Oligarch versus Tamedia: Die Chronologie

Monatelang versuchte Abramowitsch, die Berichterstattung über ihn zu verhindern.

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  • 25. Juli 2016 Roman Abramowitsch ersucht im Kanton Wallis um eine Aufenthaltsbewilligung. Er will in den Ferienort Verbier. Das sei im Schweizer Interesse, macht er geltend, weil er viel Steuern bezahlen werde.
  • Abramowitsch wollte ins Wallis nach Verbier ziehen. Foto: Keystone

  • Sommer 2016 Das Wallis erteilt die Zustimmung. Abramowitsch sei ein «sehr interessanter Steuerzahler», erklärt der Kanton später dazu.
  • 24. Oktober 2016 Abramowitschs Gesuch geht weiter an das Staatssekretariat für Migration (SEM) in Bern. Wie üblich bittet das SEM das Bundesamt für Polizei (Fedpol) darum, die Hintergründe des Gesuchstellers abzuklären.
  • 6. Januar 2017 Nach internen Recherchen schreibt das Fedpol ans SEM, es betrachte die Anwesenheit Abramowitschs in der Schweiz als eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit sowie als ein Reputationsrisiko für die Schweiz. Der Russe sei beim Fedpol bekannt wegen des Verdachts auf Geldwäscherei und mutmasslicher Kontakte zu kriminellen Organisationen. Das Fedpol legt jedoch nicht offen, wie es zu diesen Schlüssen gekommen ist.
  • Frühling 2017 Ein Anwalt fragt nach dem Stand des Gesuches. Das SEM antwortet, dass Abramowitsch mit Ablehnung rechnen müsse.

  • Fedpol sieht in Abramowitsch eine Gefahr für die Schweiz Der Vorwurf: Kontakte zu kriminellen Organisationen und Vermögen illegaler Herkunft. Der Russe dementiert vehement. (Abo+)


  • 7. Juni 2017 Abramowitsch zieht sein Aufenthaltsgesuch schriftlich zurück, noch bevor das SEM formell entscheidet.
  • 10. November 2017 Abramowitsch hat inzwischen von der Einschätzung des Fedpol über ihn erfahren. Er schreibt direkt an Fedpol-Chefin Nicoletta della Valle und verlangt, dass die Informationen über ihn korrigiert werden, da sie alle falsch seien. Danach wolle er sein Gesuch reaktivieren.
  • Fedpol-Chefin Nicoletta della Valle. Foto: Christian Pfander

  • 31. Januar 2018 Der Recherchedesk von Tamedia schickt Fragen an Abramowitsch zu seinem Wunsch, ins Wallis zu ziehen, und zur Einschätzung des Fedpol, er sei eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit.
  • 2. Februar 2018, 10.30 Uhr Tamedia wird von einem Schweizer Anwalt kontaktiert, den Abramowitsch eingeschaltet hat, um die Berichterstattung über ihn zu verhindern.
  • 2. Februar 2018, 15.20 Uhr Der Anwalt von Tamedia reicht eine Schutzschrift ein beim Handelsgericht des Kantons Zürich in Erwartung, dass Abramowitsch eine Publikation verbieten lassen will. Zehn Minuten später erscheint Abramowitschs Anwalt tatsächlich beim Handelsgericht und beantragt eine superprovisorische Massnahme.
  • 2. Februar 2018, 19.30 Uhr Das Gericht entscheidet, dass Tamedia vorerst nur über die Umzugsabsicht von Abramowitsch schreiben darf, aber nicht über die brisanten Fedpol-Einschätzungen. Der endgültige Gerichtsentscheid steht noch aus.
  • Sonntag, 4. Februar 2018 Die «SonntagsZeitung», die zu Tamedia gehört, erscheint mit ­geschwärzter Schlagzeile auf ­Seite 1. Sie berichtet über Abramowitschs Umzugspläne – ohne den Hintergrund offenzulegen.
  • 9. Februar 2018 Abramowitsch verlangt vom Handelsgericht, dass ganze Passagen aus der «SonntagsZeitung» nachträglich zensiert werden. Das Gericht antwortet, es sei keine Zensurbehörde. Die Freiheit der Medien gehöre zu den zentralen Ausprägungen der freien Meinungsäusserung. Dies sei in der Schweiz in der Bundesverfassung verankert.
  • 24. April 2018 Das Handelsgericht urteilt in allen Punkten gegen Abramowitsch und erlaubt dem Tamedia-Recherchedesk, über die Hintergründe seines Gesuchs zu schreiben. Die Anwälte des Russen ziehen den Fall sofort weiter ans Bundesgericht.
  • 2. Mai 2018 Unabhängig von Abramowitschs Umzugsplänen beginnt in Freiburg die Gerichtsverhandlung in einem Zivilverfahren. Es geht um Forderungen an jene Firma Runicom, die das Fedpol in Zusammenhang mit einem eingestellten Geldwäschereiverfahren erwähnte. Abramowitsch sagt am 2. Mai in Freiburg aus.
  • 28. Mai 2018 Israelische Medien melden, dass Abramowitsch nach Israel zieht und dort die Staatsbürgerschaft bekommt.
  • 13. Juni 2018 Aussergerichtliche Einigung im Fall Runicom. Die Details bleiben geheim.
  • 21. September 2018 Das Bundesgericht lehnt die Beschwerde von Abramowitschs Anwälten ab. Tamedia darf über die Hintergründe des Falles berichten.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 25.09.2018, 07:02 Uhr

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