Interview

«Landolts Idee ist ein Irrtum»

BDP-Präsident Martin Landolt schlägt vor, die Bankdaten direkt ans Steueramt zu liefern. Was taugt die Idee? Ein Steuerexperte nimmt Stellung und macht einen Gegenvorschlag.

«Die Bürokratie würde mit seinem Vorschlag noch anwachsen»: BDP-Präsident Martin Landolt.

«Die Bürokratie würde mit seinem Vorschlag noch anwachsen»: BDP-Präsident Martin Landolt. Bild: Keystone

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Herr Hilligardt, was halten Sie als Steuerexperte am Vermögenszentrum VZ von Landolts Steuervorschlag?
Grundsätzlich finde ich das keine schlechte Idee. Für die Mehrheit der Steuerzahler würde die Steuererklärung vereinfacht, da die Wertschriften und Kontoangaben bereits automatisch übermittelt würden.

Sie würden sich also dafür aussprechen?
Nein, denn ich habe grosse Zweifel an der Durchführbarkeit. Vor allem die enorme Datenmenge macht mir Sorgen.

Martin Landolt will die Bürokratie ja eigentlich verringern.
Diese Idee ist ein Irrtum. Eher würde die Bürokratie noch anwachsen, der Staat müsste zusätzliche Stellen schaffen, um der Datenflut Herr zu werden. Ein enormer Aufwand ist auch die genaue Zuordnung der Kontoinhaber, beispielsweise bei gleich lautenden Namen.

In Leserkommentaren wird auch die Bedrohung für die Privatsphäre des Steuerzahlers moniert.
Auch ich befürchte einen Schritt hin zum Überwachungsstaat. Jede Kontobewegung automatisch dem Steueramt weiterzuleiten, ist hochproblematisch. In der Schweiz gilt ja ausdrücklich das Credo: «Grundsätzlich vertrauen wir dem Steuerzahler.» Mit der BDP-Massnahme könnte ein Misstrauensverhältnis zwischen dem Staat und den Bürgern entstehen.

Was wäre Ihr Gegenvorschlag zur Idee von Martin Landolt?
Ein viel besserer Ansatz, der zudem auch schon im Ausland und in einigen Kantonen Anwendung findet, ist die automatische Weiterleitung des Lohnausweises durch den Arbeitgeber.

Und hier sehen Sie keine Datenschutzprobleme?
Nein, denn die Steuerämter haben ja ohnehin Einsicht in jede Geschäftsbuchhaltung. Somit würden durch diese Massnahme nicht mehr Informationen preisgegeben als bisher. Durch die AHV-Nummer wäre auch eine zweifelsfreie Identifikation möglich. Im Vergleich zu Landolts Vorschlag ist die Lohntransparenz in Sachen Steuergerechtigkeit viel sinnvoller. Das grössere Problem sind unterschlagene Lohneinnahmen, dort ist für Steuerämter das grosse Geld zu holen.

Erstellt: 15.04.2013, 12:36 Uhr

Bankdaten ans Steueramt?

Der Druck auf das Schweizer Bankgeheimnis nimmt zu, die EU fordert von der Schweiz den automatischen Informationsaustausch. Künftig sollen nun Banken die Daten ihrer Kunden direkt an die Steuerämter liefern: Diesen radikalen Vorschlag machte gestern BDP-Präsident Martin Landolt. «Jeder ehrlich deklarierende Steuerzahler stellt diese Daten sowieso jährlich der Steuerverwaltung zu», sagte Landolt, der auch als politischer Berater der UBS tätig ist.

Die Leserreaktionen fielen teilweise harsch aus. Der Vorschlag sei eine Nebelpetarde, ein verspäteter 1.-April-Scherz, schreiben die einen. Für andere ist Landolts Idee, die faktisch einer Abschaffung des Bankgeheimnisses gleichkäme, hingegen «erfrischend» und gar «revolutionär».

«Ich befürchte einen Schritt hin zum Überwachungsstaat»: Christoph Hilligardt, Steuerexperte am Vermögenszentrum VZ.

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BDP-Chef Martin Landolt schlägt vor, Banken sollten Steuerdaten direkt dem Staat liefern. Sind Sie dafür?

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