Professoren-Duo soll künftigen Managern Ethik beibringen

Nach der Abzockerdebatte beruft die Uni St. Gallen gleich zwei Professoren ans Institut für Wirtschaftsethik – auch auf äusseren Druck.

Ein Hort für mehr Wirtschaftsethik: Universität St. Gallen.

Ein Hort für mehr Wirtschaftsethik: Universität St. Gallen. Bild: Keystone

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Der altersbedingte Rücktritt von Peter Ulrich, langjähriger Leiter des HSG-Instituts für Wirtschaftsethik in St. Gallen, war von lauten Nebengeräuschen begleitet. Man erinnert sich: Sein Stellvertreter Ulrich Thielemann hatte im Frühjahr 2009 im Deutschen Bundestag den Schweizer Eliten vorgeworfen, ihnen fehle punkto Steuerdelikte das Unrechtsbewusstsein.

Die Debatte ums Bankgeheimnis war damals noch jung. Entsprechend heftig reagierte man in der Schweiz. Empörte Politiker betitelten den Deutschen Thielemann als Nestbeschmutzer. Der Unirektor drohte ihm mit Entlassung. Und Christoph Blocher fand Lehrstühle für Wirtschaftsethik generell unnötig – und kandidierte dann paradoxerweise selber für die Professur.

Zwei der jüngeren Generation

Inzwischen ist die Schweiz von der Bankenkrise und der Abzockerdebatte erschüttert worden – was bei der Universitätsleitung offenbar Wirkung zeigte: Sie vermeldete gestern die Wahl von gleich zwei Ulrich-Nachfolgern. Und es kommt zu einem Generationenwechsel. Der gebürtige Deutsche Thomas Beschorner, derzeit Professor in Montreal, ist 40-jährig. Sein künftiger Co-Leiter, der Schweizer Florian Wettstein, Professor in Minneapolis (USA), ist erst 35.

Die Doppelbesetzung zeige, «dass der Wirtschaftsethik eine zentrale Bedeutung zukommt», sagt Martin Hilb, Präsident des Aufsichtsgremiums des Intituts. Zudem würden sich die beiden «hervorragend ergänzen». Beschorner, der vor seiner akademischen Karriere eine kaufmännische Lehre machte, sei «sehr praxisnah». Wettstein sei ein «ausgezeichneter Forscher».

SVP wollte keinen Deutschen

So reibungslos, wie offiziell dargestellt, erfolgte die Doppelbesetzung allerdings nicht. Gemäss Recherchen hatte die Berufungskommission dem Universitätsrat zunächst nur Beschorner vorgeschlagen. Weil dieser jedoch eine eher wertneutrale Richtung der Wirtschaftsethik vertritt, intervenierten namhafte Exponenten der Universität. Worauf das Berufungsgremium nach monatelangem Seilziehen auch Wettstein auf den Schild hob. Der HSG-Absolvent war früher Assistent am Institut von Peter Ulrich.

Gleichzeitig gefiel Beschorners Nationalität nicht allen. Insbesondere die SVP wehrte sich dagegen, dass ein Deutscher auf den einzigen Wirtschaftsethik-Lehrstuhl der Schweiz berufen würde. Treibende Kraft für die Zweierlösung soll am Ende Bildungsdirektor Stefan Kölliker gewesen sein. Der SVP-Mann ist gleichzeitig Präsident des Universitätsrats.

Er sei «recht glücklich», dass sein Lebenswerk mit einer «ausgewogenen Gesamtlösung» weitergeführt werde, sagt Ulrich. Und er lobt Florian Wettstein als den «Profiliertesten» der sieben Kandidaten, welche es in die engere Wahl geschafft hatten. Wettstein selber bezeichnet die Duo-Lösung als «grosse Chance für die Studierenden». Gleichzeitig werde man «den Draht zur Praxis verstärken». Wie Unternehmer ticken, weiss Wettstein. Vor seiner Uni-Karriere war er in diversen Firmen tätig. Unter anderem bei der NZZ, wo er als Projektmanager den Börsenteil neu gestaltete. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.06.2010, 23:02 Uhr

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