Moscheen sollen striktes Personenregister führen

Zwei vermisste Winterthurer Jugendliche sollen sich in einer Zürcher Moschee radikalisiert haben. Eine Moschee in Embrach steht im Fokus. Imame fordern die Behörden zum Handeln auf.

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Seit vergangener Woche sind zwei Winterthurer Jugendliche verschwunden. Gemäss türkischen Medien reisten der 16-jährige Lehrling und seine 15-jährige Schwester nach Istanbul. Ihr angebliches Ziel: Der Anschluss an die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete)

Gemäss «20 Minuten» soll der 16-Jährige vor rund drei Jahren vom Islamischen Verein An'Nur in Winterthur kurzeitig zu el-Furkan gewechselt haben. Deren Moschee befindet sich in Embrach. Die radikalislamische Institution stand in der Vergangenheit im Fokus, weil sie für den IS geworben hatte. Obwohl die Behörden das Problem erkannten, blieb die Moschee geöffnet, weil sie sie als ungefährlich einstuften.

An'Nur-Präsident Atef Sahnoun zeigt sich überrascht: Sie hätten nicht geahnt, dass der 16-Jährige in den Heiligen Krieg gezogen sein soll: «Er war ein flotter, lieber Junge. Das tat weh, als ich es hörte. Ich war überrascht, er hatte nicht einmal einen Bart», sagte der Vereinspräsident gegenüber «20 Minuten».

Mehr Kontrolle durch Behörden

Valentina Smajli, Co-Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, will nun Taten sehen. Unabhängig vom neusten Fall fordert sie Ermittlungen durch die staatlichen Behörden: «Bestätigen sich die Vorwürfe, muss die Moschee sofort geschlossen werden», sagt Smajli.

Um nicht unter Generalverdacht zu fallen, sollen die Glaubenshäuser zu einer strikten internen Kontrolle greifen: «Die Moscheen, insbesondere die Imame, sind dafür verantwortlich, wer bei ihnen ein und aus geht.» Strikt geführte Mitgliederlisten sollten gemäss Smajli Pflicht sein. «Wenn sich Mitglieder radikalisieren, müssen die Vorstände intervenieren und allenfalls die Behörden einschalten», so Smajli. Es sei zudem wichtig, dass sich verantwortungsbewusste Moscheen in aller Deutlichkeit von den jüngsten Geschehnissen abgrenzen.

Mahmud-Moschee grenzt sich ab

Auch Sadaqat Ahmed, Imam in der Mahmud-Moschee an der Forchstrasse, sorgt sich um den Ruf seiner Organisation: «Wir distanzieren uns in aller Deutlichkeit von jeglichem radikalen Gedankengut.» Der Imam schliesst nicht aus, dass in einzelnen Moscheen «gewisse Elemente» vorhanden sind, durch die sich Jugendliche radikalisieren könnten. «Ich weiss nicht, was in anderen Häusern vor sich geht. Es ist die Aufgabe des Staates, das zu klären.» In der Mahmud-Moschee halte man sich transparent. Alle Mitglieder seien in einer Liste erfasst. Falls Behörden das wünschen, könnten diese eingesehen werden, sagt Ahmed.

Gemäss Mohammad Hanel von der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich wird von den zuständigen Imamen und Vorständen bereits «alles Mögliche getan, um Verführungen jedweder Art keinen Platz zu geben». Hanel erkennt jedoch die Problematik: «Radikal atheistische und extreme ideologisierte Religionsinterpretation schaukeln sich zurzeit in bestürzende Positionen hoch.» In der Schweiz fehle es jedoch an ausgebildeten Theologen und Religionslehrern, um solche «Auswüchse» zu verhindern: «Jugendliche müssen zeitgemäss angesprochen und abgeholt werden», sagt Hanel.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.12.2014, 17:29 Uhr

Stand bereits einmal negativ in den Schlagzeilen: el-Furkan in Embrach. (Bild: Keystone )

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