Freysinger (VS) sagt, was heute viele in der Fraktion denken: «Wie konnte die Parteispitze annehmen, dass diese Geschichte nicht publik wird.» Es habe zwar ein Stillhalteabkommen zwischen den involvierten Parteien gegeben. «Es war aber ein wenig blauäugig, zu glauben, dass sich dann tatsächlich alle daran halten.» Man müsse immer damit rechnen, dass so etwas bekannt wird, so Freysinger. Und der Walliser weiter: «Vor zwei Tagen versuchten wir noch andere Parlamentarier davon zu überzeugen, unsere beiden Kandidaten zu wählen – da sind solche Neuigkeiten ein Schock», sagte der Walliser SVP-Nationalrat. Auch Toni Bortoluzzi (ZH) wundert sich: «Natürlich bin ich überrascht über solche Enthüllungen.»

«Pro Senectute» und «Krebsliga»

Laut der «Weltwoche» soll Zuppiger Teile einer Erbschaft veruntreut haben. Für ungerechtfertigte Spesen habe er 150'000 Franken bezogen. Zudem habe er über 100'000 Franken auf sein eigenes Privatkonto überwiesen. Erst als der Schwindel aufgeflogen sei und die erbberechtigten Organisationen mit Strafklagen wegen Veruntreuung und ungetreuer Geschäftsbesorgung drohten, habe Zuppiger die Erben ausbezahlt. Bei den beiden erbberechtigten Organisationen soll es sich laut einer Meldung der Internetseite der «Aargauer Zeitung» um «Pro Senectute» und die «Krebsliga» handeln.

Im Fokus stand auch der frisch gewählte SVP-Nationalrat und «Weltwoche»-Journalist Peter Keller (NW). Er wollte sich nicht dazu äussern, ob er bereits früher über die Recherchen seines Arbeitskollegen Bescheid gewusst hatte. «Nun zählen die Fakten», sagte Keller lediglich. Falls die Vorwürfe stimmten, müssten Zuppiger und die Fraktion entscheiden, wie es weitergehe. Gegenüber Sf.tv sagt Keller: «Wenn sich die Geschichte bewahrheitet, ist die Kandidatur Zuppiger erledigt.» Für Bortoluzzi ist klar: Die Fraktion soll das letzte Wort haben.

Treffen um 13 Uhr

Die SVP-Fraktion trifft sich heute Nachmittag um 13 Uhr zu einer Aussprache. Dies bestätigt der Walliser Nationalrat Oskar Freysinger gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Die Parteispitze und Zuppiger werden dort ihre Parteikollegen informieren. Wie es nach der Sitzung weitergeht, ist derzeit noch offen. Der zweite SVP-Bundesratskandidat, Jean-François Rime, will sich aus der Sache raushalten: «Ich wusste zu keiner Zeit etwas über den Fall», sagte er der Nachrichtenagentur SDA.

Auch bei der FDP, die als einzige Partei offiziell die SVP-Bundesratskandidaturen unterstützt, war am Mittwochmorgen Zurückhaltung angesagt: «Wir warten ab», sagte FDP-Nationalrat Philipp Müller (AG). Das Problem müsse die SVP lösen. Und SP- Präsident Christian Levrat war einfach nur «froh, dass ich heute nicht SVP-Präsident bin». (Hubert Mooser/cpm/sda)

Erstellt: 08.12.2011, 10:50 Uhr

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