Pisa-Studie: Schweizer Schüler überholen die Finnen

In keinem anderen europäischen Land sind die Schüler besser in Mathe als in der Schweiz. Nur Koreaner, Singapurer und Chinesen schlagen die hiesigen 15-Jährigen.

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510'000 Jugendliche aus 65 Ländern: Die internationale Vergleichsstudie Pisa hat 2012 die Leistungen der 15-Jährigen in den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften getestet. Zum zweiten Mal nach 2003 wurde Mathematik als Schwerpunkt geprüft. Aus der Schweiz nahmen 11'000 Schüler teil. Sie erreichen gemäss EDK-Communiqué ein «hervorragendes Ergebnis». Kein anderes europäisches Land erreicht in Mathematik einen signifikant höheren Mittelwert als die Schweiz. Liechtenstein und die Niederlande weisen als einzige europäische Länder einen vergleichbaren Mittelwert auf. Signifikant besser abgeschnitten haben nur Südkorea, Singapur, Japan sowie mehrere chinesische Regionen. Bereits vor drei Jahren lagen die Schweizer Schüler auf Platz 3, damals noch hinter den Südkoreanern und den Finnen. Hier geht es zur international vergleichenden Rangliste der Schülerkompetenzen in den drei Fachbereichen.

Der Anteil der Schüler mit besten Ergebnissen (Kompetenzniveau 5 und 6) liegt in der Schweiz mit 21 Prozent deutlich höher als der OECD-Durchschnitt (13 Prozent). Und der Anteil der leistungsschwachen Jugendlichen (unter Kompetenzniveau 2) ist mit 12 Prozent deutlich kleiner als das entsprechende Mittel der OECD-Länder (23 Prozent).

Zwischen 2003 und 2012 sind die Mathematikleistungen in der Schweiz stabil geblieben. Dieses konstante Ergebnis wertet die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) positiv, denn deutliche Verbesserungen seien fast ausschliesslich in Ländern zu beobachten, die 2003 auf einem eher tiefen Niveau starteten. Dagegen sind in einigen Ländern, die 2003 gute bis sehr gute Ergebnisse erreichten, 2012 deutliche Negativtrends zu verzeichnen. Dazu zählen etwa Kanada, Belgien oder Finnland. 2012 liegt der Schweizer Mittelwert erstmals signifikant über jenem von Finnland, das bislang als Spitzenreiter galt.

«Diese Konstanz in Mathe ist bemerkenswert», sagte EDK-Präsident Eymann vor den Medien. Das Ergebnis sei aber kein Grund für übertriebenen Jubel, denn das Beispiel Finnland zeige, dass es schnell abwärts gehen könne.

Verbesserung im Lesen

Im Lesen sind die Schweizer Jugendlichen erneut besser als noch vor drei Jahren. Damit liegt sie wie bereits 2009 unter den zwölf besten OECD-Ländern. Beim ersten PISA-Test im Jahr 2000 hatten die Schweizer Jugendlichen bei der Lesefähigkeit relativ schlecht abgeschnitten. Der Umstand, dass damals einer von fünf Jugendlichen kaum einen einfachen Text verstand, löste einen eigentlichen «PISA-Schock» aus.

Heute lesen die Schweizer Schüler im Vergleich mit anderen OECD-Ländern zwar schlechter als etwa ihre Kollegen aus Polen, Australien und Belgien – aber besser als die 15-Jährigen in Deutschland und Frankreich.

Für den neuen Präsidenten der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK), Christoph Eymann, ist der positive Trend beim Lesen «erfreulich». Ein Grund für die kontinuierliche Verbesserung der Lesefähigkeit seit dem ersten PISA-Test im Jahr 2000 sei in der zunehmenden Einwanderung von gut qualifizierten Personen zu suchen, sagte Eymann bei einer Medienkonferenz in Bern. Die Schüler mit Migrationshintergrund der ersten Generation kommen dadurch heute aus sozial privilegierten Haushalten als noch vor zwölf Jahren, wie das Konsortium PISA.ch vor den Medien festhielt.

Der positive Trend zeigt sich vor allem beim Anteil der leistungsschwachen Leser. Dieser ist in den letzten 12 Jahren von 20 Prozent auf 14 Prozent zurückgegangen. Diese Verbesserung lässt sich vorwiegend auf eine Leistungssteigerung der Jugendlichen mit Migrationshintergrund der ersten Generation (im Ausland geboren und Eltern ebenfalls) zurückführen. Diese wiederum hängt mit einer veränderten sozioökonomischen und sprachlichen Zusammensetzung dieser Gruppe zusammen.

Die erste PISA-Studie habe einen starken Impuls gesetzt, sagte der EDK-Generalsekretär Hans Ambühl am Dienstag. Danach seien viele Förderprogramme gestartet worden. Diese hätten zusammen mit der veränderten Zusammensetzung der Schülerschaft zum besseren Abschneiden beim Lesen geführt.

Schlechter in Naturwissenschaften

Bei den Naturwissenschaften schneidet die Schweiz leicht schlechter ab – sie rangiert damit aber immer noch unter den zwölf besten der insgesamt 34 OECD-Mitgliedsstaaten. Finnland, Kanada, Liechtenstein und Deutschland erreichen beispielsweise einen höheren Mittelwert als die Schweizer Jugendlichen, Österreich, Belgien, Frankreich und Italien einen tieferen.

Die Schweizer Knaben erreichen in der Mathematik durchschnittlich einen Wert, der 13 Punkte über jenem der Mädchen liegt. Das ist gemäss EDK ein kleiner Unterschied. Der Geschlechterunterschied in der Mathematik ist in der Schweiz insgesamt etwa gleich gross wie im OECD-Durchschnitt. Im Lesen erreichen die Mädchen hingegen einen höheren Mittelwert als die Knaben. Das lässt sich in allen teilnehmenden Ländern beobachten. In den Naturwissenschaften sind die Leistungen beider Geschlechter vergleichbar.

Spitze: Shanghai, Singapur, Hongkong

Unangefochtene Spitzenreiter im Vergleich der Schüler aus 65 Ländern waren im auch dieses Mal jene aus Asien. Die zu China gehörende Hafenstadt Shanghai, der Stadtstaat Singapur sowie die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong belegten in allen Kategorien die drei ersten Plätze.

Beim nächsten Pisa-Test werde die Schweizer Stichprobe nur noch 6000 Schüler umfassen, kündigte EDK-Präsident Eymann am Dienstag an. Dafür wollen die Erziehungsdirektoren in drei Jahren erstmals die Erreichung der nationalen Bildungsziele mit Stichproben überprüfen. (rbi)

Erstellt: 03.12.2013, 10:59 Uhr

Die Schweiz liegt bei den Mathekompetenzen weltweit auf dem 9. Platz. Beim Klick auf das Bild erscheint die ganze Rangliste. (Bild: OECD)

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