Ogi warnte Maurer

Die angekündigte Abschaffung der Patrouille Suisse löste eine Welle der Empörung aus. Dabei wurde Verteidigungsminister Ueli Maurer vor diesem Schritt gewarnt.

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Die vorgesehene Abschaffung der Patrouille Suisse soll im Keim erstickt werden. Dies ist die erklärte Absicht des Berner SVP-Nationalrats Ruedi Joder. Im Gespräch mit der BaZ kündet er für kommende März-Session einen Vor­stoss an, der «mit möglichst vielen Unterschriften von Parlamentariern» den Erhalt der Patrouille Suisse festschreibt. «Ich verstehe das überhaupt nicht», sagt der ehemalige Präsident der Berner SVP zu den Plänen von Bundespräsident Ueli Maurer, die Patrouille Suisse im Jahr 2016 abzuschaffen. Die Kunstflugstaffel sei wichtiger Motivator für alle Piloten der Luftwaffe, sie zeige im In- und Ausland den hohen Ausbildungsstand der Schweizer Piloten und sei Identifikationsmerkmal zwischen Bevölkerung und Armee.

Die erste Unterschrift unter seinem Vorstoss hat Joder auf sicher – jene von SVP-Präsident Toni Brunner. Dieser erklärte gestern auf Anfrage, eine Abschaffung der Patrouille Suisse komme überhaupt nicht infrage. Maurer solle in seinem Departement aus Spargründen lieber 50 Kommunikationsstellen abschaffen als die Patrouille Suisse. Klar wurde gestern auch, dass Verteidigungs­minister Maurer mit seinem Plan, die Patrouille Suisse vom Himmel zu holen, einen guten Rat von Alt-Bundesrat Adolf Ogi in den Wind geschlagen hat.

«Zwei Dinge darfst du nie tun»

Ogi erzählte gestern der BaZ, er habe seinem Nachfolger im VBS, Bundesrat Samuel Schmid, bei der Amtsübergabe seinerzeit gesagt, zwei Dinge dürfe er in der Armee niemals tun: Die Patrouille Suisse abschaffen oder die Patrouille des Glaciers (legendärer Teamwettkampf in den Walliser Alpen). Dasselbe habe er auch Ueli Maurer einmal am Rande einer Veranstaltung empfohlen, als dieser neuer Verteidigungsminister war, sagt Ogi. «Ansonsten nehme ich zu den Aussagen Maurers vor der Sicherheitspolitischen Kommission keine Stellung», so Ogi. «Er muss selber wissen, was er macht.»

Im ersten Moment «etwas geschockt über die Nachricht», Maurer und Armeechef Blattmann planten für 2016 die Abschaffung der Patrouille Suisse, war gestern nach eigenem Bekunden auch Thomas Anklin aus Binningen (BL). Anklin ist Programmchef des einzigen regelmässigen Flugtags der Schweiz, jenem von Dittingen (BL). Dieser Flugtag findet alle zwei Jahre statt. Anklin hofft, dass die Armee seinen im Herbst gestellten Antrag bewilligt, damit die Patrouille Suisse am diesjährigen Flugtag vom 31. August und 1. September ihre Vorführung wird durchführen dürfen.

Luftwaffe in Nordwestschweiz kaum präsent

Für Anklin ist klar: «Die Patrouille Suisse ist der Publikumsmagnet an unserem Flugtag.» Über 20'000 Zuschauer kommen jeweils an die Grossveranstaltung der Segelfluggruppe Dittingen. «Wenn die Patrouille Suisse nicht kommt, haben wir ein Zuschauerprob­lem», sagt Anklin offen. In der Region Nordwestschweiz sei die Luftwaffe sonst kaum präsent, sagt der Organisator – im Gegensatz zu anderen Regionen der Schweiz, wo Kampfjets auch anlässlich von Trainings und Übungen zu beobachten seien. Eine Abschaffung der Patrouille Suisse wäre aus Anklins Sicht deshalb «äusserst bedauerlich». Gleichzeitig zeigt er sich überzeugt, dass in dieser Sache das letzte Wort noch nicht gesprochen sei.

Der Unternehmer blieb mit seiner Sorge um ein baldiges Grounding der Patrouille Suisse gestern beileibe nicht allein. In vielen Onlineforen wurde das Thema heftig diskutiert – zumeist mit entrüsteten bis empörten Kommentaren über die Absichten des Duos Maurer/Blattmann.

Entscheid ist noch nicht definitiv

Angesichts eines regelrechten Entrüstungssturms reagierte gestern die Medienstelle im Verteidigungsdepartement. «Über die Zukunft der Kunstflugstaffel Patrouille Suisse ist im VBS noch nichts entschieden worden», schreibt VBS-Kommunikationschef Peter Minder. Dies widerspricht Maurers Aussage vom Montag vor der Sicherheitspolitischen Kommission, man habe künftig «keine Flugzeuge mehr für Folklore».

Damit lässt Maurer sein Departement in Sachen Patrouille Suisse also zurückrudern. Aber, das VBS sagt auch: «Die Aus­­sage von Bundespräsident Ueli Maurer vor der Sicherheitspolitischen Kommission deutet allerdings an, dass die Zukunft der Patrouille Suisse im VBS durchaus ein Thema ist, wenn auch noch nicht sehr aktuell. Bevor das Geschäft Tiger-Teilersatz und die geplante Beschaffung von 22 Gripen E politisch nicht abgeschlossen ist, kann über den Zeitpunkt der Ausserdienststellung des Typs Tiger F-5 nicht befunden werden.» Bei einem Kauf von 22 Gripen E würden die Tiger vermutlich per 2016 ausser Dienst gestellt, so Minder. Wie lange und unter welchen Bedingungen die ­Tiger der Patrouille Suisse noch eingesetzt werden könnten, sei offen.

Klarheit gab es gestern auch über die Kosten der Kunstflugstaffel. Alle Aktivitäten für die Patrouille Suisse finden im Nebenamt statt. Die Vorführungen gehen zulasten des ordentlichen Flugtrainings. Shows und Trainings verursachen somit keine weiteren Flugkosten. Der effektive zusätzliche Kostenaufwand ist bescheiden und beträgt heute jährlich 160'000 bis 180'000 Franken. (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.02.2013, 09:41 Uhr

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