Philipp Müller und das A-Wort

Ein Liberaler sieht rot: Philipp Müller schimpfte einen Topmanager «Arschloch». Der FDP-Chef ist es leid, dass seine Partei immer noch mit Abzockern assoziiert wird.

Zieht alle Register, um seine Partei wieder stärker im Volk zu verankern: FDP-Chef Philipp Müller. (16. März 2012)

Zieht alle Register, um seine Partei wieder stärker im Volk zu verankern: FDP-Chef Philipp Müller. (16. März 2012) Bild: Michael Buholzer/Reuters

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Philipp Müller hat ein weiteres Beispiel für den neuen Wind an der Spitze der Freisinnigen geliefert. Und einige rümpfen bereits die Nase, ob einer Aussage, die der Parteichef am Dienstagabend im Luzerner Hinterland an einer Veranstaltung der FDP Dagmersellen gemacht hat.

Müller erzählte dort von einer kürzlichen Begegnung mit einem Unternehmensführer: «Ich fragte den Manager, ob er wisse, was er mit seinen in den Medien genannten Bezügen von 7,2 Millionen Franken beim Volk anrichte. Er gab mir zur Antwort, es sind nicht 7,2 Millionen, sondern 8,9 Millionen Franken. Diese Arroganz. Ein Arschloch bleibt ein Arschloch.» So stand es danach im «Zofinger Tagblatt».

«Die Schnauze voll»

Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» und dem «SonntagsBlick» steht Müller inhaltlich zu seinen Aussagen, sagt aber, «die Wortwahl war falsch». Wen er mit dem A-Wort bedachte, gibt er nicht preis. Er sei eben ein emotionaler Mensch und ihm sei das «aus der aufgeheizten Situation heraus» passiert, erklärt Müller. Erhitzt hat den Chef der traditionell wirtschaftsfreundlichen FDP der zermürbende Kampf gegen das Abzocker-Image seiner Partei.

Es sei einfach «ungerecht, dass man die Abzockereien immer mit der FDP in Verbindung» bringe, ärgert sich Müller in der «Schweiz am Sonntag». Denn die Freisinnigen hätten «mit diesen Herren nichts zu tun». Die Parteibasis habe «die Schnauze voll von den Exzessen in gewissen Konzernen». «Und ich auch», fügt Müller hinzu.

Trotz Kritik «mit vollem Einsatz» weiter

Nicht allen passt Müllers neuer Stil. Tadel gibt es von Parteikollegin Christine Egerszegi. Solche Worte kämen vielleicht auf einer Baustelle gut an, sagte die Aargauer Ständerätin in Anspielung auf Müllers beruflichen Hintergrund als Bauunternehmer. «Aber in der Öffentlichkeit spricht man einfach nicht so», gibt sie in der «Schweiz am Sonntag» zu bedenken.

Müllers Vorgänger auf dem FDP-Chefsessel, Fulvio Pelli, wundert sich im «SonntagsBlick»: «Ich persönlich benutze solche Ausdrücke nicht.» Dennoch zeigt Pelli Verständnis für die «Frustration», denn «gerade FDP-Politiker haben die Nase voll, immer für die hohen Entschädigungen der Banker schuldlos geradestehen zu müssen». Frustriert sei er deswegen aber nicht, wiegelt Müller in der «Schweiz am Sonntag» ab. Er werde «mit vollem Einsatz» weiter kämpfen. Müller dürfte die Schweizer Politszene also noch mit dem einen oder andern Kraftausdruck aufmischen. (rub)

Erstellt: 14.04.2013, 10:54 Uhr

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