Müller als FDP-Präsident «gesetzt und gewählt»

Ständerat Pankraz Freitag verzichtet auf eine Kandidatur. Somit sei der Weg für Nationalrat Philipp Müller frei, sagen freisinnige Politiker.

Er stellt sich am 21. April den FDP-Delegierten zur Wahl für das FDP-Präsidium: Philipp Müller, Nationalrat (AG).

Er stellt sich am 21. April den FDP-Delegierten zur Wahl für das FDP-Präsidium: Philipp Müller, Nationalrat (AG). Bild: Reuters

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Es hat nach einer spannenden Richtungswahl ausgesehen. Für das frei werdende FDP-Präsidium hat sich eine Doppelkandidatur abgezeichnet mit zwei Persönlichkeiten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: dem aristokratisch anmutenden Glarner Ständerat Pankraz Freitag, einem Mann der leisen Töne, und dem polternden Aargauer Gewerbler und Nationalrat Philipp Müller.

Doch es kommt anders. Freitag verzichtet und macht damit den Weg für Müller frei. Gespräche mit der Familie und Überlegungen zum Arbeitspensum würden ihn von der Kandidatur abhalten, teilte Freitag heute mit.

«Erwarte keine Frontalopposition»

Philipp Müller, der seit acht Jahren im Nationalrat sitzt, ist somit der einzige Kandidat für das FDP-Präsidium, und er gilt als bereits gewählt, wie Nachfragen von Tagesanzeiger.ch/Newsnet bei FDP-Politikern ergeben. So äussert sich Werner Messmer (TG), ehemaliger Nationalrat und Mitglied der Findungskommission, die in den vergangenen Wochen für die FDP Kandidaten gesucht hat. «Man kann davon ausgehen, dass Müller gewählt wird», sagt Messmer. Müller habe in der Partei einen «sehr guten Ruf», er trete gut auf. «Ich erwarte daher keine Frontalopposition von irgendeiner Seite.»

Dass Philipp Müller aus Wirtschaftskreisen ein eisiger Wind entgegenwehe, hält Messmer für ein Gerücht. «Das müsste ich wissen, ich bin ja in den meisten Gremien Mitglied, bei Economiesuisse, im Arbeitgeberverband und im Gewerbeverband.» Er habe nie etwas davon gehört, dass man Müller verhindern wolle.

Weissgeldstrategie hat für Kontroversen gesorgt

Selbst in FDP-Bankenkreisen, die Müller vor zwei Jahren mit seinem Entwurf einer Weissgeldstrategie vor den Kopf gestossen hat, scheint der Aargauer heute kein rotes Tuch mehr zu sein. «Es gab einzelne Punkte, bei denen wir unterschiedlicher Meinung waren», sagt der Zürcher Kantonsrat Hans-Peter Portmann und erwähnt die von Müller «einseitig ausgerufene» Weissgeldstrategie, die parteiintern Kontroversen auslöste. Am Schluss habe man sich aber bei einem Kompromiss gefunden. Bei Müller wisse man, woran man sei, sagt Portmann. «Er ist ein Chrampfer, engagiert, mit gutem Willen.»

Auch in Bankenkreisen könne man mit Müller leben, ist Portmann überzeugt. «Man werde wie alle Branchen mit ihm den Dialog führen wollen. «Am Schluss ist die FDP eine Wirtschaftspartei, was auch zu unserer Existenzberechtigung in der Parteienlandschaft gehört.» Müller werde im Parteipräsidium thematisch bestimmt eine breitere Optik pflegen, glaubt Portmann. «Ab heute ist er wohl gesetzt und später auch gewählt.»

Vortraben bei Kantonalpräsidenten und Frauen

Ursprünglich hatte sich die FDP-Findungskommission mit sechs möglichen Kandidaten beschäftigt, von denen sich die meisten zurückgezogen haben. Dies in der Regel aus ähnlichen Gründen wie Pankraz Freitag, sagt Messmer. Natürlich hätte man den Parteigremien gerne mehrere Vorschläge gemacht. «Doch solange am Schluss einer übrig bleibt, der gut ist, habe ich nichts gegen eine Einerkandidatur.»

Müller selbst gibt sich vorsichtig-bescheiden. «Das schauen wir dann», antwortet er auf die Frage, ob der Weg nun für ihn frei sei. Er wolle erst einmal vor den kantonalen Parteipräsidenten eine gute Figur machen, die er am Freitag zum Hearing trifft, sowie am Samstag vor den FDP-Frauen.

Erstellt: 13.03.2012, 16:22 Uhr

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