Massiv mehr Zwangsehen mit Minderjährigen in der Schweiz

Zwangsehen in der Schweiz steigen drastisch an. Besonders erschreckend ist dabei die Zunahme von zwangsverheirateten Mädchen, die noch nicht mal 16 Jahre alt sind.

In Indien werden mit Hilfe von NGOs Massenhochzeiten abgehalten, um unter anderem minderjährige Mädchen von der florierenden Prostitution fernzuhalten: Eine junge Braut im Dorf Vadia. (Archivbild)

In Indien werden mit Hilfe von NGOs Massenhochzeiten abgehalten, um unter anderem minderjährige Mädchen von der florierenden Prostitution fernzuhalten: Eine junge Braut im Dorf Vadia. (Archivbild) Bild: Divyakant Solanki/Keystone

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Die UN-Menschenrechts-Charta sowie die meisten Staaten stellen sie unter Strafe. Darunter die Schweiz. Trotzdem sind in den ersten sieben Monaten des aktuellen Jahres bereits 119 Meldungen von in der Schweiz geschlossenen Zwangsehen mit Minderjährigen bei der Fachstelle Zwangsheirat eingegangen. Von diesen Ehen wurden 26 mit Mädchen abgeschlossen, die noch unter 16 Jahre alt sind, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Die meisten Betroffenen stammen ursprünglich aus dem Irak, Syrien, Eritrea, Afghanistan und Somalia.

Fünfmal mehr Fälle als in den letzten zehn Jahren

Es sind Fälle wie jener des Mädchens im Spital, bei dem die behandelnde Ärztin bei der Untersuchung vermutet, dass das Kind vergewaltigt wurde. Doch im Gespräch feststellt, dass das Kind einer Zwangsheirat unterzogen wurde. Oder jener Fall der erst 10-jährigen Somalierin in einer Schweizer Schule. Die zuständige Sozialarbeiterin erfährt, dass das Mädchen bereits verheiratet ist.

Besonders erschreckend ist die Statistik für Zwangsheiraten mit unter 16-Jährigen. Während dieses Jahr bereits 26 Fälle gemeldet wurden, gab es in zwischen 2005 und 2015 insgesamt nur fünf Meldungen. In nur sechs Monaten wurde die Fachstelle für Zwangsheirat bereits auf fünfmal mehr Zwangsheiraten hingewiesen als in den ganzen zehn Jahren zuvor.

Gesetzliche Grauzone

Für Anu Sivaganesan, Präsidentin der Fachstelle, ist dies nicht nur auf die Zunahme von Flüchtlingen zurückzuführen. Die Gesellschaft sei zudem stärker auf die Problematik sensibilisiert und die Beratungsstellen geniessen eine immer grössere Bekanntheit in der Bevölkerung.

Die Fachstelle fordert eine Änderung der Handhabung der bereits geltenden Gesetze in der Schweiz. Obwohl hierzulande eine Heirat mit Minderjährigen sowie das Heiraten unter Zwang illegal ist, kann noch nicht gegen im Ausland geschlossene Zwangsehen vorgegangen werden, oder gegen jene, die erst bei Erreichung der Volljährigkeit in die Schweiz einreisen. Sivaganesan fordert, dass die Schweiz nach dem Vorbild der Niederlande alle Ehen mit Minderjährigen für ungültig erklärt. Unabhängig davon, wo und wann diese geschlossen wurden. (sep)

Erstellt: 07.08.2016, 18:16 Uhr

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