Hintergrund

Mörgeli vs. Uni: «Das kann Jahre dauern»

Christoph Mörgeli wurde von der Uni Zürich gekündigt und per sofort freigestellt. Den Entscheid kann er anfechten – und unter Umständen sogar mit einer Abfindung rechnen, sagt der Arbeitsrechtler.

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«Christoph Mörgeli wird wohl Rekurs einreichen», sagt sein Anwalt Valentin Landmann auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Dazu hat der freigestellte Leiter des medizinhistorischen Museums 30 Tage Zeit. Zuständig ist die Rekurskommission der Zürcher Hochschulen. Diesen Entscheid wiederum kann Mörgeli bis ans Verwaltungsgericht des Kantons Zürich weiterziehen. Der St. Galler Arbeitsrechtler Thomas Geiser bestätigt auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet das beschriebene Vorgehen.

«Ich nehme an, das gibt eine gerichtliche Auseinandersetzung», so die Einschätzung Geisers, der in der Causa Mörgeli schon mehrmals Red und Antwort stand. Ohne die Zahl der Instanzen im Zürcher Beamtenrecht zu kennen, sagt Geiser auch: «Ein solcher Konflikt kann Jahre dauern.»

Bewährungsfrist zwecklos

Sollte Mörgeli den Entscheid anfechten, gehe es darum, ob die Gründe genügen, die nun von der Universität für die Kündigung angegeben wurden. Zwar sei es üblich, eine Bewährungsfrist von sechs Monaten einzuräumen. Laut Personalgesetz ist es unter bestimmten Bedingungen aber auch möglich, auf die Bewährungsfrist zu verzichten.

Das hat die Universität nun getan. Wegen «schweren Loyalitätspflichtsverletzungen» sowie dem «massiv und unwiderbringlich zerstörten» Arbeitsverhältnis. «Einer zweiten Mitarbeiterbeurteilung unter Ansetzung einer Bewährungsfrist ist damit (…) jegliche Grundlage entzogen», las Uni-Rektor Andreas Fischer aus dem Communiqué vor. Die Bewährungsfrist könne ihren Zweck nicht mehr erfüllen.

Medieninteresse nur, weil es ein Politiker ist

Geiser sagt unabhängig vom vorliegenden Fall Mörgeli: «Es wird an den Gerichten zu beurteilen sein, wie beide Seiten in dieser Sache agiert haben.» Als Beobachter des jüngsten Geschehens rund um den Leiter des medizinhistorischen Museums sagt Geiser auch: «Wenn es sich nicht um einen Politiker handelte, hätten sich die Medien nicht derart für den Fall interessiert.» Und dann hätten die Parteien wohl auch besonnener reagiert.

Sollte Mörgeli vor Gericht Recht bekommen, stellt sich auch die Frage nach einer Entschädigung. «Eine Abfindung für Herrn Mörgeli ist möglich», sagt Geiser. Wie hoch die ausfalle, dazu will er nicht Stellung nehmen. Für die nächsten sechs Monate – die Kündigungsfrist – erhält Mörgeli noch seinen regulären Lohn.

Rückkehr auch bei Sieg vor Gericht undenkbar

Dass Mörgeli aber an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt, scheint nach den jüngsten Vorkommnissen ausgeschlossen, auch wenn er vor Gericht gewinnen sollte. Die Universität Zürich liess schon heute verlauten: «Eine Rückkehr von Prof. Mörgeli an seinen Arbeitsplatz ist nach dem medial ausgetragenen Konflikt und den schweren Vorwürfen von Prof. Mörgeli nicht mehr denkbar.»

Erstellt: 21.09.2012, 13:47 Uhr

«Eine Abfindung für Herrn Mörgeli ist möglich»: Thomas Geiser.

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