Hintergrund

Nuklearexperte teilt gegen Uvek aus

Marcos Buser hat den Filz zwischen Atomaufsicht und Atomwirtschaft angeprangert – und stand sogleich selber wegen Mandaten in der Kritik. Nun schiesst Buser gegen das Departement von Bundesrätin Doris Leuthard.

Kritischer Kopf: Der Geologe Marcos Buser. (Screenshot: Videoportal.sf.tv)

Kritischer Kopf: Der Geologe Marcos Buser. (Screenshot: Videoportal.sf.tv)

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Das Generalsekretariat des Uvek hat am Montag seinen Untersuchungsbericht zu den von Nuklearexperte Marcos Buser vorgebrachten Filzvorwürfen zwischen der Atomaufsichtsbehörde Ensi und der Genossenschaft für die Lagerung der radioaktiven Abfälle (Nagra) publiziert. Darin wird Buser selber eine zu grosse Nähe zum Ensi und der Nagra vorgeworfen: Er habe von diesen diverse Mandate erhalten und ausgeführt. Dies hält das Departement Leuthards für problematisch, weil Buser der Kommission für Nukleare Sicherheit (KNS) angehört, die den Bundesrat in nuklearen Fragen berät.

Der Geologe weist diese Vorwürfe aber entschieden zurück: In einer Stellungnahme, die er Tagesanzeiger.ch/Newsnet zukommen liess, wirft Buser dem Uvek vor, es habe Angaben über die Bezüge seines Büros «verzerrt oder falsch» wiedergegeben. Er wehre sich in aller Schärfe gegen die darin vorkommenden Unterstellungen. Er hält zudem Vorwürfe zu seinen Mandaten für «deplatziert». Uvek, Ensi und Nagra sowie das Bundesamt für Energie (BFE) hätten «immer von meinem Mandat als Präsident der Überwachungskommission des internationalen Labors Mont Terri, das ich seit Dezember 2000 innehabe, gewusst», schreibt Buser.

Aufträge des BFE nach der Wahl in die KNS

Weiter heisst es in Busers Stellungnahme: «Allein in diesem Zusammenhang – und in Kenntnis der zuständigen Behörden und des Laborbetreibers – wurden der Nagra in sehr beschränktem Umfang Führungen verrechnet.» Dieses sich am Verursacherprinzip orientierende Modell gelte auch für den Betrieb des Besucherzentrums, das von Swisstopo, Ensi und Nagra gemeinsam geführt wird. Dieser Sachverhalt sei bisher auch von niemandem beanstandet worden. Das Uvek wie auch das BFE hätten ihn 2007 trotz dieser damals bereits etablierten Praxis für die KNS aufgestellt.

Nach seiner Wahl in die Kommission habe ihn das BFE mit der Erstellung der Markierungsstudie 2008–2010 beauftragt. Das Ensi sei 2008 und 2010 an ihn gelangt für die beiden Projekte «Hüten» und «Lagerauslegung». Der Präsident der KNS sei entgegen der Darstellung im Uvek-Bericht zu jeder Zeit über alle diese Mandate informiert gewesen, so Buser. «Es waren also die dem Uvek direkt unterstehenden Behörden, welche mich aufgrund meines Wissens und meiner Erfahrung mit diesen Arbeiten beauftragten.» Diese Praxis habe das Uvek erst jetzt im Rahmen der Untersuchung hinterfragt.

Unabhängigkeit sei durch die Berichte nicht beeinträchtigt gewesen

Er sei wegen dieser Mandate auch keineswegs und zu keinem Zeitpunkt in seiner kritischen Beurteilung des Verhaltens der verschiedenen Akteure der Endlagerungsproblematik beeinträchtigt gewesen. Vielmehr zeige ja gerade die Tatsache, dass er entgegen der eigenen wirtschaftlichen Interessen Missstände anprangere, dass er auch die eigenen Mandanten unabhängig und kritisch beobachte. Buser weist zudem das Uvek darauf hin, dass auch das Büro Interface, das die Untersuchung für den Ensi-Rat durchführte, Mandate für das BFE wie für das Bundesamt für Umwelt, die beide dem Uvek unterstehen, erledigt hätte.

Generell findet der Nuklearexperte, dass es die staatlichen Instanzen in den letzten Jahrzehnten – trotz mancher anders lautender Empfehlung und trotz gesetzlich festgelegter Pflicht – unterlassen hätten, eine unabhängige Forschung und Expertise aufzubauen. Die heutige Personalmisere und die mangelnde Unabhängigkeit im Expertenwesen resultierten im Wesentlichen aus dieser historischen Fehleinschätzung und aus der Passivität und Bequemlichkeit der zuständigen Behörden.

Buser hatte Mandate für über eine halbe Million Franken

Laut Uvek-Bericht hat Buser zwischen 2009 und 2011 rund 573'000 Franken aus seinen Experten- und Gutachtertätigkeiten für die KNS, das Ensi, das Nagra-Felslabor im Mont Terri und in einem Fall für das BFE (Literaturrecherche zur Markierung) bezogen. Dabei habe er nicht sämtliche Mandate offengelegt. Bei der Untersuchung durch das Generalsekretariat des Uvek habe der KNS-Präsident angegeben, dass er nur über einen Teil von Busers Mandaten informiert war. Vom Mandat Ensi-Projekt Lagerauslegung (2010–2012) im Umfang von 20'000 Franken habe er beispielsweise nichts gewusst.

Erstellt: 05.12.2012, 12:37 Uhr

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