Parmelin will doppelt so viele Kampfjets wie Österreich

Österreich reichen 18 Kampfjets, die kleinere Schweiz will 40: Die Luftwaffenpläne der Nachbarländer im Vergleich.

Ein VBS-Sprecher weist darauf hin, dass die Verhältnisse in Österreich nicht ohne weiteres auf die Schweiz übertragbar seien: Bundesrat Guy Parmelin am Fliegerschiessen auf der Axalp. Foto: Christian Merz (Keystone)

Ein VBS-Sprecher weist darauf hin, dass die Verhältnisse in Österreich nicht ohne weiteres auf die Schweiz übertragbar seien: Bundesrat Guy Parmelin am Fliegerschiessen auf der Axalp. Foto: Christian Merz (Keystone)

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Noch hat der Bundesrat nichts entschieden – doch der Streit um die Kampf­jet-Beschaffung der Schweizer Armee ist ­bereits in vollem Gang. 9 Milliarden Franken will Verteidigungsminister Guy Parmelin für die Erneuerung der Luftwaffe ausgeben. Für dieses Geld soll die Schweiz 40 neue Kampfjets und eine ­raketengestützte Luftabwehr erhalten.

Parmelin stützt seinen Antrag auf die Arbeit einer Expertengruppe des Verteidigungsdepartementes (VBS), die verschiedene Szenarien für die Zukunft der Luftverteidigung prüfte. Von linker Seite gibt es jedoch harte Kritik. Parmelins Kampfjetpläne seien überrissen, lautet der Hauptvorwurf.

Dieses Argument wird nun gestützt durch einen Bericht aus Österreich. Wie die Schweiz hat auch Österreich unlängst eine Sonderkommission mit Militärexperten eingesetzt, um die künftige Form und Grösse seiner Luftwaffe zu bestimmen. Nach mehrmonatiger Arbeit kam diese Kommission im Sommer zum Schluss, dass für Österreich eine Luftwaffe mit nur 18 Jets die optimale Lösung ist. Diese Flotte würde genügen, so heisst es im Abschlussbericht, um die uneingeschränkte Einsatzfähigkeit bei Tag und bei Nacht zu gewährleisten und eine hundertprozentige Luftraumüberwachung sicherzustellen.

«Indiz, dass VBS-Projekt überdimensioniert ist»

40 Jets oder 18 Jets: Die unterschied­lichen Schlussfolgerungen der Militär­experten sind gleich aus zwei Gründen brisant. Erstens, weil das österreichische Modell sehr viel günstiger ausfällt. Für den Kauf der neuen Kampfflugzeuge dürfte Österreich rund 3 Milliarden Franken weniger ausgeben als die Schweiz. Auch die langfristigen Unterhaltskosten fallen bei einer kleineren Flotte tiefer aus.

Bemerkenswert sind die divergierenden Befunde zweitens, weil Österreich und die Schweiz viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Bei beiden handelt es sich um neutrale Staaten. Beide haben eine für die Luftverteidigung anforderungsreiche Topografie. Mit einer Fläche von 83'800 Quadratkilometern ist Österreich aber mehr als doppelt so gross wie die Schweiz. Zudem liegt Österreich näher an ­geopolitischen Krisenherden wie etwa der Ukraine. Dennoch will das VBS doppelt so viele Jets kaufen wie das österreichische Bundesheer.

Video – Diese Jets lässt Parmelin testen

Der Bundesrat will bis zu 40 neue Kampfjets für die Schweizer Luftwaffe beschaffen. (Video: Tamedia)

SP-Sicherheitspolitikerin Géraldine Savary, die die 9-Milliarden-Pläne Parmelins schon früher kritisiert hat, sieht sich durch den Bericht der österreichischen Sonderkommission bestätigt. Die Schweiz und Österreich seien bezüglich Gefahrenlage und Grösse sehr ähnlich. «Insofern ist die Einschätzung der österreichischen Experten ein starkes Indiz, dass das Kampfjet-Projekt des VBS überdimensioniert ist.»

Gewappnet für längeren Kampf

SVP-Sicherheitspolitiker und ­Armeepilot Thomas Hurter findet den Vergleich ­problematisch. Nach einer Reihe von Krisen sei die Luftwaffe Österreichs schon heute faktisch am Boden. Zudem würden sich die Verteidigungsaufträge stark unterscheiden. «Die Schweizer Luftwaffe hat die Aufgabe, den Luftraum über einen längeren Zeitraum autonom verteidigen zu können.» Hinzu komme, dass kleine Staaten tendenziell mehr Kampfjets benötigten. Die Reaktionszeit bei einem feindlichen Eindringen in den Luftraum sei viel kürzer.

Beim VBS will man Absichten Österreichs bezüglich der Kampfjet-Beschaffung nicht kommentieren. Ein Sprecher weist aber darauf hin, dass die Verhältnisse nicht ohne weiteres auf die Schweiz übertragbar seien. Zudem bemesse sich die nötige Anzahl Flugzeuge nicht nach dem, was für den normalen Luftpolizeidienst ­nötig sei. Massgeblich sei vielmehr, was zum Schutz des Luftraums in einem Spannungszustand, der über Wochen oder Monate anhalten könne, erforderlich sei.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.10.2017, 22:36 Uhr

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