Mütter sagen: Danke vielmals!

Geld für Olympia ist vorhanden, aber der Vaterschaftsurlaub ist zu teuer? Der Entscheid der männlichen Bundesräte ist beschämend.

Ein Tag soll genügen, um sich an das Neugeborene zu gewöhnen, so will es der Bundesrat. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Ein Tag soll genügen, um sich an das Neugeborene zu gewöhnen, so will es der Bundesrat. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

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Die Schweiz hat den Ruf, ein stockkonservatives Land zu sein. Insbesondere, wenn es um Frauen geht oder alles, was damit zu tun hat. Zum Beispiel Familien. Diese Woche hat der Bundesrat diesen Ruf einmal mehr bestätigt. Die Volksinitiative für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub wurde abgeschmettert. Ist ja auch wirklich neumodisches Zeug, so ein Vaterschaftsurlaub, teuer, kompliziert und für die Wirtschaft allem Anschein nach eine schwere Belastung. Eine schwerere zumindest als die teure Olympiakandidatur. Und für Babys hat man ja tüchtige Frauen zu Hause, die den ganzen Familienkram erledigen.

So scheinen die Herren Bundesräte Parmelin, Schneider-Ammann, Burkhalter und Maurer zu denken, und darum möchte ich ihnen hier etwas flüstern: So ein Baby gibt wahnsinnig viel zu tun. Aber es ist ja nicht nur das. Eine Geburt dauert in der Regel Stunden, manchmal Tage. Sie hinterlässt ein handtellergrosses Loch in der Gebärmutter, das erst einmal verheilen muss. Dann kommt die Hormonumstellung, der Milcheinschuss, der Babyblues. Nachts wird man alle zwei Stunden geweckt, tagsüber wickelt und stillt man. Einkaufen, kochen, haushalten kommt noch dazu. Zumindest, wenn der Vater nicht mithelfen kann, weil er ab Tag zwei wieder im Büro seinen Sessel wärmen muss.

Mütter sagen Danke! Ich wünschte so sehr, unsere Bundesräte dürften probeweise selber mal gebären, bevor sie den nächsten derartigen Entscheid fällen.

Natürlich wurden auch wieder hanebüchene Argumente geäussert: Das Baby erinnere sich ja ohnehin nicht an diese Zeit. Als ob es dabei um die Kindheitserinnerungen des Babys ginge – und nicht den Energiehaushalt der Familie. Das Familienprojekt sei ein Egoprojekt und deshalb selbst zu finanzieren. Von wegen: Ist in diesem Fall nicht das ganze Leben ein Egoprojekt? Dann müsste der Staat gar nichts mehr finanzieren, auch keine Altersvorsorge.

Nein, es bleibt dabei. Die Entscheidung war kurzsichtig und asozial. Immerhin: Sollte das Kind sterben, darf der Vater der Arbeit drei ganze Tage fernbleiben. So viel Empathie muss sein.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.10.2017, 17:40 Uhr

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