Mit 300 zusätzlichen Ausbildungsplätzen gegen den Ärztemangel

In der Schweiz sollen künftig pro Jahr 1100 ausgebildete Mediziner die Universitäten verlassen. Wer die Mehrkosten von 56 Millionen Franken jährlich tragen soll, ist noch unklar.

Noch ungeklärt ist, in welchen Universitäten die Ausbildungen erfolgen sollen: Ärzte im Operationssaal. (Archivbild)

Noch ungeklärt ist, in welchen Universitäten die Ausbildungen erfolgen sollen: Ärzte im Operationssaal. (Archivbild) Bild: Keystone

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In der Schweiz sollen mehr Ärztinnen und Ärzte ausgebildet werden. Bund und Kantone haben sich auf das Ziel geeinigt, ab 2018/2019 jährlich zusätzlich rund 300 Ärztinnen und Ärzte auszubilden.

Die Zahl der Ausbildungsplätze soll in den kommenden Jahren sukzessive erhöht werden. Bund und Kantone seien sich einig, dass sonst in einigen Jahren ein Ärztemangel drohe, sagte Gesundheitsminister Alain Berset heute Abend vor den Medien.

Unmittelbar drohe zwar kein Mangel, sagte Carlo Conti, der Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK). Bereits in 15 Jahren könnte es aber grosse Schwierigkeiten geben, und die Medizin-Ausbildung dauere lange.

Arbeitsgruppe soll Kostenfrage klären

Die Kosten für die zusätzlichen Studienplätze belaufen sich auf mindestens 56 Millionen Franken jährlich. Wer sie trägt, ist noch offen. Eine Arbeitsgruppe soll sich nun mit dieser Frage befassen, wie Berset sagte. Möglich wäre, dass der Bund einen zusätzlichen Teil seiner Grundbeiträge an die Universitäten einsetzt.

Es handle sich um Bildungsausgaben, nicht um Gesundheitsausgaben, betonte Conti. Die Gelder könnten im Rahmen der Kredite für Bildung, Forschung und Innovation eingeplant werden. «Es ist aber klar, dass auch die Kantone gefordert sind.»

Um Klarheit zu gewinnen, wollen Bund und Kantone die Kosten für Lehre und Forschung in der Humanmedizin genauer aufschlüsseln. Wegen des oft fliessenden Übergangs zwischen Lehre, Forschung und Patientenversorgung sei dies schwierig, halten sie fest.

Keine Spezialisten

Offen ist auch noch, an welchen Universitäten die zusätzlichen Plätze geschaffen werden sollen. Die Arbeitsgruppe wird prüfen, ob nebst den bestehenden fünf medizinischen Fakultäten weitere aufgebaut werden sollen. Ausserdem stellt sich die Frage, wie sichergestellt werden kann, dass die «richtigen» Ärztinnen und Ärzte ausgebildet werden.

Fest steht, dass es vor allem Hausärztinnen und Hausärzte braucht. Es komme nicht in Frage, 300 zusätzliche Spezialärzte auszubilden, sagte Berset. Dass sich mehr Studentinnen und Studenten für die Hausarztmedizin entscheiden, will der Gesundheitsminister mit dem «Masterplan Hausarztmedizin» erreichen, den er im Juni vorgestellt hatte.

Bereits in der medizinischen Grundausbildung soll der Hausarztberuf mehr Gewicht erhalten. Berset will aber auch finanzielle Anreize schaffen, um den Beruf attraktiver zu machen. So soll das Tarifsystem TARMED revidiert werden, damit die Hausärzte nicht mehr so viel weniger verdienen als Spezialisten. Bereits angepasst hat Berset die Labortarife.

Hausärzte gehen in Pension

Zu den Zielen und Plänen verabschiedete der «Dialog Nationale Gesundheitspolitik» von Bund und Kantonen heute einen Bericht. Dass zu wenig Ärztinnen und Ärzte ausgebildet werden, ist schon lange bekannt. Bis in zehn Jahren sind drei Viertel der heute praktizierenden Hausärzte pensioniert.

Immer mehr Mediziner aus dem Ausland zu holen, ist für Berset keine Option. Die Fachleute in den Nachbarländern ausbilden zu lassen, könne nicht das Ziel sein, sagte der Gesundheitsminister. «Das ist keine Politik.» Auch das Parlament hatte darauf gedrängt, mehr Ausbildungsplätze in der Schweiz zu schaffen. Diverse Vorstösse dazu fanden Mehrheiten in den Räten. (rbi/sda)

Erstellt: 23.08.2012, 18:06 Uhr

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