Privatpatienten warten in der VIP-Lounge auf die Operation

Helsana bietet ab 2014 die erste Privatversicherung für ambulante Spitalbehandlungen an: freie Wahl des Arztes, private Ruhezonen mit WLAN und minimale Wartezeiten am Behandlungstag.

Mit der neuen Zusatzversicherung verkürzt sich sich das Warten auf den gewünschten Spezialisten: Eine Wartehalle im Berner Inselspital.

Mit der neuen Zusatzversicherung verkürzt sich sich das Warten auf den gewünschten Spezialisten: Eine Wartehalle im Berner Inselspital. Bild: Keystone

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Bisher waren bei der ambulanten medizinischen Behandlung alle Versicherten mehr oder weniger gleich. Zusatzversicherungen bezahlten allenfalls ergänzend zur Grundversicherung gewisse Methoden aus der Alternativmedizin oder leisteten höhere Beiträge an Brillengläser. Für die medizinische Versorgung in der Arztpraxis und im Spitalambulatorium gab es jedoch keinen gehobenen Standard.

Doch nun bietet Helsana als erste Versicherung für eintägige Spitalaufenthalte eine privilegierte Behandlung an. Die Zusatzversicherung Primeo gewährt die freie Wahl des Arztes, private Ruhezonen mit WLAN, raschen Zugang zum gewünschten Spezialisten und minimale Wartezeiten am Behandlungstag. Wenn der Arzt nicht in einem Spital nahe dem Wohnort praktiziert, bezahlt Helsana die Reise oder eine Hotelübernachtung. Die Monatsprämie beträgt rund 20 Franken für jene, die bereits eine Spitalzusatzversicherung von Helsana haben. Für andere entspricht die Monatsprämie dem Alter: Ein 50-Jähriger zahlt rund 50 Franken.

Die neue Versicherung, die auf 2014 eingeführt wird, stosse auf reges Interesse, heisst es bei der grössten Schweizer Krankenversicherung. Der Grund liegt nicht zuletzt darin, dass die Spitäler immer mehr Behandlungen ambulant ausführen. Dadurch verliert die klassische Halbprivat- und Privatversicherung für stationäre Aufenthalte an Bedeutung: Wenn Zusatzversicherte am Tag des Eingriffs wieder nach Hause können, nützt ihnen die Halbprivat- oder Privatversicherung nichts. Helsana hat bereits Verträge mit zahlreichen Spitälern abgeschlossen, die ab 2014 die zusatzversicherte Kundschaft ambulant behandeln. Die Liste ist noch nicht vollständig, umfasst aber sowohl private wie öffentliche Spitäler.

Zweiklassenmedizin?

Einige Patientenvertreterinnen befürchten, dass die Zusatzversicherung die Gleichbehandlung der Patienten gefährdet. Doch nicht alle sehen das so: Margrit Kessler, Präsidentin der Stiftung SPO Patientenschutz, begrüsst die neue Zusatzversicherung. Diese trage dazu bei, dass Privatpatienten nicht mehr unnötig stationär behandelt würden, nur damit sie ihren gewünschten Arzt und mehr Komfort erhielten. Über diesen Weg würden sich Privat- und Halbprivatversicherte heute die Behandlung durch den gewünschten Arzt sichern, was zu unnötigen Kosten führe. Positiv bewertet Kessler zudem das Angebot von Helsana, bisherigen Kunden die Versicherung ohne Gesundheitsprüfung zu gewähren, wenn sie auf 2014 beitreten. Jenen, die eine Zweiklassengesellschaft im Spital befürchten, hält Kessler entgegen: Schon bisher hätten sich Patienten durch eine Spitalzusatzversicherung eine bessere Behandlung erkaufen können.

Der Freiburger SP-Nationalrat Jean-François Steiert hält die Zusatzversicherung an sich für keine Gefahr für die medizinische Versorgung. Deren Qualität hänge nicht in erster Linie davon ab, ob man vom Chefarzt behandelt werde. Entscheidend sei, dass die Behandlungsqualität in den Spitälern für alle garantiert bleibe. Dann werde sich die neue Zusatzversicherung als überflüssig erweisen. Werde sie zum Erfolg, sei dies ein schlechtes Zeichen für die Qualität der ambulanten Spitalbehandlung, sagt Steiert, Vizepräsident des Dachverbandes Schweizerischer Patientenstellen.

Andere Kassen werden folgen

Helsana schliesse eine Marktlücke, findet dagegen Urban Laffer, ärztlicher Direktor des Spitalzentrums Biel. Die neue Zusatzversicherung werde ein Erfolg. Andere Kassen gerieten unter Zugzwang und müssten ihren Kunden auch eine solche anbieten. Tatsächlich überlegt sich auch die zweitgrösste Krankenversicherung CSS, eine Privatversicherung für den ambulanten Bereich zu lancieren. Befürchtungen, dass die freie Arztwahl der Privatpatienten zur Benachteiligung allgemein Versicherter führe, hält für Laffer unbegründet. «Grundversicherte werden deswegen nicht schlechter operiert», versichert Laffer, der Präsident des Verbandes chirurgisch und invasiv tätiger Ärzte. Hingegen müsse sich das Spitalpersonal anpassen: «Wenn ein Privatpatient eine Behandlung am Samstagmorgen oder abends um sechs Uhr wünscht, dann verlangt das nach einer flexiblen Reaktion.»

Problematisch an der neuen Zusatzversicherung findet Steiert den besseren Zugang zu nicht kassenpflichtigen Medikamenten, der bei Primeo ebenfalls versichert ist. Denn heute gebe es etwa bei noch nicht zugelassenen Krebsmedikamenten bereits eine ungleiche Behandlung unter den Versicherten. Nicht alle Kassen zahlten unter den gleichen Bedingungen solche Behandlungen aus der Grundversicherung. Falls der Zugang zu solchen Medikamenten über eine Zusatzversicherung garantiert werde, würden Kassen tendenziell noch restriktiver gegenüber Grundversicherten, um die Zusatzversicherung zu rechtfertigen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.08.2013, 09:40 Uhr

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