Lehrer fordern 20 Prozent mehr Lohn

90 Prozent der Schulen beklagen einen Lehrermangel. Nun fordert der Dachverband Gegensteuer – mit einer Lohnerhöhung. Einer der Gründe: Ein neuer «Babyboom».

In vielen Schulen ist noch ungewiss, wer nach den Sommerferien vor den Klassen steht: Lehrer unterrichtet in Schweizer Klassenzimmer. (Archivbild)

In vielen Schulen ist noch ungewiss, wer nach den Sommerferien vor den Klassen steht: Lehrer unterrichtet in Schweizer Klassenzimmer. (Archivbild) Bild: Keystone

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Der Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer LCH fordert innert fünf Jahren einen Anstieg der Lehrerlöhne um 20 Prozent. Die Löhne könnten mit denjenigen der Privatwirtschaft und der Verwaltung nicht mithalten; es drohe ein Lehrermangel.

Eine Umfrage des Deutschschweizer Schulleiterverbandes VSL CH kurz vor Beginn des Schuljahres 2013/14 habe ergeben, dass in 90 Prozent aller Schulen Stellen zu besetzen seien, teilte der LCH heute in Zürich mit.

An vielen Orten wisse man noch nicht, wer nach den Sommerferien vor der Klasse stehe. Jede sechste Schule müsse noch Klassenlehrpersonen und beinahe jede dritte Schule noch Fachlehrpersonen suchen.

40 Prozent der befragten Schulleiterinnen und Schulleiter erachteten die im letzten Jahr vorgenommenen Stellenbesetzungen als zumindest teilweise ungenügend. Gemäss Prognosen des Bundesamtes für Statistik (BFS) werde sich 2020 der Bedarf an Lehrpersonen in der Primarstufe gegenüber 2012 um 29 Prozent erhöhen.

Neuer «Babyboom» ohne Lehrer aus der ersten «Babyboom-Generation»

Seit 2005 habe die Geburtenzahl in der Schweiz stetig zugenommen, insgesamt um fast 12 Prozent. In den unteren Klassen der Primarschulen sei der neue «Babyboom» bereits angekommen, schreibt der Verband.

Aber Lehrpersonen aus der ersten Babyboom-Generation würden dieser neuen Generation nicht mehr zur Verfügung stehen. In den nächsten Jahren kämen sie nämlich ins Pensionsalter. Im Vergleich zu 2012 würden 2017 laut BFS auf der Primarstufe 17 Prozent und auf der Sekundarstufe I 5,5 Prozent mehr Lehrpersonen pensioniert.

Zu wenig Männer in den Klassenzimmern

Dies sei umso beunruhigender, als bis 2021 rund 50'000 Kinder mehr an den obligatorischen Schulen erwartet würden, was 7 Prozent mehr seien als heute. «Hätten wir ebenso viele Lehrer wie Lehrerinnen, dann gäbe es keinen Mangel an Lehrpersonen», schreibt der LCH.

Seit einigen Jahren könne man aber beobachten, dass junge Männer kaum mehr den Lehrerberuf ergreifen würden. Laut BFS werden 2020 an der Primarschule 85 Prozent und an der Oberstufe 59 Prozent Frauen unterrichten.

Der Mangel an korrekt ausgebildeten Lehrpersonen habe auch mit den ungenügenden Anstellungsbedingungen zu tun. Die Löhne in anforderungsgleichen Berufen lägen in Privatwirtschaft und Verwaltung 10 bis 85 Prozent höher. Während die Ausbildung zur Lehrperson länger geworden sei und die Anforderungen gestiegen seien, sei die Lohnentwicklung der letzten Jahre ungenügend gewesen.

Der gewaltige Nachholbedarf lasse sich in einem Jahr mit einer Hauruckübung nicht beheben. Innerhalb von fünf Jahren müsse aber aufzuholen sein, was in den letzten 20 Jahren zerstört worden sei.

Mehr Lohn, Teuerungsausgleich und verlässliche Lohnperspektive

Der LCH fordert deshalb Kantone und Gemeinden auf, die Löhne der Lehrpersonen in den kommenden fünf Jahren um bis zu 20 Prozent zu erhöhen. Zudem müsse die Teuerung jährlich ausgeglichen werden. Kantone, die beim Teuerungsausgleich noch Rückstände aufwiesen, müssten diese beseitigen.

Die Lehrerinnen und Lehrer benötigten aber auch eine verlässliche Lohnperspektive, weil sie in der Regel keine eigentliche Berufskarriere mit Aussicht auf mehr Lohn kennen würden. Deshalb sei eine gesetzlich verankerte Lohnentwicklung nötig. (mrs/sda)

Erstellt: 01.07.2013, 11:28 Uhr

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