Maudets Reise nach Abu Dhabi – bezahlt von einem Freund

Flog der Genfer Regierungsrat in offizieller Mission oder privat in die Vereinigten Emirate? Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Privat oder offiziell? In Abu Dhabi soll der Genfer Regierungsrat hochrangige Behörden, unter anderen den Verteidigungsminister, getroffen haben.

Privat oder offiziell? In Abu Dhabi soll der Genfer Regierungsrat hochrangige Behörden, unter anderen den Verteidigungsminister, getroffen haben. Bild: Urs Flueeler/Keystone

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Zeichen der Unsicherheit oder Schwäche sind beim Genfer Sicherheits- und Volkswirtschaftsdirektor Pierre Maudet nie auszumachen. Selbst während seiner Bundesratskandidatur umgab ihn eine Aura der Unantastbarkeit, obschon er als Aussenseiter antrat. Die Genfer schätzen Maudets souveränen Auftritt und bestätigten ihn bei den Regierungswahlen im April als einzigen Kandidaten bereits im ersten Wahlgang im Amt.

Was das Volk nicht wusste: Die Genfer Staatsanwaltschaft führt seit Monaten ein Strafverfahren wegen Vorteilsannahme, einem Bestechungsdelikt. Offiziell ist es ein Verfahren gegen unbekannt, aber Pierre Maudet steht im Zentrum und dient der Staatsanwaltschaft als Auskunftsperson.

Gemäss Recherchen der Zeitung «Tribune de Genève» und «Radio Lac» reiste der 40-Jährige im November 2015 für mehrere Tage nach Abu Dhabi in die Vereinigten Arabischen Emirate. Er war nicht alleine, seine Frau und seine Kinder begleiteten ihn. Auch sein Kabinettschef reiste mit, dazu ein enger Freund, der im Genfer Immobiliengeschäft tätig ist. Die Gesellschaft flog in der Businessklasse. Maudet nutzte am Genfer Flughafen gemäss Darstellung der «Tribune de Genève» den sogenannten Protokolldienst, der nach Angaben des Airports «Staatsoberhäuptern, Premierministern, amtierenden Ministern, Leitern von internationalen Organisationen, Mitgliedern von Königsfamilien und anderen offiziellen Würdenträgern vorbehalten ist».

Zahlreiche Fragen stellen sich. Die wichtigsten sind: Flog Maudet in offizieller Mission nach Abu Dhabi, oder handelt es sich um eine Privatreise? Und wer übernahm die Kosten?

Spende an wohltätige Organisation

Bestätigt hat Maudet, dass eine Drittperson die Reisekosten übernahm. Die Identität des Mannes ist unbekannt. Es soll sich um den Freund jenes Freundes handeln, mit dem er nach Abu Dhabi flog und der offenbar in den Vereinigten Emiraten wohnt. Maudet wollte die Rechnung zuvor offensichtlich selbst bezahlen, doch sein Freund signalisierte ihm, die Kosten seien bereits beglichen. Als Kompensation hat der Sicherheitsdirektor gemäss eigener Angaben in Genf wohltätigen Organisationen eine Spende zukommen lassen.

In Abu Dhabi selbst soll der Genfer Regierungsrat hochrangige Behörden, unter anderen den Verteidigungsminister, getroffen haben, worüber auch offizielle Nachrichtenagenturen berichteten. Das spräche eher für eine offizielle Reise, und es stellt sich die Frage, ob nicht der Kanton Genf die Reise hätte zahlen müssen. Doch Maudet besuchte auch das Formel-1-Rennen in Abu Dhabi, was eher auf einen privaten Charakter seines Aufenthalts hindeutet, zumal er seine Familie bei sich hatte.

Dem Freisinnigen ist bei der Sache offensichtlich unwohl. Letzte Woche hat er die Regierung über seine Reise und das laufende Strafverfahren informiert. Am Montag bat er die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Kantonsrats um eine dringliche Unterredung. Maudet informierte die GPK von sich aus über den Fall, wobei er zentrale Fragen offen gelassen haben soll. Er selbst sagt, er habe sämtliche Fragen beantwortet. Die Genfer Staatsanwaltschaft wiederum teilt mit, die Strafuntersuchung sei in Gang. Es gebe derzeit kein Element für den Verdacht auf eine Straftat. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.05.2018, 20:15 Uhr

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