Nach Totgeburt: Syrisches Ehepaar erhält Asyl

Auf dem Weg ihrer Rückführung aus der Schweiz verlor sie ihr Kind: Nun haben die syrische Frau und ihr Ehemann in Italien Asyl erhalten.

«Die Unmenschlichkeit der ‹Festung Europa›»: Der Mann der syrischen Migrantin trägt das tote Kind aus dem Krankenhaus. Bild: Screenshot SRF1

«Die Unmenschlichkeit der ‹Festung Europa›»: Der Mann der syrischen Migrantin trägt das tote Kind aus dem Krankenhaus. Bild: Screenshot SRF1

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die syrische Frau, welche im Juli auf der Rückführung von der Schweiz nach Italien ihr Kind verloren hatte, erhält Asyl. Ihren drei Kindern sowie ihrem Ehemann wurde ebenfalls der Flüchtlingsstatus gewährt.

In den nächsten Wochen wird die Familie in das Empfangszentrum Lodi in der Nähe von Mailand ziehen, wie die zuständige Behörde von Domodossola am Freitag auf Anfrage mitteilte. Sie bestätigte eine Information des Nachrichtenportals «Eco Risveglio».

Im siebten Monat schwanger

Der Fall der Syrerin war im Juli publik geworden. Die 22-jährige gehörte zu einer Gruppe von Migrantinnen und Migranten, die am 4. Juli auf dem Weg von Mailand nach Paris in einem Zug kurz nach der Schweizer Grenze aufgegriffen und den Schweizer Behörden für die Rückführung nach Italien übergeben wurden.

Auf dem Weg durch die Schweiz soll die Frau, die offenbar im siebten Monat schwanger war, starke Blutungen erlitten haben. Ihr Ehemann sagte gegenüber der SRF-Sendung «10vor10», dass die Schweizer Beamten trotz wiederholten Hilferufen nicht reagiert hätten.

Nach der Ankunft in Domodossola sei die Frau zusammengebrochen und ins Spital eingeliefert worden. Dort habe das Kind nur noch tot geboren werden können.

Untersuchungen dauern an

Nach dem Vorfall leitete das Grenzwachtkorps eine interne Untersuchung ein. Es kam zum Schluss, dass ein Fehler nicht ausgeschlossen werden könne und übergab das Dossier zur Prüfung der Militärjustiz. Die Untersuchungen der Militärjustiz dauern noch an.

Die Vereinigung «augenauf» hatte bei der Bundesanwaltschaft Anfang Juli zudem eine Strafanzeige gegen die Verantwortlichen im Grenzwachtkorps eingereicht. In der Anzeige werden den für die Rückführung verantwortlichen Grenzwächtern und Grenzwächterinnen Amtsmissbrauch, unterlassene Hilfeleistung und mögliche grobfahrlässige oder fahrlässige Tötung vorgeworfen. (mrs/sda)

Erstellt: 05.09.2014, 11:58 Uhr

Artikel zum Thema

Totgeburt einer Syrerin: Baby soll 10 Stunden zuvor gestorben sein

Im Fall einer syrischen Migrantin, die bei der Rückführung ihr Kind verlor, soll es neue Erkenntnisse geben: Offenbar war das Baby schon tot, als die Familie die Grenze zu Italien überschritt. Mehr...

Totgeburt einer Syrerin: Bundesrat soll sich entschuldigen

Die Flüchtlingshilfe will, dass der Bund sich bei der Familie entschuldigt, die wegen unterlassener Hilfeleistung ihr Baby verloren haben soll. Sie fordert zudem eine Gesetzesanpassung. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Blogs

Mamablog Vaterschaftsurlaub – der Krimi geht weiter

Sweet Home Grosses Theater zu Hause

Paid Post

Studieren von zu Hause aus

Erstmals in der Schweiz lässt sich ein Bachelor virtuell absolvieren. Dieses Set-up erlaubt es den virtuell Teilnehmenden ohne Pendeln zu studieren.

Die Welt in Bildern

Klebriger Protest: Eine PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) Aktivistin protestiert im Vorfeld der Mailänder Fashion Week gegen die Lederindustrie indem sie sich mit schwarzem Schleim übergiesst. (18. Februar 2020)
(Bild: Flavio Lo Scalzo) Mehr...