Patienten fühlen sich durch Sprachbarriere verunsichert

In der Schweiz herrscht akuter Ärztemangel. Werden die Fachkräfte aus dem Ausland rekrutiert, fehlen sie anderswo. Und das ist nicht das einzige Problem. Die Uni Basel ergreift nun Massnahmen.

«Die Schweiz sollte sich mehr Pla?tze leisten ko?nnen»: Die Ausbildung eines Mediziners kostet 800'000 Franken.

«Die Schweiz sollte sich mehr Pla?tze leisten ko?nnen»: Die Ausbildung eines Mediziners kostet 800'000 Franken.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Könnten Sie bitte Hochdeutsch sprechen. Ich verstehe Sie sonst nicht», sagt der Arzt zu den aufgelösten Angehörigen einer schwerkranken Patientin im Universitätsspital Basel. Natürlich können diese Hochdeutsch und sie wechseln auch trotz ihrem Schmerz und der emotionalen Situation die Sprache, doch für sie entspannt sich die Situation dadurch keineswegs. Im Universitätsspital Basel stammt über die Hälfte des Personals aus dem Ausland – rund 40 Prozent aus Deutschland.

Der Mangel an Ärzten aus der Schweiz ist jedoch nicht ganz einsichtig. Schliesslich bewerben sich allein an der Universität Basel jährlich rund 700 angehende Studentinnen und Studenten um einen Ausbildungsplatz an der Medizinischen Fakultät. Lediglich 170 Studierende werden ab dem Studienjahr 2014/2015 in Basel zum Me­dizinstudium zugelassen, vorher waren es 130. «Die Schweiz ist reich und sollte sich mehr Plätze leisten können», sagt Kaspar Traub, Geschäftsführer der Medizinischen Fakultät der Uni Basel.

Dass dies nicht so sei, liege nicht am Geld – rund 800'000 Franken kostet in der Schweiz die Ausbildung eines Mediziners. «Der Grund ist der Kostenschlüssel», sagt Traub. Solange nicht geklärt sei, ob die Universitäten aus bestehenden Mitteln, die Trägerkantone oder der Bund die Mehrkosten übernehmen, müsse man abwarten.

Ein Tropfen auf den heissen Stein

Allerdings ist man sich der prekären Situation bewusst und kann ab dem kommenden Studienjahr immerhin 40 Personen mehr aufnehmen. Dies dank zweckgebundenen Zusatzmitteln der beiden Trägerkantone Basel-Stadt und Baselland. Das ist sozusagen ein erster kleiner Noteingriff am todkranken Patienten. Es reicht zwar bei Weitem nicht, doch Traub muss trotzdem den Medizinhahn zudrehen: «40 zusätzliche Medizinstudenten verträgt es vom Curriculum her gerade noch», sagt er. Wären es 50, müsste man einen Grossteil des Studiengangs doppelt laufen lassen. «Doch solange keine Kostenklarheit herrscht, können wir nicht quantitativ ausbauen und müssen dann die Qualität runterschrauben.» Ausserdem brauche es im Studienablauf eine beträchtliche Anzahl an Ärzten und Patienten, die auch nicht so einfach zur Verfügung stehen würden. Ein grosser Teil der sechsjährigen Ausbildung findet in Klein­gruppen oder am Kranken­bett statt.

Doch grundsätzlich ist auch für Traub klar: «Wir bereichern uns an den anderen Ländern, das stimmt. Ich finde schon, dass wir die Hausaufgaben nicht gemacht haben.» Doch die Fachkräfte würden sich dorthin bewegen, wo sie die besten Konditionen hätten.

Steuern als Grund zum Wechsel

In Deutschland werden seit 2005 die Daten bezüglich der Abwanderung von Ärzten ins Ausland erhoben. So sind im Jahr 2011 insgesamt 3410 ursprünglich in Deutschland tätige Mediziner ins Ausland abgewandert. Und das am meisten in die Schweiz: 2011 waren es 715. Von den 917 Ärzten am Universitätsspital Basel stammen denn auch 349 aus Deutschland.

Allerdings sind die Deutschen an diesem Exodus mitschuldig. Zurzeit diskutiert die Politik einen Spitzensteuersatz von 49 Prozent ab einem Einkommen von 80'000 Euro. Dass damit gezielt die besten Fachkräfte aus Deutschland vertrieben werden, scheint noch nicht in den Köpfen der forschen Politiker angekommen zu sein. Der Exodus der deutschen Ärzte kostet den Staat jedoch Milliarden – und die Bürger die Gesundheitsversorgung.

«Natürlich ist das schmerzhaft»

Wie deutsche Medien jedoch zeigen, ist die Rechnung schnell gemacht: Wenn ein junger Arzt in Deutschland 80'000 Euro im Jahr verdient und davon die Hälfte in Form von Steuern an den Staat abführen soll – was macht dieser junge Arzt, wenn er in der Schweiz etwa 100'000 Franken (83'000 Euro) Einstiegsgehalt bei nur einem Bruchteil der in Deutschland zu zahlenden Steuern angeboten bekommt? Er wechselt in die Schweiz.

Und was sagen die Deutschen zu diesem Exodus? Der Bundestagsabgeordnete Armin Schuster (CDU) vom Wahlkreis Lörrach beobachtet das Geschehen scharf. «Sicher ist es für mich auch schmerzhaft zu sehen, dass Fachkräfte, insbesondere aus Südbaden, in so grosser Zahl in der Schweiz arbeiten», sagt er. Allerdings profitiere die Region stark davon, dass viele Südbadener als Grenzgänger eine gute Stelle in der Schweiz hätten. «Für uns stellt sich dadurch stärker als in anderen Regionen Deutschlands die Aufgabe, neue Fachkräfte auszubilden», sagt er. Allerdings verschweigt Schuster nicht, dass man auch in Deutschland immer mehr darauf angewiesen ist, neue Fachkräfte aus dem Ausland hinzuzugewinnen.

Erstellt: 20.02.2014, 11:09 Uhr

Artikel zum Thema

«Wer genügend Ärzte will, muss genügend Ärzte ausbilden»

Interview FMH-Präsident Jürg Schlup über die Fragen, ob sich nach dem Ja zur Einwanderungsinitiative der Ärztemangel verschärft und ob nun der Numerus clausus fällt. Mehr...

Mit 300 zusätzlichen Ausbildungsplätzen gegen den Ärztemangel

In der Schweiz sollen künftig pro Jahr 1100 ausgebildete Mediziner die Universitäten verlassen. Wer die Mehrkosten von 56 Millionen Franken jährlich tragen soll, ist noch unklar. Mehr...

Kantone wollen Abhängigkeit von deutschen Ärzten verringern

Weil die Schweiz zu wenig Ärzte ausbildet, ist man schon seit Jahren auf ausländische Fachkräfte angewiesen. Das soll sich nun ändern. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Blog

Kommentare

Blogs

Von Kopf bis Fuss So essen Sie sich glücklich
Geldblog Ist der ärgerliche Eigenmietwert am Ende?
Mamablog Alle lieben Babys

Wettbewerb

Wie du spielend Geld sparen kannst

Energy Hero ist das kostenlose Online-Spiel, mit dem du mit etwas Fingerfertigkeit Preise im Wert von insgesamt 30 000 Franken gewinnen kannst.

Die Welt in Bildern

Bitte lächeln: Frankie die Bordeauxdogge stellt sein Löwenkostüm zur Schau. Er nimmt mit seinem Herrchen an der Tompkins Square Halloween Hundeparade in Manhattan teil (20. Oktober 2019).
(Bild: Andrew Kelly) Mehr...