«Leute schrieben mir, dass ich in die Hölle komme»

Der Bürgler Pfarrer Wendelin Bucheli segnete ein lesbisches Paar und musste dafür harsche Kritik einstecken. Das habe ihn tief getroffen.

Will sich an die Vorgaben halten: Pfarrer Bucheli. (15. Februar 2015)

Will sich an die Vorgaben halten: Pfarrer Bucheli. (15. Februar 2015) Bild: Urs Flüeler/Keystone

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Es sei nie sein Ziel gewesen, mit der Segnung eines lesbisches Paares in der Öffentlichkeit ein Zeichen zu setzten, sagt der Bürgler Pfarrer Wendelin Bucheli in einem Interview mit der «Neuen Luzerner Zeitung». Die Geschichte habe ihm sehr zugesetzt.

Einige Leute hätten ihm geschrieben, er werde in die Hölle kommen. Zwar sei nach der Einigung zwischen Bischof Vitus Huonder und ihm in Bürglen grosse Erleichterung eingetreten. Doch auch in Bürglen gebe es Leute, die nicht verstünden, weshalb er der Aufforderung des Bischofs - seine Demission einzureichen - nicht nachgekommen sei.

Persönlicher Zugang zu Lesben

Als loyale Persönlichkeit habe ihn die ganze Geschichte sehr getroffen. Seit aber der Entscheid gekommen sei, dass er Pfarrer der Gemeinde Bürglen bleiben darf, gehe es ihm «viel besser.»

Wendelin Bucheli sagt, er sei als Seelsorger «achtsam» auf diese beiden Frauen zugegangen und habe mit der entsprechenden Nähe zu ihnen gehandelt. Das Paar wohnt im Dorf. «Wir kennen uns schon länger, und wir haben einen persönlichen Zugang zueinander», betont Bucheli. Die Frauen lebten in einer «tiefen Beziehung zu Christus». Aus seiner Sicht sei es deshalb verantwortbar gewesen, ihnen den Segen zu erteilen.

Bucheli will sich an die Vorgaben halten

Künftig aber sei er bereit, sich an die Linie zu halten, die Bischof Vitus Hounder von ihm erwarte. «Wenn er wünscht, dass ich keine gleichgeschlechtliche Beziehungen segne, werde ich das auch nicht tun», hält Bucheli fest.

Ändere dieser aber seine Linie oder komme ein Bischof, der eine andere Gesinnung vertrete, könne sich das wieder ändern. «Das habe ich Bischof Vitus Huonder auch so gesagt.»

Die Kirche aber könne sich dem Thema nicht entziehen, ist Bucheli überzeugt. Die Gesellschaft befinde sich in einem ständigen Prozess, und die Kirche sei Teil davon. Die Frage sei nur, wann die Debatte geführt werde. Die Kirche entwickle sich immer, sie brauche einfach etwas mehr Zeit dafür. Denn, so sagt Bucheli: «Sie will keine Irrwege gehen.»

Späte Einigung

Der Fall hatte in der Schweiz und darüber hinaus hohe Wellen geworfen. Der Bürgler Pfarrer Wendelin Bucheli hatte im Oktober 2014 ein lesbisches Paar gesegnet.

Der für Bürglen zuständige Churer Bischof Vitus Huonder verlangte zusammen mit dem Lausanner Bischof Charles Morerod, dass Bucheli sein Amt aufgibt und in das Westschweizer Bistum zurückkehrt, wo er geweiht worden war.

Der Pfarrer und die Kirchgemeinde widersetzten sich sich dieser Aufforderung. Ende April gaben dann der katholische Pfarrer der Urner Gemeinde und sein Vorgesetzter die Einigung bekannt: Bucheli segnet keine homosexuellen Paare mehr, dafür darf er im Amt bleiben. (dia/sda)

Erstellt: 20.06.2015, 11:29 Uhr

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