SRG

Neuer SRG-Präsident, verzweifelt gesucht

Die Suche nach einem Nachfolger für SRG-Präsident Jean-Bernard Münch gestaltet sich schwierig. Es gibt zwar viele Kandidaten, von deren Job-Tauglichkeit aber nicht alle überzeugt sind.

Dreht möglicherweise eine Ehrenrunde im SRG-Verwaltungsrat: SRG-Präsident Jean-Bernard Münch.

Dreht möglicherweise eine Ehrenrunde im SRG-Verwaltungsrat: SRG-Präsident Jean-Bernard Münch.

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SRG-Verwaltungsratspräsident Jean-Bernard Münch kündigte im Frühjahr an, er wolle sein Amt auf Ende Jahr zur Verfügung stellen. Münch leitete während neun Jahren die Geschicke des SRG-Verwaltungsrats. Sein Nachfolger soll an einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung im September gewählt werden. «Alles läuft nach Plan», sagt Max Gurtner, Leiter der Unternehmenskommunikation.

Doch aus dem Verwaltungsrat und auch aus dem für die SRG zuständigen Departement Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) von Doris Leuthard kommen andere Signale. Von einer schwierigen Suche nach einem Nachfolger für Münch ist dort die Rede. Es gebe zwar eine Reihe valabler Kandidaten, der Job erfordere jedoch ein ganz spezielles Profil. Ein wichtiges Kriterium ist: Der neue SRG-Präsident sollte mit dem neuen SRG-Generaldirektor Roger de Weck auf Augenhöhe verkehren können.

Er sollte aber auch etwas von Neuen Medien verstehen, einen Draht zu Verlegern haben und vor allem die Politik kennen. Es dürfe aber auch kein Linker sein, weil man sonst noch mehr Attacken der SVP befürchtet. Kurzum: Gesucht wird eine Persönlichkeit, wie sie der frühere FDP-Präsident Ulrich Bremi darstellte – ein bürgerlich-liberaler Geist, der weit über das eigene Parteienspektrum hinweg Achtung und Respekt geniesst.

Keine überzeugenden Kandidaturen?

Inwiefern die Kandidaten diesem Profil entsprechen, darüber gehen die Meinungen offenbar auseinander. Eingeweihte Kreise im Umfeld von Kommunikationsministerin Leuthard sprechen von «wenig überzeugenden Kandidaturen». Die SRG entscheidet zwar autonom über die Nachfolge. Leuthards Departement wird jedoch über die Entwicklung durch den SRG-Verwaltungsratspräsidenten informiert. Das Uvek kennt darum auch die Shortlist. Namen werden aber keine verraten. Hat Münch dem Uvek auch über die Job-Tauglichkeit der einzelnen Kandidaten rapportiert?

SRG-Präsident Jean-Bernard Münch lässt dazu über Kommunikationschef Gurtner bloss ausrichten, er habe gegenüber Dritten keine solche Einschätzung vorgenommen. Eine solche Aussage sei «falsch, und sie entspricht auch nicht der Realität». Gurtner spricht gar von «unhaltbaren Behauptungen», von «Erfindungen» und Spekulationen und betont: «Die Wahl erfolgt im September.» Bloss: die Wahl von wem? Nicht ausgeschlossen ist, dass der amtierende VR-Präsident im September selber noch einmal in die Hosen steigt und eine Ehrenrunde dreht.

Münch wäre bereit, noch einmal anzutreten

Das hat er selber zweimal kommuniziert. Einmal im Mai gegenüber der NZZ. Ein zweites Mal beim FDP-Fraktionsausflug im Juni gegenüber dem «SonntagsBlick». «Wenn wir keinen geeigneten Nachfolger finden, wäre ich bereit, weiterzumachen», sagte er damals. Münch soll offenbar begeistert sein von der Zusammenarbeit mit Generaldirektor Roger de Weck. Dass jetzt Signale kommen, die Kandidaten für die Münch-Nachfolge entsprächen nicht dem gesuchten Profil, überrascht deshalb nicht.

Als möglicher Nachfolger wurde bisher vor allem Viktor Baumeler gehandelt. Er ist SRG-Verwaltungsrat und Präsident der SRG Deutschschweiz. Seine Kandidatur stosse jedoch auf Widerstand, sagen SRG-Insider. Im Verwaltungsrat sässen andere Persönlichkeiten, die dem gewünschten Profil um einiges näher kämen als der frühere Luzerner Staatsschreiber Baumeler. Aber vorerst will keiner von ihnen die Karten offenlegen – auch Münch selber nicht.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.08.2011, 15:16 Uhr

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