Preissenkung bei 500 Medikamenten

Insgesamt 800 Medikamente hat der Bund bezüglich Preis mit anderen Ländern verglichen. Jetzt wird gehandelt – Sparpotential 200 Millionen Franken.

Preise gesenkt. Pillen in der Produktion.

Preise gesenkt. Pillen in der Produktion. Bild: Keystone

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Versicherer und Patienten in der Schweiz müssen für 500 Medikamente künftig weniger bezahlen. Damit kann die obligatorische Krankenpflegeversicherung nach Angaben des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) um mindestens 200 Millionen Franken entlastet werden.

Insgesamt überprüfte das BAG die Preise von 800 Arzneimitteln. Bei rund 500 Medikamenten wurden per (heutigem) 1. November Preissenkungen verfügt, wie das BAG mitteilte. Bei den restlichen 300 Arzneimitteln bleiben die Preise gleich. Sie sind laut BAG im Vergleich zu denjenigen im Ausland oder im Vergleich zu anderen Medikamenten weiterhin wirtschaftlich.

Die Preissenkung bei den rund 500 Medikamenten geht auf eine im April erzielte Einigung zwischen Bund und Pharmaindustrie zurück. Schrittweise sollen etwa 2500 verschiedene Arzneimittel günstiger werden. Bis 2015 sollen dadurch 720 Millionen Franken eingespart werden.

Preissenkungen angefochten

Die Medikamentenpreise hatten zuvor zwischen der Pharmabranche und dem Bund für Streit gesorgt. Auf Vorschlag von Gesundheitsminister Alain Berset hatte der Bundesrat im Frühjahr 2012 ein neues Preismodell für Medikamente beschlossen. Das BAG erliess in der Folge tiefere Preise für rund 450 Medikamente.

Die Pharmabranche wollte die Preissenkung jedoch nicht akzeptieren und legte zahlreiche Beschwerden ein. Im Januar 2013 erteilte das Bundesgericht zwei Beschwerden der Pharmakonzerne Novartis und Roche gegen die Preisfestsetzung von rund 30 Medikamenten aufschiebende Wirkung.

Mitte April einigten sich Berset und die Pharmabranche schliesslich auf einen Kompromiss: Während der Bundesrat die Preissenkungen für 2500 Medikamente durchsetzen konnte, holte die Pharmabranche bei den Verhandlungen die schnellere Zulassung von Arzneimitteln heraus. Die entsprechenden Verordnungen wurden per 1. Juni geändert.

Die Pharmakonzerne zogen daraufhin im Juni ihre Beschwerden gegen die Preissenkungen zurück, wie Sara Käch, Sprecherin des Branchenverbands Interpharma, sagte.

Jährliche Überprüfung

Das BAG überprüft jedes Jahr ein Drittel der Arzneimittel der sogenannten Spezialitätenliste. Dort sind all jene Arzneimittel aufgeführt, die von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) vergütet werden.

Bei den 800 nun überprüften Arzneimitteln wurden laut BAG vor allem deren Preise in der Schweiz mit denjenigen in Dänemark, Deutschland, Niederlande, Grossbritannien, Frankreich und Österreich verglichen. (kle/sda)

Erstellt: 01.11.2013, 11:29 Uhr

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