Mörgeli gelangt ans Bundesgericht

SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli ist mit seinen Beanstandungen gegen drei Beiträge des Schweizer Fernsehens abgeblitzt. Er wird seine Beschwerde ans höchste Gericht weiterziehen.

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Das Interview in der «Rundschau» vom 27. März 2013 entgleiste erst ganz zum Schluss, als der aufgebrachte SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli den Moderator fragte: «Sind Sii eigentlich vom Aff bisse?» Zuvor hatte die Rundschau in einem Beitrag berichtet, dass Mörgeli mindestens ein Dutzend Doktorarbeiten durchgewunken habe, die wissenschaftlichen Standards nicht genügen. Das bezeichnete Mörgeli im anschliessenden Interview als «widerwärtigen Journalismus», doch das Fass zum Überlaufen brachte erst die letzte Frage des Moderators, ob Mörgeli nun als Nationalrat zurücktreten werde.

Gegen diesen Beitrag des Schweizer Fernsehens und zwei weitere reichte Mörgeli Beschwerde ein. Die Berichte würden zahlreiche Falschaussagen enthalten und verletzten die Gebote der Sachgerechtigkeit und Fairness. Weil er ein unbequemer Politiker sei, habe man ihn fertigmachen wollen. Im Dezember wies die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) sämtliche Beschwerden einstimmig ab.

«Niemand hat seinen Doktor zurückgeben müssen»

Nun ist der schriftliche Entscheid publiziert worden. Mit seiner Veröffentlichung hat die Rekursfrist von 30 Tagen begonnen. Auf Anfrage erklärt Mörgeli, er halte an seinen Vorwürfen fest und werde die Beschwerde ans Bundesgericht weiterziehen. Er kritisiert, dass die beiden anonymen Hauptzeugen niemals bei ihm promoviert hätten, ausserdem sei eine internationale Expertenkommission der Universität Zürich zum Schluss gekommen, dass alle Arbeiten mindestens genügend gewesen seien. «Niemand hat seinen Doktor zurückgeben müssen», sagt Mörgeli.

Die UBI ging im Wesentlichen der Frage nach, ob die «Rundschau» sachgerecht berichtete und sich die Zuschauer eine eigene Meinung zu den geschilderten Sachverhalten bilden konnten. Dem Entscheid ist zu entnehmen, dass die «Rundschau» die anonymen Zeugen zwar «reisserisch präsentiert» habe und die beanstandeten Szenen an «Kriminalfälle erinnert» hätten. Allerdings sei für das Publikum erkennbar gewesen, dass die Glaubwürdigkeit der Zeugen umstritten sei.

Auch stillose Fragen sind erlaubt

Mörgeli rügte ferner die eingangs erwähnte Rücktrittsfrage. Diese habe keinerlei Bezug zum vorherigen Beitrag über die wissenschaftlichen Qualitätsstandards von Dissertationen gehabt. Dies sieht auch die UBI so, allerdings würden «provokative, stillose oder auch sachlich deplatzierte Fragen» nicht grundsätzlich eine Verletzung des Sachgerechtigkeitsgebots darstellen.

Eine wesentliche Rolle im Entscheid der UBI spielt das Interview, das in Mörgelis Entgleisung mündete. Dort habe der mediengewandte Mörgeli ausreichend Gelegenheit erhalten, sich zu den Vorwürfen zu äussern. Er sei am Vortag damit konfrontiert worden und habe genügend Zeit zur Vorbereitung erhalten. Insgesamt habe sich das Publikum eine eigene Meinung bilden können, die «Rundschau» habe die wesentlichen Fakten korrekt wiedergegeben.

Erstellt: 16.04.2014, 14:20 Uhr

Wichtigste Ereignisse

Die letzten drei Jahre im Fall Mörgeli

Februar 2011: Flurin Condrau übernimmt die Leitung des Medizinhistorischen Instituts und wird damit Chef von Christoph Mörgeli, dem Kurator des Medizinhistorischen Museums.

Sommer 2011: Condrau lässt das Museum durch eine internationale Expertenkommission unter der Leitung von Professor Robert Jütte aus Stuttgart evaluieren. Gemäss dem Jütte-Bericht ist das Museum veraltet und in schlechtem Zustand. Gleichzeitig verfasst Condrau einen akademischen Bericht über die Arbeit von Mörgeli. Auch der fällt negativ aus. Beide Berichte bleiben geheim.

November 2011: Die Uni konfrontiert Mörgeli mit der negativen Beurteilung und setzt eine «ausserordentliche Leistungsbeurteilung» an.

Februar 2012: Flurin Condrau führt mit Christoph Mörgeli ein Mitarbeitergespräch durch. Für Mörgeli wird eine Probezeit angesetzt.

11. September 2012: Der «Tages-Anzeiger» veröffentlicht die Recherche von Iwan Städler zum Fall Mörgeli. Darin zitiert er aus dem noch unveröffentlichten akademischen Bericht von Flurin Condrau und auch aus dem Jütte-Bericht.

22. September 2012: Die Universität stellt Christoph Mörgeli frei.

18. Oktober 2012: Christoph Mörgeli kündigt einen Rekurs gegen seine Entlassung an.

Anfang November 2012: Die Staatsanwaltschaft eröffnet ein Strafverfahren gegen zwei Mitarbeiter des Instituts. Sie sollen Städler die geheimen Berichte weitergegeben haben. Sie werden suspendiert.

16. November 2012: Flurin Condrau gibt die Institutsleitung vorübergehend ab. Johann Steurer wird sein interimistischer Nachfolger.

29. Oktober 2013: Die Universität kündigt der suspendierten Mitarbeiterin, bevor das Strafverfahren abgeschlossen ist.

6. November 2013: Uni-Rektor Andreas Fischer tritt nach Kritik an der Entlassung der Mitarbeiterin zurück.

1. Februar 2014: Flurin Condrau kehrt als Institutsleiter zurück.

Anfang Februar 2014: Mörgeli zeigt Flurin Condrau wegen Amtsgeheimnisverletzung an. Er soll die Berichte an Städler weitergeleitet haben. (sch)

«Sind Sii eigentlich vom Aff bisse?»: Im «Rundschau»-Interview vom 27. März 2013 gerieten Christoph Mörgeli und Moderator Sandro Brotz aneinander. (Bild: Screenshot SRF)

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