Liegt Ihr Haus in der Gefahrenzone?

Dank einer neuen Überschwemmungskarte des Bundes kann nun jedermann das Risiko für sein Haus online abklären. Rund zwei Drittel der Gebäude sind potenziell betroffen.

Am 8. Juni 2015 überflutete in Dierikon LU der Dorfbach nach heftigen Regenfällen Garagen, riss ganze Strassenabschnitte weg und tötete zwei Personen – darauf begann Luzern und später die Schweiz eine entsprechende Gefahrenkarte zu entwickeln. Bild: Urs Flüeler (Keystone)

Am 8. Juni 2015 überflutete in Dierikon LU der Dorfbach nach heftigen Regenfällen Garagen, riss ganze Strassenabschnitte weg und tötete zwei Personen – darauf begann Luzern und später die Schweiz eine entsprechende Gefahrenkarte zu entwickeln. Bild: Urs Flüeler (Keystone)

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Das Wetter spielt verrückt. Gestern war es noch brütend heiss, und Meteo Schweiz warnte schon seit Tagen für zahlreiche Regionen vor Waldbrandgefahr. Auf dem heutigen Kioskaushang des «Tages-Anzeigers» heisst es in dicken, schwarzen Lettern: «Zürich ist noch heisser als im Hitzesommer.»

Doch heute Morgen beschäftigte die Pendler und Ferienreisenden schon eine andere Wetterlage: «Hagel, Blitze und viel Regen ziehen derzeit über die Schweiz. Der Flugbetrieb in Zürich-Kloten ist zurzeit stark beeinträchtigt», berichtete die Onlineausgabe des TA.

Dringend nötige Risiko-Analyse

Ähnlich war die Lage im Grossraum Bern: «Unwetter führt zu Einschränkungen im ÖV» («Bund»). Und aus der Westschweiz erreichte uns die Meldung, dass in Neuenburg die Niederschlagsmenge heute Vormittag bereits 41 Liter betrug.

Der Zufall will es, dass gerade heute das Bundesamt für Umwelt (Bafu), der Schweizerische Versicherungsverband SVV und die Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen VKG die neue Gefährdungskarte zum Oberflächenabfluss vorstellen. Die Schweiz sei eines der ersten Länder, das eine Karte zum Oberflächenabfluss realisiert habe und würde damit auf diesem Gebiet international eine führende Rolle einnehmen, so die Projektverantwortlichen.

Mit verschiedenen Farbtönen wird dargestellt, wie hoch das Wasser steigen kann: Helllila, unter 0,1 Meter; lila, 0,1 Meter bis 0,25 Meter; dunkellila, über 0,25 Meter. Bild: Bafu

Dies war offenbar dringend nötig. Denn selbst Fachleute hatten die Hochwasserrisiken durch oberflächlich abfliessendes Wasser lange Zeit unterschätzt. Als sich beispielsweise im Frühling 2013 ein heftiges Gewitter über dem Kanton Schaffhausen entlud und als Folge davon 40 Tiere ertranken und 530 Gebäude beschädigt wurden, stellten Experten verwundert fest, dass «für mehr als 90 Prozent der Schadenfälle sogenannter Oberflächenabfluss verantwortlich war.» Dieser wird auch als Oberflächen- oder Hangwasser bezeichnet und entsteht, wenn die Niederschläge nicht im Boden versickern, sondern über das offene Gelände abfliessen.

Schäden in diesem Ausmass hätte die Bevölkerung hier bisher noch nie erlebt, obwohl das Phänomen bei starken Niederschlägen nicht unbekannt war, heisst es in einem Bericht des Bafu.

Vorbild Kanton Luzern

Nicht überraschend fehlten abgesehen von einigen Kantonen, die punktuell auf entsprechende Risiken hinwiesen, flächendeckende Karten weitgehend. Als Folge des Gewitters in Schaffhausen begannen die Arbeiten an einer gesamtschweizerischen Kartierung. Dabei diente Luzern als Vorbild.

Der Kanton ergriff 2015 selber die Initiative und stellte ein Jahr später eine Oberflächenabflusskarte für den ganzen Kanton fertig. Auslöser war ein tragisches Unglück in Dierikon, als eine Sturzflut zwei Personen tötete, die sich während eines Gewitters in einem Keller aufhielten.

Vor allem auch die Altstadt: Blick auf die Gefahrenzonen in Luzern. Bild: Bafu

Die neue landesweite Karte zeigt, welche Gebiete gefährdet sind und wie tief sie unter Wasser stehen können. Mit verschiedenen Farbtönen wird dargestellt, wie hoch das Wasser stehen kann: helllila: < 0,1 Meter, lila: 0,1 Meter – 0,25 Meter, dunkellila 0,25 Meter. Die Karte zeigt auch die erwarteten Fliesswege des Wassers. Sie deckt die ganze Schweiz ab, sowohl besiedeltes wie auch nicht besiedeltes Gebiet.

Rund zwei Drittel der Gebäude in der Schweiz sind demnach potenziell von Oberflächenabfluss gefährdet. Die Karte dient Architekten und Architektinnen, Bauherren, Planern und Planerinnen, Behörden oder Interventionskräften bei der Planung von Schutzmassnahmen.

An Gebäuden können relativ einfache Massnahmen das Wasser abhalten und so Schäden vermeiden: zum Beispiel, indem man Lichtschächte erhöht oder bei Tiefgarageneinfahrten Sperren oder kleine Geländekuppen anbringt. Die Gefährdungskarte Oberflächenabfluss deckt auch das nicht besiedelte Gebiet ab und kann darum der Landwirtschaft für Bodenschutzmassnahmen dienen.

Besser gerüstet für die Folgen der Klimaerwärmung

«Die Schweiz ist damit besser für die Folgen der Klimaerwärmung mit heftigeren und häufigeren starken Regenfällen gerüstet», stellen das Bundesamt für Umwelt (Bafu), der Schweizerische Versicherungsverband SVV und die Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen VKG fest. Die Projektverantwortlichen betonen, dass die Karte keine Rechtsverbindlichkeit, sondern einen informativen Charakter habe und die bereits vorhandenen kantonalen Informationen ergänzen würde.

Der Kanton Luzern zog letztes Jahr eine positive Bilanz. Zwar hätte die Karte lediglich Hinweischarakter, aber sie würde einen sehr grossen Nutzen erzielen und die Prävention erheblich erleichtern. So unberechenbar auch künftig heftige Regengüsse blieben, schon relativ einfache bauliche Massnahmen würden schlimmste Schäden durch Oberflächenwasser verhindern können. «Gerade bei Erschliessung von neuen Baugebieten zeigt diese Gefahrenkarte, von woher das Wasser kommt und wohin Abflusskorridore angelegt werden können», sagte Markus Wigger, Leiter Elementarschadenprävention bei der Gebäudeversicherung Luzern, der «Luzerner Zeitung».

Der Link zur neuen Gefährdungskarte. (In Suchmaske «Gefährdungskarte Oberflächenabfluss» eingeben) (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.07.2018, 14:56 Uhr

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