«Nie mehr» nach Libyen

Für den Schweizer Ingenieur in Diensten des Technologiekonzerns ABB, Max Göldi, geht mit der Heimreise aus Libyen ein 700 Tage dauernder Albtraum zu Ende. Doch wer ist Göldi überhaupt?

Endlich gehts nach Hause in die Schweiz: Max Göldi in Tripolis.

TSR

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Er werde «nie mehr» nach Libyen reisen, sagte Göldi noch bei der Abreise in Tripolis gegenüber Nachrichtenagenturen. Zusammen mit dem tunesisch-schweizerischen Doppelbürger Rashid Hamdani war er im im Juli 2008 wegen angeblicher Gesetzesverstösse verhaftet worden. Hamdani konnte Ende Februar 2010 ausreisen.

Über die Person des 54-jährigen Max Göldi ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Einblick gaben jüngst seine beiden Brüder Christian und Moritz in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger».

«Mit 50 Jahren fand er, er wolle nochmals einen Schritt ins Ausland wagen. Die ABB unterbreitete ihm verschiedene Angebote. Den Ausschlag für Libyen gab, dass Max die Wärme liebt und dass das Land nur zwei Flugstunden von der Schweiz entfernt liegt. In Libyen war zu jenem Zeitpunkt viel in Bewegung, und die Schweiz und Libyen pflegten gute Beziehungen. Die libysche Staats-Airline flog dreimal wöchentlich nach Genf; die Swiss flog täglich nach Zürich. Alles schien problemlos», so Moritz Göldi.

«Es gefiel ihm sogar gut. Max und seine Frau lebten in einem Vorort von Tripolis. Auch ich hatte einen guten Eindruck, als ich sie mit meiner Frau an Weihnachten 2007 zwei Wochen lang besuchte. Innerhalb der ABB in Libyen, wo Max der einzige Schweizer Staatsangehörige war, herrschte ein gutes Arbeitsklima», sagte Moritz Göldi weiter.

Und dann veränderte ein Tag im Juli 2008 das Leben der ganzen Familie: «An jenem 19. Juli 2008 bekam ich sein E-Mail um 18 Uhr. Um 22 Uhr wurde Max verhaftet», so Moritz.

Die Familie macht den Schweizer Behörden keine Vorwürfe. Die Hochs und Tiefs in der Affäre hatten sie aber stark belastet. «Wir hatten mehrmals sehr grosse Hoffnung. Der absolute Tiefpunkt für uns war es, als Merz alleine aus Tripolis zurückkehrte. Und als wenig später der Bundesrats-Jet nur mit dem Gepäck von Max in der Schweiz landete. Moritz Göldi: Die ganze Familie hatte sich bereits bei mir zu Hause versammelt, weil alle der Meinung waren, Max kehre heim. Wir waren der festen Überzeugung, dass es klappen würde. Auch Max glaubte dies», so Christian Göldi.

Die Brüder glauben, dass Max Göldi die Zeit in Libyen trotz allem einigermassen unbeschadet überstanden hat. «Max ist ein disziplinierter Mensch. Er versucht, eine Struktur in den Tagesablauf zu bringen. Er macht Fitness, liest Bücher, macht Sudoku. Max ist allein in einer Zelle. Er hat täglich Hofgang, aber alleine. Sprechen kann er mit dem Gefängnispersonal. Übrigens möchte er seine Zelle nicht gegen eine andere tauschen. Dass sein Zimmer kein Fenster hat, ist im Land Libyen eher ein Vorteil», so Moritz Göldi.

Nun können sie ihren Bruder noch heute Nacht in ihre Arme schliessen. Für die Familie Göldi geht ein Albtraum zu Ende. (cpm)

Erstellt: 14.06.2010, 01:09 Uhr

Artikel zum Thema

«Seine Ausreise stand kurz bevor»

Zum ersten Mal äussern sich Christian und Moritz Göldi gemeinsam zum Schicksal ihres Bruders. Gleichzeitig verteidigten sie den erfolglosen Besuch von Bundespräsident Hans-Rudolf Merz in Tripolis. Mehr...

Moritz Göldi: «Mutter hatte Tränen in den Augen»

Die Familie des in Libyen inhaftierten Schweizer Geschäftsmanns Max Göldi hat einen eindringlichen Appell an den libyschen Staatschef Muammar Ghadhafi gerichtet. Die Mutter leidet besonders stark. Mehr...

Bruder der Libyen-Geisel tritt erstmals an die Öffentlichkeit

Mit einem Appell an Ghadhafi in der «Rundschau» hofft Moritz Göldi, die Freilassung seines Bruders Max zu erwirken. Diesem gehe es sehr schlecht. Und: Merz leiste gute Arbeit. Mehr...

Dossiers

Blogs

Sweet Home Machen wir es uns doch einfach schöner!

Geldblog Zurich unterstreicht Wachstumsambitionen

Paid Post

Verstehen Sie Ihre Arztrechnungen?

Sie wollen wissen, was genau auf Ihrer Arztrechnung steht? Kein Problem – lassen Sie es sich einfach im Kundenportal des Gesundheitsversicherers Atupri übersetzen.

Die Welt in Bildern

Fast wie auf der Titanic: Ein Liebespaar betrachtet die untergehende Sonne im untergehenden Venedig (17. November 2019).
(Bild: Luca Bruno) Mehr...