Otto Ineichen ist tot – Bestürzung in Bundesbern

Der FDP-Politiker und Unternehmer Otto Ineichen ist heute Morgen überraschend an einem Herzversagen gestorben. Er brach auf der Strasse zusammen. Parlamentarier reagieren fassungslos.

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Otto Ineichen ist tot. Der Luzerner Unternehmer – der Gründer der Ladenkette Otto's – und FDP-Nationalrat ist zwei Tage vor seinem 71. Geburtstag gestorben. Ineichen war verheiratet und Vater von vier Kindern. Wie die PR-Agentur Apimedia im Auftrag der Geschäftsleitung der Otto's AG am frühen Nachmittag mitteilte, ist er in seinem Heimatort Sursee an einem Herzversagen gestorben.

Laut der Luzerner Staatsanwaltschaft ist der Politiker kurz nach 8 Uhr auf einer Strasse in Sursee zusammengebrochen. Mitarbeiter eines nahe gelegenen Büros verständigten den Rettungsdienst. Ineichen sei nach Reanimationsversuchen vor Ort gestorben, sagte Simon Kopp von der Luzerner Staatsanwaltschaft. Die Staatsanwaltschaft untersucht den Todesfall – das ist in solchen Fällen üblich.

Der Luzerner FDP-Nationalrat Albert Vitali erläuterte zudem, dass Ineichen in der ersten Sessionswoche gefehlt habe, weil er wegen Herzbeschwerden in den Spital musste. Ineichen habe ihm gesagt, dass es sich um reine Routineuntersuchungen gehandelt habe, so Vitali. Am ersten Sessionstag der zweiten Woche habe Ineichen schliesslich wieder an den Ratssitzungen teilgenommen.

Debatte für Trauerminute unterbrochen

«Mit Otto Ineichen verlieren wir eine charismatische und liebenswürdige Persönlichkeit, die sich als Unternehmer und Politiker sein Leben lang mit Herzblut für sozial schwächere Mitmenschen eingesetzt hat», lässt sich die Otto's-Geschäftsleitung zitieren.

In der laufenden Session unterbrach Nationalratspräsident Hansjörg Walter um 12.20 Uhr die Debatte im Parlament, um die Nachricht zu verkünden. Eine Würdigung erfolge zu einem späteren Zeitpunkt, sagte Walter. Ineichens Ratskollegen erhoben sich für eine Trauerminute.

Vielseitiges Engagement

Ineichen gehörte dem Nationalrat seit September 2003 an, wo er in der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Forschung war. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er bekannt durch sein Engagement für Jugendliche, die eine Lehrstelle suchen. Er ist Gründer der Organisation Speranza, die Firmen dazu animiert, Ausbildungsplätze für junge Menschen anzubieten. Der Unternehmer setzte sich insbesondere auch für das duale Bildungssystem mit seiner charakteristischen Praxisnähe ein.

Für dieses Engagement wurde er mehrfach ausgezeichnet. So erhielt er von der Jugendsession den Prix Jeunesse 2009. Ein Jahr später wurde der Vater von vier Söhnen zum Politiker des Jahres gewählt.

«Bestürzung und Trauer»

«Mit Bestürzung und Trauer» hat die FDP heute Mittag vom Tod ihres Nationalrats erfahren. Wo und wie Ineichen gestorben ist, konnte FDP-Sprecher Noé Blancpain noch nicht sagen.

Der Luzerner Nationalrat habe sich in den vergangenen Jahren mit «riesigem persönlichem Einsatz» für die Menschen in der Schweiz eingesetzt, teilte die FDP mit. Die Partei werde sich mit grossem Dank und Respekt an diesen liebenswerten Menschen erinnern.

Fraktionsausflug wird trotzdem durchgeführt

FDP-Fraktionspräsidentin Gabi Huber zeigte sich bestürzt über den Tod von Nationalrat Otto Ineichen. Die FDP verliere nicht nur einen engagierten Politiker, sagte Nationalrätin Huber (UR). Sie selber verliere auch einen guten Freund.

Weiter kündigte Huber an, dass die FDP am Fraktionsausflug von heute Nachmittag festhalte. Geplant ist unter anderem ein Besuch eines der vielen Projekte des Luzerner Unternehmers Ineichen.

Besuchen will die FDP-Fraktion das «Energieprojekt Surental». Es wäre im Sinne Ineichens, den Besuch durchzuführen, sagte Gabi Huber. Zu den Umständen des Todesfalls wollte sie sich nicht äussern. FDP-Nationalrätin Christa Markwalder teilte per Twitter mit, dass die FDP einen guten Verbündeten und treuen Freund verliere.

Ineichen fing mit einer Firmenpleite an

Ineichen wurde 1941 in Sursee geboren. Nach dem HSG-Studium gründete er mit seinem Bruder Ruedi die in der Fleischwarenbranche tätige Viaca AG in Geuensee. 1977 stand die Firma vor dem Aus und musste zum Nulltarif veräussert werden. Otto Ineichen verlor sein gesamtes Vermögen.

In einem Interview mit der Frauenzeitschrift Annabelle erinnerte er sich daran als «etwas vom Schlimmsten, was mir passieren konnte»: «Ich musste meine fünfköpfige Familie mit 500 Franken im Monat durchbringen. Meine Frau, damals mit dem letzten Sohn schwanger, kaufte am Samstag kurz vor Ladenschluss die Lebensmittel zum halben Preis ein. Wir assen monatelang Käseküchlein aus einer Liquidation.»

Aus dem Schadenposten wurde der Warenposten

Seine Chance erkannte der findige Jungunternehmer, als im Sommer 1978 durch ein Unwetter im Tessin die Waren eines Einkaufszentrums stark beschädigt wurden – er kaufte sämtliche Warenbestände auf. Der Grundstein für «Otto's Schadenposten» war gelegt.

Aus dem «Schadenposten» entstand schliesslich ein Unternehmen mit Postenartikeln aller Art. 1985 wurde aus dem Unternehmen «Otto's Warenposten». Seit 1999 tritt das Unternehmen unter dem Namen «Otto's» auf. Im Jahr 2001 übergab Ineichen die Leitung des Unternehmens seinem Sohn Mark. Das Unternehmen mit Filialen in der ganzen Schweiz beschäftigt heute 1700 Mitarbeiter. (rbi/sda)

Erstellt: 06.06.2012, 15:45 Uhr

Peter Schilliger könnte für Ineichen nachrutschen

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Luzerner FDP- Politiker Peter Schilliger die Nachfolge des heute verstorbenen FDP-Nationalrats Otto Ineichen antreten. Schilliger hatte bei den letzten Nationalratswahlen hinter Ineichen sowie Albert Vitali auf dem ersten Ersatzplatz abgeschnitten.

Er werde mit grosser Wahrscheinlichkeit das Amt antreten, sagte Schilliger auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Er wolle sich im Moment aber zu dem Thema nicht weiter äussern.

Klar ist bereits, dass Schilliger die Nachfolge von Otto Ineichen erst in der Herbstsession antreten kann. Entscheidet sich Schilliger nämlich für den Nationalratssitz, muss zuerst die Luzerner Kantonsregierung die Rechtmässigkeit seiner Wahl feststellen und dies den eidgenössischen Räten mitteilen. Auch müssen die Parlamentsdienste prüfen, ob bei Schilliger keine Unvereinbarkeit mit einem anderen Amt besteht.(sda)

Nur wenige Parlamentarier sterben im Amt

Es kommt relativ selten vor, dass eidgenössische Parlamentarier im Amt sterben wie der freisinnige Nationalrat Otto Ineichen. Die Parlaments-Website führt acht Politiker auf, die in den letzten zehn Jahren während ihrer Amtszeit verstarben.

So starb der Solothurner SP-National- und Ständerat Ernst Leuenberger am 30. Juni 2009 64-jährig in seinem 26. Amtsjahr.

Die Freiburger SP-Ständerätin Liliane Chappuis verschied am 25. Juni 2007 52-jährig in ihrem 8. Amtsjahr.

Die Schwyzer SP-Nationalrätin Josy Gyr-Steiner starb am 18. April 2007 nach über dreijähriger Amtszeit. Wegen ihrer Krebserkrankung hatte sie wenige Tage zuvor ihren Rücktritt eingereicht.

Der Berner FDP-Nationalrat Kurt Wasserfallen verstarb am 2. Dezember 2006 59-jährig in seinem 7. Amtsjahr.

Christian Speck, Aargauer SVP-Nationalrat, verschied am 5. Mai 2005 68-jährig in seinem 10. Amtsjahr.

Einen Tag später verstarb Jost Gross, Thurgauer SP-Nationalrat, 59-jährig, bei einem Parlamentarier-Fussballturnier in Deutschland. Er stand ebenfalls im 10. Amtsjahr.

Der Luzerner CVP-Nationalrat Heinrich Estermann starb am 22. März 2003 55-jährig in seinem vierten Amtsjahr.

Rico Wenger, Schaffhauser SVP-Ständerat, verstarb am 10. Juni 2002 58-jährig in seinem dritten Amtsjahr. (sda)

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