Martullo-Blocher lobt China – Widerspruch?

Warum westliche Unternehmer und liberale Politiker den chinesischen Kommunismus bewundern.

Diese Disziplin beeindruckt selbst Antikommunisten: Eine chinesische Putzkolonne in Shanghai. Foto: Sasse (Laif)

Diese Disziplin beeindruckt selbst Antikommunisten: Eine chinesische Putzkolonne in Shanghai. Foto: Sasse (Laif)

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China wird beherrscht von einer kommunistischen Einheitspartei. Forderungen nach demokratischer Mitbestimmung stemmt sie brutal nieder.

Die SVP ist eine Partei aus überzeugten Antikommunisten. Unablässig betonen sie die Wichtigkeit demokratischer Mitbestimmung.

China und SVP, das sind weltanschauliche Gegenpole, unvereinbar bis auf die Knochen. So weit die Theorie.

Magdalena Martullo-Blocher, Chefin der Ems-Chemie, hat China in den letzten Jahren mehrmals als Land mit der «fähigsten Regierung» gepriesen. Die gleiche Martullo-Blocher will nun in den Nationalrat. Für die SVP.

Ein Widerspruch? Martullo-Blocher ist längst nicht die Einzige, die diesen ideologischen Spagat aushält. Viele westliche Unternehmer und Politiker schwärmen von China. Als einfluss­reicher China-Fan gilt der ehemalige US-Aussenminister Henry Kissinger. 2013 sagte Justin Trudeau, Chef der kanadischen Liberalen, dass er die «chinesische Diktatur» bewundere.

Man kann solches Lob als Eigennutz abtun. In China ballt sich Macht, wirtschaftliche und militärische. Man will das Land nicht verärgern.

Doch die China-Verehrung geht weit über Anbiederung hinaus. Zwei angebliche Tugenden lassen manche Liberale bei China ihre Grundsätze vergessen: Effizienz und Reinheit.

Egal, dass sich Chinas Herrschende auf Marx und Lenin berufen. Egal, dass sie Grundrechte missachten. Sie haben innert 35 Jahren Hunderte Millionen von Menschen aus der Armut befreit. Einen solchen Wachstumsschub gab es noch nie in der Geschichte.

Aus Sicht der China-Fans setzt diese Leistung zupackende Manager voraus, die sich nicht ständig zu erklären brauchen. Wie in Unternehmen bestimmt in China die Belegschaft nicht mit, wohin die gemeinsame Reise geht. Das erledigen Politmanager. Kein Widerspruch bremst, rasch und effizient können sie durchgreifen.

Unternehmer-Könige

Das Ideal politischer Reinheit ent­wickelte der antike Philosoph Platon. In seinem Wunschstaat sollte sich die Bevölkerung wenigen Philosophen-Königen unterordnen. Freiwillig. Denn die Philosophen entschieden unbefangen, sie wären nicht verstrickt in geschäftliche oder politische Bindungen. Allein das Gemeinwohl bestimmte ihre Beschlüsse. Für China-Bewunderer herrscht Chinas Einheitspartei mit ähnlich reiner Unabhängigkeit.

Demokratien dagegen mangle es an solcher Ausgewogenheit. Westliche Politiker müssen sich um die Wiederwahl sorgen, was sie egoistisch mache und ihre Klarsicht verderbe. Martullo-Blocher sagte 2012 in einem TA-Interview: «Europäische Regierungen wollen vor allem sich selber profilieren und handeln nicht aus Verantwortung für ihr Land. Die chinesische Regierung hingegen handelt fundiert, professionell, langfristig ausgerichtet.»

Gemäss dieser verbreiteten Sicht ist China ein Vorbildstaat, gelenkt von wohlwollenden Unternehmer-Königen.

Solches China-Lob verrät viel über das Weltbild der Lobenden. Mit der Realität hat es wenig zu tun. Politiker, die sich nicht rechtfertigen müssen, neigen zu Faulheit und Bestechlichkeit, dem Gegenteil von Effizienz. Das zeigen Korruptionsskandale in China.

Und Reinheit gibt es in der Chemie, aber nicht unter Menschen. Niemand entscheidet unbefleckt von Eigeninteresse – weder Philosophen, Kommunisten noch Magdalena Martullo-Blocher.

Erstellt: 22.04.2015, 06:25 Uhr

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