Papa Moll in Kasachstan

Der SVP-Politiker Christian Miesch ist die Hauptfigur in der Kasachstan-Affäre – und kommt ungeschoren davon.

Wurde zweimal aus dem Nationalrat abgewählt: SVP-Politiker Christian Miesch.

Wurde zweimal aus dem Nationalrat abgewählt: SVP-Politiker Christian Miesch. Bild: Kestone

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Waren es 6-mal? 14-mal? Oder doch ­20-mal? Christian Miesch, SVP-National­rat aus Titterten im Oberbaselbiet, hat die Übersicht verloren. «Ich war über 10-mal dort, ganz sicher.» Dort, das ist in Kasachstan. Dort, wo man ihn als «unseren guten Freund» bezeichnet. In den gleichen geleakten Mails des Regimes, die seit gut zwei Wochen FDP-Nationalrätin Christa Markwalder, Lobbyistin Marie-Louise Baumann und die FDP vor gröbere Probleme stellen. Seine Reaktion darauf: «Das ist doch schmeichelhaft!»

Diesen Miesch (67) haut nichts um. Papa Moll hat ihn Natalie Rickli, seine langjährige Banknachbarin im Nationalrat, scherzhaft genannt. Die Bezeichnung gefiel ihm, den Schnauz rasierte er sich trotzdem ab.

Wenn er in die Schlagzeilen geriet, und das war nicht oft der Fall, hatte es meist mit seiner Raucherei zu tun. Miesch als Gast auf dem Raucherbalkon, Miesch und sein erfolgloser Versuch, sich das Rauchen abzugewöhnen, Miesch als letzter Kämpfer für ein Fumoir im Bundeshaus – sein grösster Erfolg als nationaler Parlamentarier.

Und eines der erfreulicheren Ereignisse in seiner Karriere. Zweimal schon wurde der SVP-Politiker aus dem Nationalrat abgewählt. Das erste Mal Mitte der 90er-Jahre, als er für einen Freisinnigen, der er damals war, zu rechts politisierte. Das zweite Mal vor vier Jahren, als Vertreter der SVP. Als der ehemalige SVP-Fraktionschef Caspar Baader vor einem Jahr überraschend zurücktrat, erhielt Miesch seine dritte Chance und durfte nachrücken.

Seinen letzten Bundeshaus-Frühling hat Miesch für exakt einen Vorstoss genutzt. In Absprache mit dem ehemaligen Botschafter Thomas Borer fragte Miesch den Bundesrat, warum Personen, die der Geldwäscherei beschuldigt würden, in der Schweiz Asyl erhielten. «Wäre die Schweiz bereit, Personen wie Wiktor Chrapunow an Kasachstan auszuliefern und ihrer gerechten Strafe zuzuführen?» Das kasachische Regime, das schon lange auf die Auslieferung von Dissident Chrapunow drängt, hätte es nicht besser formulieren können. Schon vor seiner Interpellation war es Miesch gelungen, in der NZZ einen Gastbeitrag zum gleichen Thema zu platzieren (Inputs und Redaktion: Thomas Borer). Und Miesch war natürlich auch dabei, als Marie-Louise Baumann vor einem Jahr nach Kasachstan lud. FDP-Nationalrat Walter Müller, der Miesch begleitete, muss die Kosten für die Reise zurückzahlen. Und Miesch? «Ich war damals nicht im Parlament. Es geht gar niemanden etwas an, wer für diese Reise gezahlt hat.»

Müller gerügt, Baumann aus dem Bundeshaus verbannt, Markwalder, die einen viel harmloseren Kasachstan-Vorstoss eingereicht hatte, von der eigenen Partei fallen gelassen. Nur Miesch geht unbeschadet aus der Affäre hervor. Wie macht er das bloss? Er sei eben glaubwürdig, sagt der SVP-Nationalrat, «ich kenne Kasachstan bereits seit 2004». Damals war er das erste Mal dort, als Wahlbeobachter der OSZE. Vor acht Jahren gründete er die parlamentarische Gruppe Schweiz - Kasachstan, um die Beziehungen zwischen den Ländern zu verbessern. Die aktuelle Affäre könne der Gruppe nichts anhaben, sagt Miesch. Wieso auch.

Er macht weiter wie bisher, bis spätestens im Oktober. Dann ist Schluss im Nationalrat. Wobei: Er könne sich gut vorstellen, zumindest Sekretär der Kasachstan-Gruppe zu bleiben. Wäre doch schade um all die guten Kontakte.

Erstellt: 20.05.2015, 18:51 Uhr

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