Mehr als nur Fransen

Gegenwärtig macht der Preisüberwacher Stefan Meierhans alles richtig.

Damit sich ein Postauto-Skandal nicht mehr wiederhole, sagt Meierhans, brauche es unabhängige Regulierer – also Leute wie ihn.

Damit sich ein Postauto-Skandal nicht mehr wiederhole, sagt Meierhans, brauche es unabhängige Regulierer – also Leute wie ihn. Bild: Esther Michel

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Was musste sich Stefan Meierhans nicht alles anhören: Eine «CVP-Verlegenheitslösung» nannten ihn Politiker, ein «Leichtgewicht», einen «schwachen Jungmanager ohne Leistungsausweis», dem es allein um die «mediale Selbstinszenierung» gehe. Gelästert wurde, dass das Auffälligste an ihm die Frisur sei, seine blonden Fransen, stets nach rechts gekämmt.

Nein, Meierhans hatte keinen leichten Start ins Amt des eidgenössischen Preisüberwachers, das er 2008 als 39-Jähriger vom angesehenen Ex-Nationalrat Rudolf Strahm (SP) übernahm. Auserwählt hatte ihn Bundesrätin Doris Leuthard (CVP).

Das ist lange her. Gerade erhält Meierhans viel Anerkennung, er gilt als Aufdecker des Postauto-Skandals. Heute Abend gastiert er in Roger Schawinskis Fernseh-Talkshow.

Trotz harter Startkritik machte Meierhans weiter, wie er angefangen hatte: angriffig, laut, populär. Er startete einen eigenen Blog, übernahm eine Kolumne beim «Blick am Abend». Schon 2009 forderte er die Auflösung der Billag. Zu seinen Lieblingsgegnern gehören die Pharmabranche, die Post, die SBB. Gern schlägt er selber Lösungen vor, etwa ein Gleis 7 für alle.

Schon 2009 forderte er die Auflösung der Billag.

Aber Meierhans wirkt auch im Stillen, arbeitet sich durch Jahresabrechnungen und Bilanzen. So entdeckte er die umgeleiteten Postauto-Subventionen – als erster Externer. Schon 2012 stellte er fest, dass die Postauto AG im Geschäftsbericht 28 Millionen Franken Gewinn auswies. Gegenüber dem Bundesamt für Verkehr (BAV) schrumpfte dieser Betrag auf 2,7 Millionen. Wie das denn gehe, wollte Meierhans wissen. Die Verantwortlichen wichen aus, Meierhans bohrte weiter, 2013 übernahm das BAV die Untersuchung. Die Sache zog sich hin, nun hat sich gezeigt: Durch einen buchhalterischen Trick hat die Postauto AG 78 Millionen erschwindelt.

Die «richtigen Fragen» habe Meierhans gestellt, lobt ihn der offizielle Untersuchungsbericht. Ihn schockiere das Ausmass der Affäre, sagte dieser in Interviews.

Beste Beziehungen zu Parlamentariern

Am 1. Oktober wird Meierhans sein 10-Jahr-Amtsjubiläum feiern. Das ist lange für einen, der vorher eine schnelle Karriere hingelegt hat. Das Jusstudium schloss das CVP-Mitglied mit einer Doktorarbeit über «Nordisches Kaufrecht» ab. Danach arbeitete er im Stab der CVP-Bundesräte Arnold Koller und Ruth Metzler, später wechselte er als politischer Berater zu Microsoft.

Verheiratet ist er mit Béatrice Wertli, der Generalsekretärin der CVP Schweiz. Gemeinsam haben sie zwei Kinder und leben in Bern. Obwohl Meierhans selber nie Politik machte, soll er beste Beziehungen haben zu vielen Parlamentariern.

Nach dem Postauto-Skandal fragte ihn der «Blick», was nötig sei, damit so etwas nicht mehr geschehe. Transparenz sei das beste Kontrollmittel, antwortete Meierhans. Und noch etwas brauche es: unabhängige Regulierer – also Leute wie ihn. Niemand wird ihm widersprechen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.06.2018, 19:25 Uhr

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