Online-Verleumdungen nehmen rasant zu

Ein Therapeut beschimpft die Konkurrenz online, bis die Justiz einschreitet. Diese befasst sich immer häufiger mit Ehrverletzungen und Verleumdungen im Internet.

Ob Private gegen Private, Private gegen Firmen oder Firmen gegen Firmen – die Beschimpfungen per Mausklick nehmen rasant zu.  Foto: Keystone

Ob Private gegen Private, Private gegen Firmen oder Firmen gegen Firmen – die Beschimpfungen per Mausklick nehmen rasant zu. Foto: Keystone

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Zwischen L.*, einem Physiotherapeuten mit eigener Praxis im Kanton Schwyz, und zwei Osteopathen in Italien läuft seit geraumer Zeit ein erbitterter Streit um Behandlungsmethoden bei Problemen mit der oberen Wirbelsäule. Ausgetragen wird der Streit auf Websites, in Blogs und via soziale Medien. Nun befasst sich auch die Justiz mit dem Fall. Die Staatsanwaltschaft Höfe Einsiedeln hat L. per Strafbefehl wegen mehrfacher übler Nachrede zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagen verurteilt.

Mit seinen italienischsprachigen Internetbeiträgen habe der – aus Italien stammende – Physiotherapeut den Ruf der beiden Konkurrenten verletzt oder zumindest in Kauf genommen, deren Ruf zu verletzen, heisst es im Strafbefehl, der dem TA vorliegt. Über T., einen Osteopathen im süditalienischen Latina, schrieb L. laut Strafbefehl, er sei «weder Arzt noch Osteopath und habe seinen Schulabschluss gekauft». Den anderen Konkurrenten bezeichnete er unter anderem als «Kriminellen», der Patienten sexuell missbraucht habe. Zwar habe L. einen Teil der Vorwürfe auf Antrag von T.s Anwalt gelöscht, aber «eine gesamte Aufhebung der Vorwürfe» habe er verweigert, schreibt die Staatsanwaltschaft im Strafbefehl weiter.

T. spricht gegenüber dem TA von einem «Cyber Crime». Ihn stört besonders, dass L. seine mutmasslichen Verleumdungen in Foren platziert hat, die primär in Italien verbreitet seien. Der «Dottore» aus Latina ist daher froh über den Strafbefehl. Allerdings ist dieser noch nicht rechtskräftig, weil ihn L. anficht. Er ist sich sicher, unbescholten aus der Sache hervorzugehen. Inhaltlich seien die Vorwürfe falsch, sagt er gegenüber dem TA. Zudem seien die angeklagten Vergehen verjährt, weil die beiden Kläger ihre Anzeige zu spät eingereicht hätten. Ob und wann es in diesem Fall zu einer Gerichtsverhandlung kommt, ist offen. Für L. gilt daher die Unschulds­vermutung.

Verhängnisvolle Anonymität

Unabhängig davon, wie dieser Fall ausgeht, illustriert er ein Phänomen, das schnell an Bedeutung gewinnt: Verleumdung und Ehrverletzungen via Internet. Ob Private gegen Private, Private gegen Firmen oder Firmen gegen Firmen – die Beschimpfungen per Mausklick nehmen rasant zu. Bei Kobik, der Schweizerischen Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität, nehmen solche Vergehen zwar nur einen geringen Stellenwert ein. Von den knapp 8000 Meldungen mit strafrechtlicher Relevanz, welche die Kobik 2013 erhielt, betraf lediglich 1 Prozent sogenannt strafbare Handlungen gegen die Ehre. In den vergangenen Jahren lag deren Anteil am gesamten Meldeeingang zwischen 0,4 und 2 Prozent. Ein Blick auf die Straftatenstatistik des Bundes zeigt jedoch, dass die Zahl der Verurteilungen wegen Ehrverletzung und Verleumdung im gleichen Zeitraum um 53 Prozent auf 2514 zugenommen hat.

Wie viel davon Vergehen im Internet betreffen, weist die Statistik nicht aus. Für Experten ist jedoch klar, dass das Netz eine massgebliche Rolle für diese Zunahme spielt. Die Zahl der Rechtsverletzungen im Internet sei «in den letzten paar Jahren exponentiell gestiegen», sagte der Medienrechtler Adrian Bachmann kürzlich in der «NZZ am Sonntag». Die vermeintliche Anonymität des Netzes animiere «zahllose Nutzer, ihre Meinungen und Ideen unausgegoren im Netz zu verbreiten, ohne sich über allfällige Konsequenzen Gedanken zu machen», sagt Bachmann weiter. Andere Medienrechtler und mehrere Staatsanwälte bestätigten diesen Sachverhalt.

* Namen sind der Redaktion bekannt

Erstellt: 24.06.2014, 07:00 Uhr

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