Machtspiel Networking

Wollen Politiker erfolgreich sein, müssen sie Beziehungen aufbauen. Was dabei wichtig ist und was man auf keinen Fall machen sollte, verraten fünf Schweizer Parlamentarier.

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Politiker und die Macht. Haben sie einmal vom süssen Nektar gekostet, sind sie nur schwer wieder davon wegzukriegen. Doch wie wird man mächtig, wie baut man ein breites Netzwerk auf? Klar ist eines: Wer Macht haben will, braucht Einfluss. Einfluss wiederum hat ein Politiker nur, wenn er oder sie Beziehungen pflegt (siehe Interview mit Andreas Hugi).

Wer die mächtigsten Parlamentarier des Landes sind, erfährt die Schweiz jeweils gegen Ende des Jahres von der «SonntagsZeitung». Eine Unterkategorie benannte dieses Jahr zusätzlich diejenigen Parlamentarier, welche am besten Beziehungen pflegen. Wir haben die fünf besten Netzwerker des Parlaments gefragt, wie sie networken.

Der St. Galler Paul Rechsteiner wurde im Ranking Erster. Der Sozialdemokrat hat einen simplen Grund, weshalb er politische Beziehungen so erfolgreich pflegt: «Ich bin schon lange dabei, dadurch musste ich über die Zeit auch immer mehr Verantwortung übernehmen.» In der Tat, kaum ein Parlamentarier kann es mit seiner Erfahrung aufnehmen, politisierte er doch 25 Jahre lang im Nationalrat und sitzt nun seit zwei Jahren im Ständerat. Als Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes hat er einen starken Verband hinter sich. Da erstaunt es nicht, dass er gemäss dem Ranking das beste Netzwerk in Bundesbern hat. Seiner Meinung nach gibt es mehrere Eigenschaften, welche wichtig sind, um erfolgreich zu networken: «Als Politiker ist die Glaubwürdigkeit zentral. Man muss aber auch kompetent sein und anderen Personen zuhören können», sagt Rechsteiner.

Das Gespräch als wichtigstes Instrument

Einer, der im Bundeshaus nur einen Bruchteil von Rechsteiners Erfahrung aufweisen kann, ist Markus Ritter. Trotzdem pflegt er gemäss dem Ranking sehr gute Beziehungen. Der CVP-Nationalrat wurde vor zwei Jahren nach Bern gewählt. Ein Jahr später übernahm er das Amt des Präsidenten des Schweizerischen Bauernverbands (SBV). Für den St. Galler ist das persönliche Gespräch am wichtigsten: «Wenn man erfolgreich sein will, ist Networken das A und O. Ohne Gespräche und gute Argumente kommt man nirgendwo hin», sagt er. Ritter betont, dass es wichtig ist, die eigene Fraktion überzeugen zu können und nachher auch über die Fraktionsgrenzen hinweg Partner zu finden. Für ihn sei wichtig, sich um möglichst viele Parlamentarier zu bemühen und zu versuchen, diese von seinen Meinungen zu überzeugen.

Ins selbe Horn bläst Evi Allemann, SP-Nationalrätin und VCS-Präsidentin. Auch sie legt grossen Wert auf das Zwischenmenschliche: «Man muss authentisch sein und darf keine Scheuklappen haben. Um erfolgreich zu networken, muss man offen und respektvoll auf die Leute zugehen können. Verstellen liegt nicht drin.» Durch die Arbeit im Parlament und in den Verbänden ergebe sich aber fast schon automatisch ein breites Netzwerk. Allemann ergänzt, dass ein «Dienst nach Vorschrift definitiv nicht reicht, wenn man in der Politik erfolgreich sein will». Wie Ritter definiert sie das persönliche Gespräch als Instrument, welches im parlamentarischen Alltag sehr wichtig sei. Wenig nützen würden hingegen soziale Medien, diese bezeichnet sie als nützlich, um an die Öffentlichkeit zu gelangen, aber für parlamentarische Netzwerke seien sie nur zweitrangig.

Nicht mit Baustiefeln zum Bundesrat

Vom gleichen Kanton, aber für den anderen Pol des Nationalrats politisierend, hat Adrian Amstutz normalerweise andere Ansichten als seine Ratskollegin Allemann. Doch bei dieser Frage sind sich der SVP-Mann und die SP-Vertreterin für einmal einig – auch er hält nichts von den sozialen Medien, zumindest wenn es ums Netzwerken geht: «Keine E-Mails, kein Telefon, nicht einmal Briefe. Am besten ist und bleibt das persönliche Gespräch.» Es gebe viele ungeschriebene Regeln, diese gelte es unbedingt zu beachten: «Man muss mit dem Bauarbeiter anders sprechen als mit einem Bundesrat.» Es gelte, sich der Situation anzupassen, die richtige Sprache könne matchentscheidend sein: «Man sollte einerseits nicht mit Baustiefeln zu einer Besprechung mit dem Bundesrat und andererseits nicht mit Anzug und Krawatte auf eine Baustelle», rät Amstutz.

Dezenter drückt es der Urner Ständerat Isidor Baumann aus. Nicht bekannt als Mann der grossen Töne, ist das Erfolgsrezept des CVP-Politikers einfach: Er will sich nicht aufdrängen, denn das könne einen Abwehrreflex hervorrufen. Seine ganze Taktik will er nicht preisgeben, aber eine «gewisse Bauernschläue gehört sicherlich dazu, und verstellen sollte man sich auch nicht», sagt er. Er erklärt sich seinen Erfolg im Netzwerken pragmatisch: «Es gibt gewisse Sachen, die man besser kann, und gewisse, bei denen man einfach nicht gut ist. Es gibt nicht immer konkrete Gründe.»

*Der Autor absolviert die Abschlussklasse des Bachelorstudiengangs Journalismus und Organisationskommunikation an der ZHAW in Winterthur.

Erstellt: 02.01.2014, 20:48 Uhr

Das Parlamentarier-Rating 2013

Urs Schwaller ist der einflussreichste Politiker der Schweiz. Dies zeigte das Parlamentarier-Rating 2013 der «SonntagsZeitung». Der 60-Jährige spricht perfekt Deutsch und Französisch. Er wirke deshalb über die Sprachgrenzen und Regionen hinaus und verschaffe sich überall Anerkennung. Schwaller habe es so in den verschiedensten Bereichen an die Schalthebel der Macht geschafft.

Der Einfluss von Schwaller sei zum Teil auch auf seine Funktion als Fraktionspräsident zurückzuführen, so die Zeitung – «kein Zufall also, dass mit Andy Tschümperlin (SP) und Gabi Huber (FDP) zwei weitere Fraktionschefs im Ranking die Plätze zwei und drei belegen».

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