«Konsequenterweise müsste man vom Skifahren absehen»

Einige Bergbahnen benachteiligen Wintersportler mit einseitigen und rechtlich nicht haltbaren Klauseln in den Geschäftsbestimmungen. Was Schweiz Tourismus und der Konsumentenschutz empfehlen.

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Haben Sie je die allgemeinen Geschäftsbedingungen gelesen, bevor Sie ein Skibillett gekauft haben?
Alain Suter, Mediensprecher von Schweiz Tourismus: Das Verhalten einer einzelnen Person kann nicht repräsentativ für das Verhalten der gesamten Kundschaft der Bergbahnen stehen. Hier würde eine Gästeumfrage ein stichhaltiges Resultat liefern.

Empfehlen Sie den Touristen, das zu tun?
Das liegt in der Entscheidung jedes einzelnen Gastes. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass sich unsere Gäste bewusst sind, dass Skibillette und die damit erworbene Leistung der betreffenden Bergbahn mit AGB verknüpft sind – dies gilt selbstredend für viele weitere touristische Dienstleistungen.

Machen Sie Gäste aus dem Ausland darauf aufmerksam, dass sie oft selber haften, wenn es wegen ungenügender Pistenpräparierung zu Unfällen kommt?
Nein. Diese Aufgabe kann aufgrund der Kompetenz und Verantwortlichkeit nur die Verkaufsstelle wahrnehmen, die das betreffende Produkt verkauft, also die einzelnen Bergbahnunternehmen.

Ist es für die Kunden zumutbar, dass bei einem Ausfall einzelne Tage nicht zurückerstattet werden?
Dabei handelt es sich um einen unternehmerischen Entscheid. Oft zeigen sich Bergbahnen aber kulant und einvernehmlich – selbst bei auf dem Papier strikten AGB.

Die Bergbahnen argumentieren, der Kunde erhalte einen hohen Rabatt und gehe bewusst das Risiko ein, dass ein Teil des Angebots für eine gewisse Zeit eingeschränkt sein könnte. Teilen Sie diese Auffassung?
Im Tourismus steht die Kundenzufriedenheit an oberster Stelle. Dies befolgen bestimmt auch die Bergbahnen. Sie haben volle Freiheit, im konkreten Fall die AGB nicht buchstäblich zur Anwendung zu bringen.

Was empfehlen Sie den Touristen für ein Vorgehen, wenn sie mit den AGB nicht einverstanden sind und trotzdem auf die Piste wollen?
Konsequenterweise dürfte man dann die Leistung nicht in Anspruch nehmen und müsste vom Skifahren absehen. Jene Gäste sollten jedoch den Dialog mit der betreffenden Bergbahnorganisation suchen. Denn der Stimme des Kunden kommt im Tourismus eine immer grössere Bedeutung zu.

Sehen Sie von Schweiz Tourismus Klärungsbedarf gegenüber den Bergbahnen?
Nein. Das Winterprodukt Schweiz besticht gerade durch die hohe Qualität im Bereich der Bergbahnen. Wir haben keine Kenntnis davon, dass sich Kunden der Bergbahnen wegen der AGB beklagt hätten, dies gilt auch für den Ombudsmann der Schweizer Reisebranche.

Das Interview wurde schriftlich geführt. (fxs)

Erstellt: 13.01.2014, 12:53 Uhr

Ungewöhnliche Regelungen anschlagen

Artikel 8 des Bundesgesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb legt fest, dass allgemeine Geschäftsbedingungen nichtig sind, wenn sie den Kunden einseitig benachteiligen. Bei den AGB verschiedener Bergbahnen ist das laut Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz durchaus der Fall. «Es kann nicht sein, dass der Kunde immer haftet, wenn er kein eigenes Verschulden trägt», sagt Stalder auf Anfrage. Die Regelung, dass Kunden am Sitz der Bahnen klagen müssen, steht laut Stalder gar im Widerspruch zur Zivilprozessordnung und sei deshalb ebenfalls nichtig.

Dass die AGB unter den Wintersportlern eine grosse Akzeptanz geniessen, wie die Bergbahnen argumentieren, bestreitet Stalder: «Das stimmt überhaupt nicht. Nur die Wenigsten wissen, dass sie Kleingedrucktes akzeptieren, wenn sie ein Skibillett kaufen. Was darin steht, wissen sie in der Regel erst, wenn etwas passiert.» In der Vergangenheit sei die Stiftung für Konsumentenschutz bei Konflikten «in Einzelfällen» eingeschaltet worden, sagt Stalder. Einige Bergbahnen hätten sich kulant gezeigt, andere hätten sich jedoch strikt auf ihre AGB berufen.

Die Konsumentenschützerin fordert, dass die Bergbahnen die Konsumenten über ungewöhnliche Regelungen vor dem Kauf eines Skipasses informieren, etwa indem die wichtigsten Punkte bei der Kasse angeschlagen werden. Wenn ein Wintersportler damit nicht einverstanden ist, hätte er leider nur die Möglichkeit, entweder auf den Besuch des Skigebiets zu verzichten oder an der Kasse über strittige Punkte zu verhandeln. (fxs)

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