Palästina-Aktivisten in der Schweiz am Abflug gehindert

Israel verweigert Einreise: Wie in anderen europäischen Städten durften heute in Basel und Genf einige Mitglieder von «Willkommen in Palästina» nicht abfliegen. Es kam zu einem Sitzstreik.

Israel erwartet 20 Flüge mit Aktivisten aus Europa und verweigert einigen die Einreise: Sitzstreik am Brüsseler Flughafen Zaventem. (15. April 2012)

Israel erwartet 20 Flüge mit Aktivisten aus Europa und verweigert einigen die Einreise: Sitzstreik am Brüsseler Flughafen Zaventem. (15. April 2012) Bild: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Israel hat mindestens 50 aus der Schweiz kommenden Palästina-Aktivisten die Einreise verweigert. Diese konnten heute Sonntag weder in Genf noch in Basel oder Zürich ihre nach Tel Aviv gebuchten Flüge antreten. Ihre Namen standen auf einer Schwarzen Liste Israels.

In Genf wurden 28 Aktivisten, die ein Ticket für den Easyjet-Flug am Sonntagmorgen nach Tel Aviv gekauft hatten, am Einstieg ins Flugzeug gehindert, wie ein Sprecher der Kantonspolizei der Nachrichtenagentur sda sagte. Die Betroffenen und Sympatisanten hätten darauf friedlich dagegen protestiert. Eine Person sei kurz vernommen worden, habe dann aber wieder zu ihren Mitstreitern zurückkehren können, sagte der Sprecher zu Angaben von Aktivisten, jemand sei festgenommen worden.

Sit-in vor Schaltern

Die Demonstration habe sich im Laufe des Morgens aufgelöst. Eine Sprecherin des Flughafens Genf erklärte, die abgewiesenen Passagiere hätten vor den Schaltern ein Sit-in veranstaltet.

Nach Angaben von Aktivisten waren rund 30 von ihnen bereits beim Check-in am Flughafen zurückgehalten worden; weitere zehn seien nach dem Einchecken abgefangen worden. Wie der Sprecher der Initiative «Willkommen in Palästina», Anas Muhamed, der Nachrichtenagentur AFP sagte, gelangten aber 20 an Bord.

Protest auch in Basel

In Basel waren es gemäss Flughafensprecherin Vivienne Gaskell 21 Aktivisten, die zurückgehalten wurden. Es sei zu einer kleinen Protestaktion im Flughafen ohne Zwischenfälle gekommen.

Vom Flughafen Zürich, wo sich ebenfalls Aktivisten angemeldet hatten, wurden keine Vorkommnisse gemeldet. Weder der Flughafen, noch die Fluggesellschaft Swiss oder die Kantonspolizei bemerkten Zwischenfälle.

Airlines verpflichtet

Gemäss Swiss-Sprecherin Sonja Passek konnten die meisten Passagiere bereits vorher über die Einreisesperre informiert werden. Die Restlichen seien am Flughafen informiert worden. Wie viele betroffen waren, wollte sie nicht sagen. Fluggesellschaften sind gemäss der Swiss verpflichtet, Passagiere ohne Einreiserlaubnis für ein Land nicht an Bord ihrer Maschinen zu lassen.

Airlines müssten die Kosten von Rückflügen von solchen Personen selbst tragen, ausserdem drohte Israel den Gesellschaften mit Sanktionen. Auch in Paris, Brüssel oder Rom wurden Passagiere, die nach Israel reisen wollten, abgewiesen

Passagiere in Israel in Abschiebehaft

In Tel Aviv wurden vier aus der Schweiz eingereiste Französinnen festgenommen, wie die israelische Polizei erklärte. Sie seien nach einer Befragung in Abschiebehaft genommen worden, berichtete die Nachrichtenagentur AFP.

Insgesamt seien bislang neun Aktivisten am internationalen Flughafen Ben Gurion in Gewahrsam genommen worden. Die israelische Regierung hatte bereits im Vorfeld angekündigt, alle umgehend wieder auszuschaffen.

Insgesamt erwartete Israel im Laufe des Sonntags etwa 20 Flüge aus Europa, auf denen etwa 1500 Palästina-Aktivisten Flüge gebucht hatten. Wie das israelische Radio gemäss der Nachrichtenagentur dpa berichtete, waren deswegen etwa 650 Polizisten im Einsatz.

Für Bewegungsfreiheit

Wie bereits 2010 und 2011 wollten die Teilnehmer von «Willkommen in Palästina» von Israel aus in das Westjordanland weiterreisen. Ziel ist es, auf die Beschränkungen der Bewegungsfreiheit der Palästinenser aufmerksam zu machen. Im vergangenen Jahr hatten etwa 100 Menschen trotz der Hürden das Westjordanland erreicht. (rub/sda)

Erstellt: 15.04.2012, 15:53 Uhr

Artikel zum Thema

Grass vergleicht israelische Regierung mit der Stasi

Günter Grass reagiert erstmals auf das gegen ihn verhängte Einreiseverbot in Israel. Der Schriftsteller wirft dabei mit deutlichen Worten um sich. Mehr...

«Das Gedicht reiht sich in die Tradition der vorösterlichen Polemik gegen Juden ein»

Interview Judaistik-Professor René Bloch kritisiert das Grass-Gedicht – es verdrehe die historischen Fakten, und auch der Zeitpunkt der Veröffentlichung irritiere. Fundierte Israel-Kritik sei hingegen zu begrüssen. Mehr...

Einigung auf Uneinigkeit

Bei ihrem Treffen in Washington demonstrierten Obama und Netanyahu zwar Einigkeit, einen gemeinsamen Nenner in der Iran-Frage fanden sie aber nicht: Die Geduld Israels scheint am Ende. Mehr...

Blog

Blogs

Michèle & Friends 4 Tipps für Fitness mit 40

Geldblog Steuern optimieren und die Rendite steigern

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Gross ist die Hoffnung: In Kashmir sucht ein indisches Mädchen am letzten Tag von Navratri, einem der wichtigsten Feste im Hinduismus, nach versenkten Münzen. (17. Oktober 2018)
(Bild: EPA/Jaipal Singh) Mehr...