«Mehr Ferien führt nicht immer zu Entlastung»

Nur erholte und gesunde Arbeitnehmende können laut Simonetta Sommaruga gute Leistungen erbringen. Dennoch wirbt die Bundesrätin für ein Nein zur Initiative «6 Wochen Ferien für alle».

Sechs Wochen Ferien wären eine grosse Belastung für KMU: Bundesrätin Simonetta Sommaruga heute in Bern.

Sechs Wochen Ferien wären eine grosse Belastung für KMU: Bundesrätin Simonetta Sommaruga heute in Bern. Bild: Keystone

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Nach Ansicht von Bundesrätin Simonetta Sommaruga erweckt das Volksbegehren, das am 11. März an die Urne gelangt, auf den ersten Blick den Eindruck, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit mehr Ferien automatisch besser gestellt würden. «Mehr Ferien führt nicht immer zu Entlastung», sagte sie heute vor den Medien in Bern.

Die vom Gewerkschaftsdachverband Travail.Suisse getragene und von den linken Parteien unterstützte Initiative verlangt, dass alle Arbeitnehmenden jährlich mindestens sechs Wochen bezahlte Ferien erhalten. Die Arbeitnehmer sollen so an den Produktivitätsgewinnen der letzten Jahre beteiligt werden.

Zu grosse Belastung für KMU

Mehr Ferien bringt laut Sommeruga aber nur etwas, wenn anschliessend die Arbeit auf mehr Hände und mehr Köpfe verteilt wird. Andernfalls drohe die Arbeit für den Einzelnen sogar zu einer noch grösseren Belastung zu werden, sagte sie. Denn so müsste die anfallende Arbeit in weniger Zeit verrichtet werden.

Der Bundesrat hält es für wahrscheinlich, dass viele Arbeitgeber - insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) - nach Annahme der Initiative den Personalbestand nicht erhöhen.

Denn jede zusätzliche Ferienwoche erhöhe die Lohnkosten: Bei einem Arbeitspensum von 240 Arbeitstagen pro Jahr und einer Fünf- Tage-Woche würden sich die Lohnkosten pro zusätzliche Ferienwoche um rund 2 Prozent erhöhen. Gerade KMU würden sich unabhängig von der Wirtschaftslage schwer damit tun, höhere Lohnkosten zu verkraften, sagte Sommaruga.

Massgeschneiderte Firmen- und Branchenlösungen

Diesen Standpunkt vertrat auch der Waadtländer Volkswirtschaftsdirektor Philippe Leuba (FDP). Die Schweiz habe bereits heute Lohnkosten, die im weltweiten Vergleich zu den höchsten zählen würden. Eine weitere Erhöhung sei deshalb nicht angezeigt.

Zudem würden besonders kleine KMU durch einen höheren Ferienanspruch organisatorisch vor grosse Herausforderungen gestellt. Es sei deshalb besser, an der bisherigen Ferienregelung des Obligationenrechts festzuhalten, die den unter 20-jährigen Arbeitnehmenden fünf Wochen Ferien garantiert und allen anderen vier Wochen.

Darüber hinausgehende Lösungen sollten wie heute von den Sozialpartnern ausgehandelt werden. Es gelte Lösungen zu finden, die auf die Realität in einem Betrieb abgestimmt seien. Diese könnten beispielsweise auch Lohnerhöhungen vorsehen. Zweifellos hätten heute viele Arbeitnehmer lieber eine Lohnerhöhung als zusätzliche Ferien, sagte Leuba.

Als Beispiel für die Notwendigkeit von firmenspezifischen Lösungen nannte er zudem den Konflikt um den Novartis- Produktionsstandort in Nyon. Um die Schliessung zu verhindern, ruft die Gewerkschaft Unia gemäss Leuba die Novartis-Angestellten auf, einer Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 37,5 auf 40 Stunden zuzustimmen.

Stress am Arbeitsplatz hat zugenommen

Auch Bundesrätin Sommaruga findet, dass der Spielraum für die Sozialpartner nicht eingeschränkt werden soll. Das Argument der Gewerkschaften sei richtig, dass der Arbeitsalltag hektischer geworden sei und den Arbeitnehmenden viel mehr Flexibilität und ein höheres Arbeitstempo abverlangt werde.

Auch bei einem Nein zu der Initiative des Gewerkschaftsdachverbandes Travailsuisse dürften die Arbeitgeber das Thema «Stress am Arbeitsplatz» nicht ad acta legen.

Um die negativen Folgen abzudämpfen, brauche es aber auf eine Firma zugeschnittene Lösungen. Dabei spielten nicht nur Ferien eine Rolle, sondern auch Lohnerhöhungen, Arbeitszeitverkürzungen, Teilzeitarbeit oder Angebote für Kinderbetreuung. (wid/sda)

Erstellt: 17.01.2012, 12:56 Uhr

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