Nach den Banken triffts die Versicherer

Das Steuerabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland könnte neben den Banken auch die Versicherer betreffen. Laut Experten könnte eine ähnliche Diskussion entstehen, wie um das Bankgeheimnis.

Aus dem Schneider? Die Swiss Life verlangt von den Kunden eine Deklaration, dass es sich bei den Einzahlungen um keine Schwarzgelder handelt.

Aus dem Schneider? Die Swiss Life verlangt von den Kunden eine Deklaration, dass es sich bei den Einzahlungen um keine Schwarzgelder handelt. Bild: Keystone

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Im Fokus stehen dabei die sogenannten «Versicherungsmäntel» - eine steuergünstige Form der Verwaltung grosser Privatvermögen in einem Lebensversicherungsprodukt. Diese Geschäfte sind gemäss einem Bericht der «Handelszeitung» von heute möglicherweise Bestandteil des Abkommens. Der genaue Wortlaut des Mitte August von den beiden Staaten ausgehandelten Abkommens ist noch nicht bekannt.

«Wir gehen davon aus, dass keine Policen betroffen sind, welche unter schweizerischer Aufsicht stehen», sagte die Sprecherin des Schweizerischen Versicherungsverbandes (SVV), Selma Frasa-Odok, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Darunter würden die klassischen Lebensversicherungen fallen.

Im Gegensatz zu den klassischen Lebensversicherungen entziehen sich die «Versicherungsmäntel» allerdings der Kontrolle durch die Schweizerische Finanzmarktaufsicht (Finma). Die Versicherer wickeln diese Geschäfte im Ausland ab, weil von der Schweiz aus keine solchen Lebensversicherungsprodukte angeboten werden dürfen.

Der Lebensversicherer Swiss Life teilte mit, allfällige neue Verpflichtungen würden erfüllt, sollten sich solche aus dem Abkommen mit Deutschland ergeben. Wie der SVV geht die Swiss Life Gruppe davon aus, dass Lebensversicherungsprodukte, die von der Finma beaufsichtigt werden, nicht Gegenstand des Abkommens sein werden.

Finanzexperten warnen

Finanzexperten warnen seit geraumer Zeit, um das Versicherungsgeheimnis könnte eine ähnliche Diskussion entstehen wie um das Bankgeheimnis. Die grossen Versicherer äusserten sich bislang gelassen zum Thema und beteuerten, die Produkte genügten den ausländischen Gesetzen.

Führende Anbieter wie Swiss Life oder Bâloise verlangen von den Kunden eine Deklaration, dass es sich bei den Einzahlungen um keine Schwarzgelder handelt.

Das Geschäft mit den «Versicherungsmänteln» lohnt sich für die Versicherer erst ab einer gewissen Menge kontrollierter Vermögen, weil grosse Teile der Gebühreneinnahmen bei den Banken hängen bleiben.

Zustimmung von Parlament nötig

Das Steuerabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland war am 10. August besiegelt worden. Es sieht eine Abgeltungssteuer für Schweizer Konten von deutschen Bankkunden vor.

Das Abkommen muss nach der Unterzeichnung durch die beiden Regierungen noch von den Parlamenten genehmigt werden. Ausserdem untersteht das Abkommen dem fakultativen Referendum.

(wid/sda)

Erstellt: 18.08.2011, 19:07 Uhr

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