Mittelsmann Lei widerspricht Blocher

Er habe die Konto-Unterlagen von Philipp Hildebrand an Christoph Blocher geschickt, sagt Hermann Lei in einem Interview. Zudem sei Blocher bei einem Treffen mit dem Sarasin-Informanten dabei gewesen.

«Am 3. Dezember kam es zum Treffen in Blochers Haus in Herrliberg»: Hermann Lei.

«Am 3. Dezember kam es zum Treffen in Blochers Haus in Herrliberg»: Hermann Lei. Bild: Keystone

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Christoph Blocher gehört zweifellos zu den Schlüsselfiguren im Fall Hildebrand. Welche Rolle er genau spielt, ist allerdings nicht klar. Auch, weil der SVP-Chefstratege immer wieder unklare Äusserungen von sich gibt. So sagte Blocher in einem TeleZüri-Interview am Donnerstagabend: «Ich habe keinerlei Unterlagen von einer Bank oder von Bankkonti.» Tags darauf hielt er an einer Medienkonferenz fest, dass er nur der Briefträger gewesen sei. Er bestätigte aber nicht, dass er im Besitz von Unterlagen war.

Jetzt widerspricht Hermann Lei in einigen Punkten der Darstellung Blochers. Der Thurgauer Rechtsanwalt und SVP-Kantonsrat, der in der Sache Hildebrand Blocher eingeschaltet hatte, sagt in einem Interview mit dem «Blick», dass er in der ersten Dezemberhälfte Konto-Unterlagen von SNB-Chef Philipp Hildebrand an Blocher gemailt habe.

Besprechung mit Blocher in Herrliberg

Am 3. Dezember war es zu einem Treffen in Blochers Residenz in Herrliberg ZH gekommen. Neben Lei und Blocher soll eine dritte Person anwesend gewesen sein – und zwar der inzwischen entlassene Informatiker der Bank Sarasin, der die Informationen zu den umstrittenen Transaktionen Hildebrands gestohlen hatte. Der Informant der Bank Sarasin habe Blocher die Unterlagen gezeigt, erinnert sich Lei. Und Blocher habe sich Notizen gemacht. Im Gegensatz zur Darstellung von Lei behauptete Blocher vor ein paar Tagen, dass er keinen Informanten kenne. Und dass er nicht wisse, ob die Unterlagen entwendet worden seien.

Die Idee, sich bei der «Weltwoche» zu melden, soll der Sarasin-Informatiker selbst gehabt haben, wie aus dem «Blick»-Interview hervorgeht. «Das Ganze ist über ihm zusammengebrochen», sagt Lei zum Vorwurf, dass er den Informanten hintergangen und gegen dessen Willen eine Veröffentlichung durchgesetzt habe. Es war schliesslich Lei, der die «Weltwoche» mit Informationen versorgte. Unter anderem mit der Information, dass der Kundenberater von Hildebrand den Informatiker und andere Sarasin-Angestellte auf die Dollar-Transaktionen aufmerksam gemacht hatte.

Präsident der SVP Thurgau äussert Vorbehalte

Die Rolle von Lei im Fall Hildebrand stösst bei der Spitze der SVP Thurgau auf Unverständnis. Parteipräsident Walter Marty hätte dieses Vorgehen nicht unterstützt, wie das «St. Galler Tagblatt» berichtet. Ob es parteiinterne Konsequenzen geben werde, ist unklar. Marty wolle das Gespräch mit Lei suchen.

Hellhörig geworden ist auch der Thurgauische Anwaltsverband, wie das «St. Galler Tagblatt» weiter schreibt. «Wir beobachten die Entwicklung genau», sagte Präsident Matthias Hotz. Der Verband wolle nun klären, ob Lei Sorgfaltspflichten oder Anwaltsregeln verletzt habe. (vin)

Erstellt: 09.01.2012, 11:54 Uhr

«Die Informanten kenne ich nicht»: Christoph Blocher. (Bild: Keystone )

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