Mit Spendenrekord gegen SVP-Initiative

Gegner der Durchsetzungsinitiative haben die erfolgreichste politische Crowdfunding-Aktion der Schweiz lanciert. Sie rüsten sich für weitere Abstimmungskämpfe.

Über Online-Spenden finanziert: Die Abstimmungsplakate gegen die Durchsetzungsinitiative im Zürcher Hauptbahnhof – darunter die SVP-Werbung. (8. Februar 2016)

Über Online-Spenden finanziert: Die Abstimmungsplakate gegen die Durchsetzungsinitiative im Zürcher Hauptbahnhof – darunter die SVP-Werbung. (8. Februar 2016) Bild: Ennio Lanza/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der «Dringende Aufruf» gegen die Durchsetzungsinitiative hat in nur rund fünf Wochen 1,2 Million Franken Online-Spenden eingebracht. Noch nie ist in einem Abstimmungskampf so viel Geld übers Internet zusammengekommen, schreibt die «NZZ am Sonntag». Die Gegner haben Menschen aus allen Altersgruppen und sozialen Schichten mobilisiert – 52'614 Leute haben den Aufruf unterschrieben.

Auch an politikferne Menschen richten

Und die aus unterschiedlichen Lagern kommenden Gegner der SVP-Initiative sollen besser vernetzt sein, als bisher angenommen. Sie hoffen, den Erfolg für weitere Kampagnen nutzen zu können. «Es könnte auch bei künftigen Abstimmungen funktionieren», sagt der Mitinitator der Aktion Peter Studer zur «Schweiz am Sonntag». Laut dem ehemaligen SRF-Chefredaktor habe man ein «neues Modul, das Widerstand zum Tragen bringt» gefunden. «Engagement der Zivilgesellschaft statt der Parteien, dezentrale Kampagnen, die sich auch an politikferne Menschen richten, kluge Verbreitung über klassische und soziale Medien» habe zum Erfolg beigetragen, sagt Studer.

«Eine Aktion wie der ‹Dringende Aufruf› klappt nur einmal. Deshalb ist es wichtig, dass jetzt Regelstrukturen aufgebaut werden, um das geknüpfte Netz auch künftig nutzen zu können», sagt auch der Berner SP-Ständerat Hans Stöckli der «NZZ am Sonntag».

Von der Kultur in die Politik

Das Sammeln von Spenden über das Internet, sogenanntes Crowdfunding, nutzten bisher vor allem Kulturschaffende. Doch nun zeigen die DSI-Gegner, dass es hierzulande auch für politische Aktionen genutzt werden kann.

Eine solche Aktion bringe Geld und mobilisiere, indem man kostengünstig viele Leute erreiche, sagt Laura Curau, Kampagnenleiterin bei der CVP. Vergangenen Herbst hatte der Student Donat Kaufmann bereits vorgelegt: Er sammelte im Internet Geld, um die Frontseite von «20 Minuten» zu kaufen.

Nein der Wirtschaft hat Gegner beflügelt

Allerdings müsse der Absender glaubwürdig sein, das Anliegen bewegen und die Betroffenheit gross genug sein, so der Politologe Laurent Bernhard zur «NZZ am Sonntag». Das treffe auf die Kampagne der DSI-Gegner zu. Dass die Wirtschaft kein Geld für den Abstimmungskampf bereitstellen wollte, habe die Aktion beflügelt, vermutet ein Kampagnenleiter. «Als wir starteten, glaubten viele nicht, dass wir die vermeintlich übermächtige SVP schlagen können. Doch wir haben etwas bewegt. Ob es reicht? Ich weiss es nicht?», sagt Studer. (ij)

Erstellt: 28.02.2016, 10:14 Uhr

Artikel zum Thema

Ein Sieger steht schon fest

Analyse Die Durchsetzungsinitiative hat die Zivilgesellschaft wachgerüttelt. Dieser Abstimmungskampf zeigte eine neue Schweiz. Mehr...

Schrill und hysterisch

Analyse Selten war eine Abstimmung umstrittener wie jene zur Durchsetzungsinitiative der SVP. Bevor die Entscheidung fällt: ein Rückblick auf Köln, Secondo-Debatte und Nazi-Moment. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Blogs

Mamablog Papa rettet das Klima

Private View Blösse unter dem Hammer

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Ganz schön hart: Zwei Männer trainieren am Strand von Vina del Mar in Chile (19. September 2017).
(Bild: Rodrigo Garrido) Mehr...