«Mörgeli hatte in der ‹Arena› nichts zu suchen»

Das Schweizer Fernsehen mag keine zu heftigen Debatten wie jene um die Abwahl von Bundesanwalt Erwin Beyeler. Nationalrat Daniel Vischer kritisiert die Auswahl der Diskussionsteilnehmer.

«Christoph Mörgeli war nicht führend bei der Abwahl von Erwin Beyeler, er hätte ihm sogar fast zur Wiederwahl verholfen», sagt Daniel Vischer (rechts).

«Christoph Mörgeli war nicht führend bei der Abwahl von Erwin Beyeler, er hätte ihm sogar fast zur Wiederwahl verholfen», sagt Daniel Vischer (rechts). Bild: Keystone

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Die «Arena» startete ohne laute Töne ins Jahr, nachdem Moderator Reto Brennwald die Sendung verlassen hatte. Dieser heizte die Diskussion schon mal mit Aufforderungen wie «Sie dürfen einander ruhig dreinreden» an. Das Nachfolger-Duo Urs Wiedmer und Sonja Hasler brachte Ruhe in die Sendung, eine sachlichere Diskusson war erwünscht. Doch mit der Besonnenheit scheint es vorbei zu sein: Die heutige Sendung zum Thema «Sozialhilfe: Auto inklusive?» verspricht Zündstoff; und die Sendung vom letzten Freitag hatte für Schlagzeilen gesorgt, weil die Nationalräte Christoph Mörgeli und Daniel Jositsch einander so heftig an den Karren fuhren.

Das Schweizer Fernsehen reagierte besorgt. Man hätte sich eine besonnenere Diskussion gewünscht, hiess es. «Auch für uns sind in dieser Sendung Grenzen überschritten worden», sagte Redaktionsleiterin Marianne Gilgen auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet, man sei über die Vehemenz überrascht gewesen.

Kein Mitglied der Gerichtskommission anwesend

Nationalrat Daniel Vischer (Grüne/ZH) reagiert darauf verärgert: «Wenn sich Frau Gilgen über die Heftigkeit der Debatte wundert, ist das nur lächerlich», sagt er. «Das Fernsehen wusste, wie Mörgeli argumentiert, er hatte in der Sendung nichts zu suchen.» Vischer kritisiert, dass sich Mörgeli bei seiner Begründung für die Nichtwiederwahl Beyelers auf den nicht rechtskräftigen Fall Holenweger bezog. Gefehlt habe in der vorderen Reihe jemand aus der Mitte mit der nötigen Kompetenz, wie Christa Markwalder (FDP/BE) oder der ehemalige Zuger Regierungsrat Hanspeter Uster. Diese standen in der zweiten Reihe. Neben Mörgeli und Jositsch diskutierte der stellvertretende Bundesanwalt Ruedi Montanari vorne mit.

Zudem habe die «thematisch ohnehin fragliche Sendung» einen falschen Eindruck erweckt, sagt Vischer: «Beyeler ist mit Stimmen aus SVP, Grünen, SP und Mitte nicht wiedergewählt worden. Die Sendung hat suggeriert, Mörgeli habe die Abwahl vorangetrieben. Dabei hätte er dem Bundesanwalt mit seinem Votum im Parlament beinahe zur Wiederwahl verholfen.»

Vischer kritisiert auch, dass kein Mitglied der mit der Materie Beyeler betrauten Gerichtskommission in der Sendung anwesend war. Er selber, der ebenfalls Mitglied der Kommission ist, wäre allerdings nicht hingegangen, wie er sagt.

Wehrli und Marty haben abgesagt

Redaktionsleiterin Marianne Gilgen verteidigt die Auswahl der Teilnehmenden. Man habe von den «zwei Professoren» eine sachlichere Debatte erwarten können. Und die Teilnahme von Christoph Mörgeli sei für sie nicht zur Diskussion gestanden, er sei die führende Figur gewesen bei der Abwahl Beyelers und habe die ganze SVP hinter sich geschart in dieser Frage. «Natürlich hätte man die Runde auch noch anders zusammenstellen können», ergänzt Gilgen. Reto Wehrli, Präsident der Gerichtskommission, und Kommissionsmitglied Dick Marty hätten abgesagt.

«Nein», sagt Chefredaktor Diego Yanez auf die Frage, ob er lieber Markwalder und Uster in der ersten Reihe gehabt hätte, «die Runde war sehr hochkarätig besetzt». Die persönlichen Angriffe und Beleidigungen hätten ihn allerdings gestört. Abgesehen davon habe die Sendung «viele sachliche Teile» enthalten, viele Leute hätten sich «nicht zuletzt wegen dieser Arena» Gedanken über die Gewaltentrennung gemacht.

Erstellt: 24.06.2011, 11:42 Uhr

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