PET-Verwerter fürchten die grosse Nachfrage

Ausländische Einkäufer erwerben Schweizer Recycling-PET ab Platz. Der Inlandpreis für den Rohstoff könnte bald steigen.

Jede exportierte Tonne PET fehlt im Schweizer Recyclingsystem: Ein Arbeiter am Fliessband mit PET-Flaschen.

Jede exportierte Tonne PET fehlt im Schweizer Recyclingsystem: Ein Arbeiter am Fliessband mit PET-Flaschen. Bild: Keystone

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Jean-Claude Würmli, stellvertretender Geschäftsführer von PET-Recycling Schweiz (PRS), ist über die Entwicklung alles andere als erfreut: Im Ausland steigt die Nachfrage nach dem Rohstoff PET beständig und treibt die Preise nach oben. PET als Rohstoff wird für immer mehr Dinge verwendet. Er lässt sich längst nicht nur wieder zu Flaschen, sondern auch zu Textilfasern verarbeiten, die dann in der Kleiderindustrie gebraucht werden. PET-Zwirne gelten als formbeständig, knitterfrei und reissfest.

Vor allem im asiatischen Raum sei die Nachfrage regelrecht explodiert, so Würmli. Während in der Schweiz pro Tonne PET bis 300 Franken bezahlt werden, ist für die gleiche Menge im Ausland bis zu 50 Prozent mehr zu verdienen. Mittlerweile haben sich in verschiedenen Regionen in der Schweiz, so im Tessin und der Innerschweiz, professionelle Einkaufsleiter niedergelassen, die für ausländische Firmen Schweizer PET aufkaufen, mit Konsequenzen für die Schweiz: Aus Sicht von PRS fehlt jede Tonne exportiertes PET im Schweizer Recyclingsystem. Wenn zu grosse Mengen über die Grenze geschafft werden, gerät das System aus dem Gleichgewicht. Die Produzenten müssen teures Neu-PET einkaufen und können den Flaschen, die heute bis zu 35 Prozent des umweltfreundlichen Recyclingmaterials enthalten, nicht den notwendigen Anteil wiederverwertetes Material beimischen.

Verschärfte Kontrollen

Besonders ärgern Würmli jene PET-Sammler, darunter Altstoffhändler, die von der von PRS zur Verfügung gestellten Infrastruktur (Sammelboxen, Säcke, Informationsmaterial) profitieren, aber ihr Sammel-PET trotzdem ins Ausland exportieren. Das sei vergleichsweise einfach, so Würmli. Stehe ein Ballen gebrauchter PET-Flaschen da, könne dieser auf einen Lastwagen verladen, abtransportiert und in einem Meerhafen verschifft werden. Entdeckt PRS solche Fälle, suche man mit den Betroffenen immer häufiger das Gespräch, so Würmli.

Von einem Schwarzmarkt mag beim Bafu niemand reden. Trotzdem will der Bund heute genauer wissen, wohin das PET geht und ob die gesetzlich vorgeschriebene Mitteilungspflicht eingehalten wird. Bei Stichproben am Zoll stellten Beamte wiederholt fest, dass Meldungen entweder nicht vollständig oder gar nicht gemacht wurden.

Exporteure fliegen auf

Isabelle Baudin vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) sagt: «Wir haben im letzten und in diesem Jahr die Kontrollen verschärft.» Bezüglich der Mitteilungspflicht habe sich einiges verbessert. Noch gebe es aber keine erhärteten Daten über den Export von Abfall-PET. Bussen kann der Bund in Fällen von Missachtung der Mitteilungspflicht keine verhängen. Dem Bafu geht es in erster Linie darum, dafür zu sorgen, dass die Sammelquote nicht unter 75 Prozent fällt. Würde die Mindestquote unterschritten, könnte der Bund auf PET-Flaschen ein Pfand einführen. Aktuell bezahlen Konsumenten pro Flasche automatisch 1,8 Rappen Abgabe. In den vergangenen sechs Jahren schwankte die Sammelquote zwischen 78 und 81 Prozent, was einer Menge von 33'000 bis 37'000 Tonnen entspricht. 2010 lag die Verwertungsquote bei 80 Prozent (36'637 Tonnen) und damit deutlich über der Zielvorgabe.

Bei PRS, das als Verein organisiert ist, will man auf den Druck aus dem Ausland nun reagieren. Jean-Claude Würmli geht davon aus, dass im Schweizer PET-Recyclingsystem die Kosten gesenkt werden müssen, um mehr Geld pro Tonne gesammeltes PET bezahlen zu können. Er sagt: «Den meisten Exporteuren kommen wir auf die Schliche. In der Regel lässt sich eine Lösung finden.» Man habe die Situation jedenfalls unter Kontrolle.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.07.2012, 07:04 Uhr

«PET-Verkauf ins Ausland ist unsozial»: Jean-Claude Würmli von PET-Schweiz Recycling. (Video: Jan Derrer)

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