Migranten in der Schweiz überweisen Milliarden

Das Bundesamt für Statistik hat heute bekannt gegeben, welche Summen transferiert werden. Der Betrag übersteigt die öffentliche Entwicklungshilfe der Schweiz um mehr als das Doppelte.

Viele Länder sind von den sogenannten Remittances abhängig: Ein Kubaner verlässt ein Western-Union-Büro in Havanna. (Archivbild)

Viele Länder sind von den sogenannten Remittances abhängig: Ein Kubaner verlässt ein Western-Union-Büro in Havanna. (Archivbild) Bild: Keystone

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Ausländische Arbeitnehmer in der Schweiz haben 2013 Verwandte und Bekannte in ihren Heimatländern mit fast 6,5 Milliarden Franken unterstützt - mindestens. Die sogenannten Rücküberweisungen von Migranten gelten zunehmend als wichtige Einkommensquelle für ärmere Länder. Von 2003 bis 2013 haben sich diese Transfers aus der Schweiz beinahe verdoppelt, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) unter Berufung auf Zahlen der Weltbank berichtet. Nach 4,2 Prozent im Vorjahr betrug der Anstieg 2013 noch 2,0 Prozent.

Erfasst werden nur Zahlungen über formelle Kanäle wie Banken, Post und Transferanbieter wie Western Union. Experten gehen davon aus, dass ein grosser Teil der Geldflüsse auf informellem Weg erfolgt und die effektiven Transfers um bis zur Hälfte über den offiziellen Zahlen liegen könnten.

Dank wirtschaftlicher Liberalisierung und zunehmender Migration auch von besser verdienenden Arbeitskräften haben die Rücküberweisungen nicht nur hierzulande kräftig zugenommen. Von 2004 bis 2014 erhöhten sich die Geldsendungen nach den Schätzungen Weltbank global von 230 Milliarden auf 582 Milliarden Dollar. Allein dieses Jahr beträgt das Wachstum 5 Prozent.

Drei Viertel in Entwicklungsländer

Drei Viertel der Gelder fliessen 2014 in Entwicklungsländer. Das ist dreimal mehr, als die offizielle Entwicklungshilfe ausmacht. Die Zahlungen übertreffen auch die ausländischen Direktinvestitionen in diesen Staaten (ohne China) bei weitem.

Die höchste Summe geht mit 71 Milliarden Dollar an Indien, danach folgen China (64 Milliarden) und die Philippinen (28 Milliarden) Gemessen am Anteil am Bruttoinlandprodukt sind die wichtigsten Empfänger Tadschikistan (42 Prozent), Kirgistan (32 Prozent) und Nepal (29 Prozent).

Mit dem Boom der «Remittances», wie die Überweisungen im Fachjargon genannt werden, floriert auch das Geschäft der Anbieter von Transferdienstleistungen. Trotz rückläufiger Tendenz schlagen die Kosten für eine Geldsendung im globalen Durchschnitt gemäss Weltbank immer noch mit 7,9 Prozent (3. Quartal 2014) zu Buche.

Indikator für nachhaltige Entwicklung

Rücküberweisungen dienen in den Herkunftsländer der Migranten vorab zur Deckung von Grundbedürfnissen und tragen so zur Verbesserung der Lebensbedingungen bei. Sie sind deshalb einer der Indikatoren des MONET-Systems, mit dem das BFS zusammen mit anderen Ämtern die Fortschritte auf dem Weg der nachhaltigen Entwicklung bemisst.

Mögliche negative Auswirkungen der Transfers werden mit dem Indikator nicht erfasst. Das BFS verschweigt aber nicht, dass die externen Geldquellen zum Beispiel die Entwicklung einer lokalen, selbständigen Wirtschaft beeinträchtigen oder von den dortigen Regierungen den Druck wegnehmen können, Reformen umzusetzen. Auch würden in einer Gemeinschaft womöglich soziale Ungleichheiten gefördert. (rar/sda)

Erstellt: 29.10.2014, 12:32 Uhr

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