Politische Rochade bei der NZZ

Rainer Stadler, langjähriger Medienjournalist, ist künftig nur noch «Autor».

Lehnte die No-Billag-Initiative im Gegensatz zu seinem Chefredaktor klar ab: Rainer Stadler, hier am Schweizer Medienkongress 2015 in Interlaken. (11. September 2015)

Lehnte die No-Billag-Initiative im Gegensatz zu seinem Chefredaktor klar ab: Rainer Stadler, hier am Schweizer Medienkongress 2015 in Interlaken. (11. September 2015) Bild: Dominic Steinmann/Keystone

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Die NZZ gehört zu den Zeitungen, die noch eine Rubrik «Medien» unterhalten. Jeden Samstag berichtet sie über aktuelle Themen, und wenn gerade nichts los ist, dann beispielsweise über einen Mann aus Syrien, der als Youtuber Karriere macht. Und immer kommentiert Medienredaktor Rainer Stadler (ras.) in seiner Kolumne «In medias ras» das Zeitgeschehen. Nun sei Stadler die Medienseite entzogen worden, ist aus gut informierten Quellen zu erfahren.

Der 60-Jährige, der seit 29 Jahren an der Falkenstrasse arbeitet, ist per Ende Oktober 2018 nicht mehr für Medienthemen verantwortlicher Redaktor, sondern schlicht «Autor». Er werde künftig Kolumnen schreiben, heisst es. Die Medienseite wird ab November vom Ressort Feuilleton bespielt, das von René Scheu geführt wird und dem die Seite seit drei Jahren organisatorisch angegliedert ist. Zuvor gehörte sie dem Inlandressort an.

Unfreiwillige Rochade

Die Rochade erfolgt für Stadler unfreiwillig. Sie ist Teil einer seit Jahren dauernden Veränderung bei der NZZ. Die Zeitung ist politisch nach rechts gerückt, seit Eric Gujer 2015 Chefredaktor wurde. Mitarbeiter berichten von einem kälteren Klima, und sie sind in ihren politischen Positionsbezügen weniger frei. Das zeigte sich etwa 2017 bei der Abstimmung zur Energiestrategie, als Gujer die vereinbarte NZZ-Position, ein verhaltenes Ja, kurz vor der Abstimmung in ein dezidiertes Nein kehrte. Oder es zeigte sich bei der No-Billag-Initiative, für die der Chefredaktor Sympathien hatte, während Medienredaktor Stadler sie klar ablehnte.

Nun gibt Stadler, ein ausgewiesener Medienexperte und Träger des Gesamtwerk-Journalistenpreises von 2008, die Medienseite ab. Die Betroffenen ­sagen nichts dazu. Die NZZ-Sprecherin lässt ausrichten: Es verändere sich nichts, ausser dass Stadler, ein «hochgeschätzter Experte und Autor unseres Hauses, von Produktionsaufgaben entlastet werden kann».

Erstellt: 05.10.2018, 10:27 Uhr

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