Ozon: Die Schattenseite der Sonne

Mit den Temperaturen sind in den letzten Wochen auch die Ozonwerte gestiegen. Im Kanton Bern wurde der Grenzwert fast täglich überschritten. Empfindliche Personen spüren das in Augen, Nase und Hals oder beim Atmen.

Sonniges und windstilles Wetter lässt die Ozonbelastung in der Luft ansteigen. Die Grenzwerte wurden in den letzten Tagen deutlich überschritten.

Sonniges und windstilles Wetter lässt die Ozonbelastung in der Luft ansteigen. Die Grenzwerte wurden in den letzten Tagen deutlich überschritten. Bild: Keystone

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Gestern Nachmittag lagen die Ozonwerte bei fast allen Messstationen des Kantons Bern über dem Grenzwert. Soll die Luft sauber bleiben, darf der Grenzwert von 120 Mikrogramm pro Kubikmeter nur einmal jährlich überschritten werden. In den letzten zwei Wochen lag jedoch fast täglich mehr Ozon in der Luft, in der Stadt Bern waren es sogar einmal 168 Mikrogramm, in Langenthal 189. Empfindliche Menschen spüren das Ozon ab Werten zwischen 120 und 180 Mikrogramm pro Kubikmeter, das Gas reizt Augen, Nase und Hals und belastet die Atemwege. Bei einem Ozonwert von 240 Mikrogramm reduziere sich die Lungenfunktion vorübergehend um durchschnittlich 15 Prozent, teilt das Bundesamt für Umwelt (Bafu) mit.

Land stärker belastet

Ozon bildet sich bei Sonnenlicht aus Schadstoffen, die im Verkehr, in Industrie und Haushalten entstehen. Auf dem Land werden höhere Ozonwerte gemessen, obwohl die Schadstoffe eher in Städten gebildet werden. Hans-Peter Tschirren vom Immissionsschutz der Berner Wirtschaft Beco bestätigt: «Die stärksten Belastungen messen wir in Etzelkofen und Zimmerwald, nicht in Bern.» In der Stadt werde das Ozon durch andere Schadstoffe über Nacht abgebaut. Auf dem Land werde dieser Abbau verhindert, weil die Landluft von solch anderen Schadstoffen verschont bleibe.

Die Alarmschwelle beim Ozon liegt bei 240 Mikrogramm pro Kubikmeter während drei aufeinanderfolgenden Stunden und ohne Aussicht auf Änderung. Von solchen Werten sind das Tessin und Südgraubünden am ehesten bedroht. Die Schwelle wurde in diesem Jahr bisher aber nicht erreicht. Die betroffenen Kantone könnten dann das Tempo auf Strassen und Autobahnen reduzieren.

Belastung gleich geblieben

Doch der Nutzen von Temporeduktionen, die geografisch beschränkt sind und erst ergriffen werden, wenn schon zu viele Schadstoffe in der Luft sind, ist bescheiden. Angepeilt werden deshalb dauerhaft wirksame Massnahmen: Die Luft soll weniger Schadstoffe enthalten. Gemäss Bafu wurde schon viel getan: In der Schweiz wurden die Stickoxid-Emissionen etwa dank schadstoffarmer Fahrzeuge seit 1985 halbiert und die Emissionen von flüchtigen organischen Verbindungen etwa dank lösemittelarmer Spraydosen auf einen Drittel reduziert. Das hat zwar die Luftbelastung allgemein reduziert, beim Ozon bisher aber wenig genützt. «Die Ozon-Gesamtbelastung ist in den letzten zehn Jahren etwa gleich geblieben, obwohl die Spitzenwerte leicht zurückgegangen sind», sagt Richard Ballaman, Chef der Sektion Luftqualität beim Bafu. Dafür verantwortlich sind auch die gestiegenen Temperaturen. So wurden im Hitzesommer 2003 Ozon-Rekordwerte gemessen. Ob dieser Sommer vergleichbar wird mit jenem von 2003, lässt sich gemäss Ballaman jetzt noch nicht abschätzen.

Sport am Morgen

Das Bundesamt für Umwelt empfiehlt Personen, die auf Ozon empfindlich reagieren, körperliche Anstrengungen auf den Vormittag zu verschieben. Am Morgen sind die Werte tiefer, ab Mittag bis zum Abend steigt die Belastung. Entlastend wirkten in Bern gestern Abend auch der Wind und das Gewitter. Sie haben die Ozonwerte gesenkt.

Erstellt: 13.07.2010, 12:46 Uhr

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