Letzte Ruhe im Rhein – umstritten aber legal

Bestattungen im Rhein sind in Basel beliebt. Und legal sind sie – trotz gegenteiliger Meinungen – ebenfalls. Trotzdem ekeln sich manche Menschen vor der Vorstellung.

Im Rhein ist für manche Basler auch der schönste Ort für den Abschied.

Im Rhein ist für manche Basler auch der schönste Ort für den Abschied. Bild: Margrit Müller

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Es war Veras ausdrücklicher Wunsch – ihre Asche sollte nach ihrem Tod dem Rhein übergeben werden. Es war eine schöne, feierliche Übergabe, die Vera bestimmt gefallen hätte: Der Himmel leuchtete blau, die Sonnenstrahlen brachten das Wasser zum Glitzern. Die Steuerfrau des Rhytaxis schaltete den Motor ab, Stille. Und Veras Wunsch ging in Erfüllung. Der Rhein nahm sie mit auf den Weg in die unendliche Weite des Meeres und mit ihr viele bunte Rosenblätter, die sich tänzelnd auf dem Wasser verteilten. Noch lange sichtbar für die Hinterbliebenen auf dem sich entfernenden Schiff.

Rheinbestattungen sind gerade in Basel, wo der Fluss mitten durch die Stadt fliesst und wo das Lied «ZBasel an mym Rhy» manchen Menschen das Tränenwasser in die Augen treibt, keine Seltenheit. So wurde am 1. Juli auch die Asche vom Gundeli-Original Rolli Dreher zusammen mit der seiner Mutter von der Münster-Fähre aus seinem «geliebten Rhein» übergeben. Obwohl wahrscheinlich alle vier Fähren Urnenbestattungen durchführen, offiziell in ihrem Angebot aufgeführt haben es nur zwei: «Ueli» im St. Johann sowie «Wild Maa» im St. Alban.

Auch René Didden von der Rhytaxi Basel GmbH, der jährlich zwischen zehn und zwanzig Buchungen für Rheinbestattungen hat, macht keine Werbung dafür auf seiner Website. «Aus Gründen der Pietät», sagt er. Er wolle nicht mit der Trauer Geld verdienen. Aber, so Didden, diese Bestattungsform sei halt ein schönes Ritual und besonders bei Menschen mit einer tiefen Beziehung zum Rhein beliebt. Er sei sich jedoch wegen der rechtlichen Situation nicht ganz sicher, sagt Martin Reidlinger, Fährimaa im St. Alban, der etwa vier bis fünf Urnenbestattungen jährlich durchführt. «Ich möchte keinen Ärger haben deswegen.»

Pietät muss gewahrt bleiben

Rita Wirz, Leiterin des Basler Bestattungswesens, gibt Entwarnung: Laut dem kantonalen Amt für Umwelt und Energie werde die Urnenausschüttung in fliessende Gewässer toleriert. Verboten sei hingegen, die Asche in ein stehendes Gewässer zu streuen oder auf fremden Boden. «Die Hinterbliebenen dürfen grundsätzlich mit den Urnen machen, was sie wollen», sagt Wirz. «Solange die Pietät gewahrt bleibt.»

Diesen Nachweis müssen die Angehörigen in ihrem Gesuch um Aushändigung der Urne erbringen. Das heisse, sie müssten erklären, was sie mit der Asche des Verstorbenen machen, so Wirz. Jährlich rund 200 Urnen würde man im Kanton Basel-Stadt so aushändigen. Eine Statistik über die weitere Verwendung oder Aufbewahrung gebe es nicht. «Wie viele davon im Rhein ausgestreut werden», sagt Rita Wirz, «kann ich deshalb nicht sagen.» Die Bestattungswünsche seien sehr unterschiedlich. «Einige möchten im Garten ihres Ferienhauses die letzte Ruhestätte haben, andere in den Bergen ausgestreut werden.»

Die idyllische Berglandschaft hat es auch dem deutschen Geschäftsmann Dietmar Kapelle angetan, der mit seiner Firma Oase der Ewigkeit Aschebestattungen in der malerischen Schweiz anbietet. Damit kommt er vor allem bei seinen Landsleuten an, denn in Deutschland sind Bestattungen ausserhalb eines Friedhofs verboten. Gestartet ist Kapelle mit seiner Oase der Ewigkeit im Wallis, wo sich jedoch zunehmend Ärger über den Bestattungstourismus breitmachte und schliesslich ein Verbot für kommerzielle Naturbestattungen ausgesprochen wurde. Neuerdings hat er seinen Geschäftssitz in Beatenberg im Berner Oberland, wo er Naturbestattungen auf einem extra dafür gekauften Waldgrundstück durchführen will. Allerdings regte sich auch in Beatenberg Widerstand gegen die Oase: Nun wird sich im Herbst die Gemeindeversammlung damit befassen müssen.

Manche ekelt die Vorstellung

Zurück nach Basel: Auch hier stösst das Ritual der Rheinbestattung nicht nur auf Zustimmung. Ein Leserbriefschreiber meinte in seinem Brief an die BaZ, das sei «gruusig». Die Vorstellung, dass man in Wasser schwimme, in dem die Asche Verstorbener liege, ekle ihn.

Jürg Hofer, Amtsleiter beim Amt für Umwelt und Energie, gibt ihm recht: Eigentlich gelte die Urnenausschüttung im Rhein als Gewässerverschmutzung und wäre deshalb – streng genommen – verboten. Aber man habe beschlossen, sie zu tolerieren. Ein Grund für diese Toleranz dürfte sein, dass pro Sekunde durchschnittlich 1000 Kubikmeter Wasser den Rhein hinunterfliessen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 29.07.2011, 13:25 Uhr

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