Managed Care: Berset geht in die Offensive

In gut einem Monat stimmt das Volk über die Managed-Care-Vorlage ab. Die Zustimmung ist laut Umfragen im Keller. Der SP-Bundesrat weibelt nun für die Vorlage, die er noch vor einem Jahr ablehnte.

«Ich verhalte mich schon so, wie wenn ich in einem Netzwerk wäre»: Bundesrat Berset (hier in Bern an einer Medienkonferenz) über sein eigenes Verhalten in Sachen Arztbesuch.

«Ich verhalte mich schon so, wie wenn ich in einem Netzwerk wäre»: Bundesrat Berset (hier in Bern an einer Medienkonferenz) über sein eigenes Verhalten in Sachen Arztbesuch. Bild: Keystone

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Die umstrittene Managed-Care-Vorlage Vorlage kommt am 17. Juni vors Volk. Laut einer SRG-Umfrage unterstützen im Moment nur gerade 33 Prozent der Befragten die Vorlage. Jetzt macht Gesundheitsminister Alain Berset gleich in mehreren Interviews zum Thema mobil. «Die öffentliche Debatte über Managed Care ist erst richtig gestartet», sagt er im «Sonntagsblick». Allerdings müssten die Befürworter «nun in der heissen Phase noch einen Zacken zulegen mit ihrer Kampagne». Berset weiter: «Die Vorlage hat durch alle politischen Lager Befürworter und Gegner.»

Das plötzliche Umschwenken von SVP und BDP ins Nein-Lager stösst dem SP-Bundesrat sauer auf: «Ich stelle fest, dass eine Mehrheit der Parteien, welche die Managed-Care-Vorlage im Parlament unterstützt hat, es nun nicht mehr tut.» Natürlich sei es unter solchen Bedingungen schwierig, «Reformen zu machen».

Der Schwenker der SVP sorgt übrigens auch parteiintern nicht nur für Freude: SVP-Nationalrat und Gesundheitspolitiker Toni Bortoluzzi – seit 1991 im Nationalrat – hatte eigentlich bereits angekündigt, er werde in der laufenden Legislatur zurücktreten. Nachdem sich die Partei aber gegen seinen Willen für ein Nein zur Managed-Care-Vorlage einsetzt, bleibt er im Amt. «Ich mache doch die gesamten vier Jahre fertig. Schliesslich bin ich gewählt», sagt Bortoluzzi zu «Sonntagsblick».

«Wir sparen eine Milliarde»

Managed Care werde die Gesundheitskosten dämpfen, führte Berset auch in einem Interview mit der Zeitung «Der Sonntag» aus. Konservative Studien rechneten mit Einsparungen von 9 Prozent. «Wenn 60 Prozent der Versicherten einem Netz beitreten sparen wir rund 1 Milliarde Franken», sagt Berset. «Die engere Zusammenarbeit und Koordination sowie die Vermeidung von Doppelspurigkeiten verbessern die Qualität und verhindern unnötige Kosten.»

Heute sind schon rund 1,3 Millionen Versicherte in einem Ärzte-Netzwerk. Alain Berset selbst hat aber keines. Der Grund: Bei ihm im Dorf gebe es kein Netzwerk, auch in der weiteren Umgebung nicht. «Aber ich verhalte mich schon so, wie wenn ich in einem Netzwerk wäre.»

Gegner haben «Sonderinteressen»

Als SP-Ständerat war Berset noch gegen die Vorlage, jetzt ist er ein überzeugter Befürworter: «Mit der integrierten Versorgung erhöhen wir die Qualität der Behandlung – insbesondere für chronisch Kranke – und verbessern die Sicherheit für die Patienten.»

Kreise, welche die Vorlage bekämpften, hätten Sonderinteressen. Dabei denkt Berset wohl auch an die gut verdienenden Spezialisten. «Klar ist, dass bei der integrierten Versorgung der Patient in der Regel zuerst den Hausarzt konsultiert», sagt Berset nur.

Hickhack um «Arena»

Dass es bei dem Geschäft um viel geht, zeigt auch eine Episode vom Rand der Sendung «Arena» zur Managed-Care-Vorlage vom Freitag. SP-Gesundheitsminister Berset tritt gegen seine Parteikollegen an: Nationalrätin Jacqueline Fehr und FMH-Präsident Jacques de Haller. Im Vorfeld der «Arena» war es dabei laut der Zeitung «Der Sonntag»zu einem Hickhack gekommen.

Berset habe weder gegen den Waadtländer SP-Regierungsrat Pierre-Yves Maillard noch gegen Fehr antreten wollen, bestätigt Redaktionsleiterin Marianne Gilgen. Die Befürworter planten, den streitbaren Waadtländer Regierungsrat Maillard zum Duell gegen Berset zu entsenden. Dieser hätte Berset im Zusammenhang mit dessen Meinungsumschwung attackiert.

Ein Auftritt Maillards sei für sie aber kein Thema gewesen, betont Gilgen. Ganz im Gegensatz zu Fehr. «Sie ist die beste Gesundheitspolitikerin der SP.» Gilgen: «Ich sagte, dann fände die ‹Arena› ohne Bundesrat statt.» Bundesräte könnten zwar wählen, ob sie alleine oder mit Unterstützung antreten wollten. «Ihre Gegner aber dürfen sie nicht bestimmen. Beide Lager kämpfen mit den besten Köpfen.» Nicht antreten wird Bundesrat Berset bei «Infrarouge», dem «Arena»-Pendant von TSR. Das bestätigt Moderatorin Esther Mamarbachi. (ami)

Erstellt: 13.05.2012, 07:05 Uhr

Umfrage

Am 17. Juni kommt die Managed-Care-Vorlage vors Volk. Wie werden Sie abstimmen?

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19.4%

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