Quecksilber: 71 Walliser Grundstücke müssen saniert werden

Rund 4000 Bodenproben liessen der Chemiekonzern Lonza und der Kanton Wallis bei Visp analysieren. Das Ergebnis: 71 Grundstücke sind sanierungsbedürftig, 104 leicht verschmutzt.

In 31 Gemüseproben wurden erhöhte Quecksilberwerte gefunden: Der Grossgrundkanal in Turtig, dessen Umgebung von der Quecksilberverschmutzung betroffen ist. (16. Februar 2015)

In 31 Gemüseproben wurden erhöhte Quecksilberwerte gefunden: Der Grossgrundkanal in Turtig, dessen Umgebung von der Quecksilberverschmutzung betroffen ist. (16. Februar 2015) Bild: Olivier Maire/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Kanton Wallis hat einen ersten Gesamtüberblick zur Quecksilberverschmutzung bei Visp bekannt gegeben. Im Siedlungsgebiet sind mindestens 71 Grundstücke sanierungsbedürftig, weitere 104 sind leicht verschmutzt. Dies zeigen die Resultate von rund 4000 Bodenanalysen. Im Wohngebiet wurden insgesamt 469 Grundstücke untersucht. Davon gelten 294 Parzellen als unbelastet, weil sie weniger als 0,5 Milligramm Quecksilber pro Kilogramm Erde aufweisen. Zudem wurden 752 Proben im Landwirtschaftsland entnommen, wovon 707 unbelastet sind.

Bei 41 landwirtschaftlichen Zonen wurde eine Verschmutzung zwischen 0,5 und 20 mg Quecksilber pro Kilogramm entdeckt. Weil der Sanierungswert für landwirtschaftlichen Flächen mit 20 mg Hg/kg zehn Mal höher liegt als jener für das Siedlungsgebiet, wurde nur bei vier belasteten Flächen der Grenzwert überschritten. Entwarnung geben die Behörden bei Lebensmitteln wie Salate, Knollen- oder Zwiebelgemüse, das auf den verschmutzten Flächen angebaut wurde. Gemäss einer Laboranalyse ist der Verzehr dieses Gemüses nicht kritisch.

Lonza arbeitet Sanierungsprojekte aus

Bei den sanierungsbedürftigen Parzellen im Siedlungsgebiet wird der für die Verschmutzung verantwortliche Chemiekonzern Lonza nun weitere Untersuchungen durchführen, um das Ausmass der Belastung und die Tiefe in den Böden zu ermitteln. Danach wird die Lonza Sanierungsprojekte ausarbeiten und die Arbeiten darauf ohne Präjudiz vorfinanzieren. Offen ist nach wie vor die Frage, was mit den 104 leicht verschmutzten Parzellen mit Werten zwischen 0,5 und 2 mg Quecksilber pro Kilogramm geschieht.

Weil sie unter dem gesetzlichen Sanierungswert von 2 mg Quecksilber pro Kilogramm Erde liegen, kann der Kanton keine Sanierung verlangen. Dennoch werden diese Parzellen im Altlasten-Kataster aufgeführt. Der Kanton, die Lonza, die Gemeinden und die Betroffenen wollen sich zu Gesprächen über eine allfällige Unterstützung treffen.

Keine Gefahr für Gesundheit

Obwohl in 31 Gemüseproben von Gärten aus dem Siedlungsgebiet Turtig erhöhte Quecksilberwerte gefunden wurden, ist der Verzehr nach Angaben des Kantons nicht kritisch für die Gesundheit. Das Wallis gibt allerdings Empfehlungen für die Nutzung von belasteten Privatgärten ab. Die höchste Quecksilberbelastung wurde bei Mangold gemessen, wie die Walliser Behörden bekanntgaben. Bereits der natürliche Quecksilbergehalt bei Mangold betrage 0,002 mg Quecksilber pro Kilogramm.

Bei den von einem Labor in Bremen (D) vorgenommenen Analysen in Turtig wurden Quecksilbergehalte von 0,002 bis 0,019 mg/kg nachgewiesen. Dies wurde verglichen mit der Dosis Quecksilber, welche ein Mensch innerhalb einer Woche ohne gesundheitliche Beeinträchtigung aufnehmen kann. Bevor dieser Wert erreicht wäre, müsste eine 60 kg schwere Person bis zu 12 kg Mangold pro Woche essen, hielten die Behörden in einem Informationsblatt an die Bevölkerung fest. Nach wie vor gelten zur Nutzung der Privatgärten Empfehlungen und Verbote des Kantons.

So dürfen auf Grundstücken über dem Sanierungswert von mehr als 2 mg Quecksilber pro Kilogramm Boden weiterhin keine Früchte und kein Gemüse angebaut werden. Auf den leicht verschmutzten Parzellen mit Werten zwischen 0,5 bis 2 mg/kg soll Gemüse angebaut werden, die wenig Quecksilber aufnehmen. Dazu gehören unter anderem Auberginen, Tomaten sowie Beeren, Kernobst und Steinobst. Vor dem Essen sollen die Früchte und Gemüse gut gewaschen werden, damit keine belastete Erde aufgenommen wird. Nicht anbauen sollte man hingegen Gemüse wie Kartoffeln, Karotten, Kopfsalat, Mangold oder Spinat, weil diese ein hohes Aufnahmepotenzial für Quecksilber haben. (thu/sda)

Erstellt: 16.02.2015, 21:52 Uhr

Artikel zum Thema

Campingplätze mit Quecksilber verschmutzt

Der Fall um die Altlasten der Chemiefabrik Lonza bei Visp VS zieht immer grössere Kreise: Auch zwei Campingplätze sind kontaminiert. Bis auf weiteres dürfen keine Zelte mehr aufgestellt werden. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Blogs

Von Kopf bis Fuss Biologische Ernährung senkt das Krebsrisiko

Beruf + Berufung Wenn der Akademiker Biber bäckt

Paid Post

Mit Swissôtel das SOS-Kinderdorf unterstützen

Mit jedem Kommentar und jedem «Share» dieses Artikels wird die Spende von Swissôtel im Namen der Mamablog-Community ans SOS-Kinderdorf erhöht. Helfen Sie mit!

Die Welt in Bildern

Festival vereint die verschiedenen Kulturen des Landes: Eine Frau singt und tanzt bei einem Strassenfest in Südafrika in einem traditionellen Kleid. (14. Dezember 2018)
(Bild: Rajesh JANTILAL) Mehr...